Abschied ist doof

Abschied ist doof. Jedenfalls wenn man diejenige ist, die zu Hause bleibt. Natürlich ist ein Abschied immer auch ein Neubeginn und kann den Anfang eines neuen Abenteuers bedeuten. Aber manchmal fühlt es sich zunächst einfach ganz anders an.

Abschied ist doof

Jetzt, also heute, kann ich endlich meine Mama verstehen und mir ungefähr vorstellen, wie sie sich gefühlt hat, als ich mich vor 25 Jahren (hoops, wie die Zeit vergeht!) nach Mexiko aufgemacht habe. Heute früh habe ich meinen Großen am Flughafen verabschiedet. Er fliegt nach Neuseeland. Für ein Jahr Work & Travel. WIESO GIBT ES DAS NUR FÜR UNTER 30 JÄHRIGE? Eigentlich finde ich das natürlich klasse und würde selbstverständlich sofort gleich selbst losfliegen. Aber ich bin zu alt, sagen die Neuseeländer. Jedenfalls für diese Art von Visum. Dabei kennen die mich doch gar nicht!

Da steh ich nun auf der falschen Seite der Sicherheitskontrolle. Nicht da, wo die Abenteuer losgehen, sondern da, wo man mit dem Taschentuch winken und verstohlen ein paar Tränchen wegwischen kann. Mist. Aber da muss ich jetzt wohl durch. Ich hab‘ s ja nicht anders gemacht. Selbst Schuld. Das kommt davon, wenn man seine Kinder zu selbständigen Individuen erzieht. Jetzt gerade würde ich mir doch wünschen, er würde noch bis 35 zu Hause bleiben … naja nicht wirklich. Ist halt nur so ein Gefühl. Da war ich nun 18 Jahre lang mit meiner Rolle als Mama ziemlich beschäftigt und stehe jetzt von einem Tag auf den anderen fast sowas wie „arbeitslos“ rum. Zum Glück ist ja die „Kleine“ noch da, obwohl die auch schon dabei ist Pläne zu schmieden, wohin es nach dem Abi (nächsten Sommer) geht. Ein Jahr hab ich noch.

Ich weiß, ich weiß. Es hat ja auch alles seine Vorteile. Ich kann selber wieder reisen, wann und wohin und wie lange ich will und muss keine Rücksicht auf „zuhause“ nehmen. Der Mann kommt mit, wenn er Lust und Zeit hat, oder auch nicht. Das war zum Glück nie ein Thema. Aber wie wird das „Zurückkommen“ in Zukunft aussehen? Kleine Ärmchen haben mich am Flughafen schon lange nicht mehr umschlungen und sehnsüchtig Mamas Rückkehr erwartet. Aber wenigstens hat der eine oder andere Mummelgrumpf mir die Tür aufgemacht und mich in Empfang genommen, wenn ich meine Koffer die Treppe hoch geschleppt habe. Auch wenn die erste Frage in letzter Zeit oft „Mama wo ist…?“ lautete.

AbschiedDa zieht er hin, der Rucksack. Nur leider nicht meiner…

Neulich habe ich einen sehr schönen Artikel bei Entdecker(G)reise gelesen. Es ging dabei um die Chance eine Weltreise zu machen, gerade jenseits der 40. Eigentlich wollte ich den Abschied ganz positiv nehmen und mich freuen, für ihn, den Großen, und auch für mich/ uns selbst, über die wiedergewonnene Zeit. Nur gerade heute fühlt sich das einfach noch … komisch… an. Meine Mama hat mir ja eigentlich schon vorgemacht wie es geht. Loslassen ist angesagt. Ich werde mich also im Loslassen üben und wohl gelaunt in die Arbeit stürzen. Morgen sieht alles schon ganz anders aus und wenn die ersten Mails aus Neuseeland kommen, platze ich wahrscheinlich vor Stolz.

Das Jahr ist noch lang und ich habe noch so viele Pläne. Zuhause auf dem Sofa Schokolade mampfen kann man ja mal machen, aber irgendwie ja auch nicht immer. Am besten ich buche mir gleich einen Flug. Davon wird man wenigstens nicht dick 😉

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2 Comments

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  1. says: michibk

    es war auch irgendwie traurig und ungewohnt – wenn man jetzt durch die Wohnung in sein Zimmer geht, und der Bett und Schnuffelgeruch noch da ist . . .

  2. says: Inka

    Ich musste gerade schmunzeln: Der Große der besten Freundin des Mannes ist auch vor 2 Wochen los für ein Jahr nach Neuseeland. Ich war erstaunt, wie gelassen sie es nimmt – Dein Post bestätigt ein bisschen meine Vermutung, dass sie da doch nicht sooo lässig ist, wie sie tut. 🙂
    Wie muss das wohl sein? Da bei uns die Kids sowieso nur die Hälfte der Woche sind, war das Loslassen für die Eltern anscheinend ein wenig leichter. Wie auch immer: Ja, stolz kannste sein! Ist nämlich tatsächlich nicht jedem Kind einfach so gegeben, die Eltern in diesem Alter für ein ganzes Jahr zu verlassen und die Selbständigkeit zu prüfen.
    Genug gelabert, nun: Hab Spaß! 🙂