Atlantis in der Eifel? Neutral Moresnet

Nach dem verregneten Einstieg weckt uns Aachen am Samstag mit Sonnenschein! Ein wunderschöner Herbsttag wartet auf uns. Viel zu schön, um ihn in einem Museum zu verbringen. An der Touri-Info-Station am Elisenbrunnen fragen wir vorsichtshalber nach, ob man „mal eben schnell“ in die Niederlande rüberfahren kann. Oder eventuell sogar bis Belgien, was ja auch nicht weit weg sein kann.“Überhaupt kein Problem!“ Von der City Aachen zum Dreiländerpunkt, der früher mal ein Vierländerpunkt war, sind es nur 20-30 Minuten mit dem Rad. “  Mooooment… Wie war das mit den vier Ländern?? Niederlande, Belgien, Deutschland, wer ist denn da das vierte Land? Ein Land, das heute verschwunden ist? So wie Atlantis, in der Eifel?

Aachen mit dem Rad in der Eifel unterwegs

Die Geschichte des neutralen Moresnet

Meine Lieblings-Auskunfts-Dame am Informationsschalter der Touristeninformation erklärt uns auch diese Geschichte: Früher, so im 18. /19. Jahrhundert, wurde in der Gegend Galmei abgebaut, ein Zinkerz, das man zum Messingherstellung brauchte. Anfang des 19. Jahrhunderts, so um die Zeit des Wiener Kongresses, konnten sich Preußen und Niederlande nicht einigen (Belgien gab es erst ab 1830 oder so) wem das Gebiet, in dem dieser wichtig Rohstoff abgebaut wurde, zugesprochen werden sollte. Man entschied sich schließlich relativ friedlich dafür, eine neutrale Zone zu schaffen, die zu keinem der drei Reiche gehörte, aber alle angrenzenden Staaten belieferen sollte. Neutral Moresnet war geboren. Das funktionierte sogar rund hundert Jahre lang richtig gut. Nach dem ersten Weltkrieg fiel Neutral-Moresnet dann aber an Belgien und aus dem Vierländerpunkt wurde ein Dreiländerpunkt.

Neutral-Moresnet-Moresnet-Chapelle

Landkarte Moresnet-Chappelle

Das Dreiländereck bei Aachen

Nach dieser Nachricht war unser Plan für den Tag natürlich klar: Diesen Drei- bis Vierländerpunkt vor den Toren Aachens mussten wir sehen. Ein „Land“ mitten in Europa, von dem wir noch nie gehört hatten, und das einfach sang- und klanglos verschwunden sein soll? Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten, vorwiegend durch mein intelligentes, aber eben ausländisches Mobiltelefon verursacht, leihen wir uns schließlich ein paar Räder. Dem netten Mitarbeiter des Call Centers nochmals tausend Dank für seine Engelsgeduld!

Radtour Aachen Eifel
Radtour bei Aachen, in der Eifel

Schnell sind wir raus aus der Stadt und auf Feldwegen unterwegs. Die Landschaft um uns herum ist umwerfend schön. Malerische Herbstwälder im Sonnenschein. Da kommt bei mir wieder diese Sehnsucht nach einer Wanderung durch Deutschland auf, so wie Goethe damals, von Dorf zu Dorf. Es muss ja nicht immer der Jakobsweg sein, wo es doch in der Eifel, an Rhein und Mosel oder an der Weser so schöne Landschaften gibt! Aber vielleicht fällt mir das auch nur auf, weil ich es seit so vielen Jahren nicht mehr täglich sehe und erlebe? Na egal. Wir hatten jedenfalls tierisch Spaß mit den Rädern durch die Gegend zu düsen. Naja wenn ich ehrlich bin, bergauf war weniger lustig, da musste ich schieben. Zum Glück dauerte es gar nicht lange, da waren wir vorbei an Kühen, Türmchen, Feldern, Wäldern und Vogelschutzgebieten schon an der Grenze, mitten im Wald.

Aachen Eifel Fahrradtour

Aachen Eifel Fahrradtour 

Aachen Eifel Fahrradtour

Aachen mit dem Rad in der Eifel

Auf der holländischen und der belgischen Seite des Dreiländerecks gibt es ein Restaurant, einen Kinderspielplatz und sogar einen Aussichtsturm. Auf der deutschen Seite ist … Wald. Wir stärken uns mit einer Apfelschorle, fotografieren mit ein paar lustigen Belgiern um die Wette und machen uns dann wieder an den Abstieg. Ja richtig gehört, es ist nämlich ganz gut hoch hier! Früher war das wohl mal der höchste Punkt der Niederlande!! *

Dreiländereck

Dreiländereck

Dreiländereck

Während Michi bei der Abfahrt ins niederländische Dörfchen Vaals runter sein Mountainbike vermisst und nach einem kurzen Moment schon hinter der ersten Kurve verschwunden ist, fahre ich etwas langsamer und eleganter durch das feuchte Herbstlaub den steilen Berg hinab. Man könnte auch sagen, ich bremse bergab vor Schiss, in dem nassen Laub auszurutschen. Heil unten angekommen, kurven wir noch ein wenig durch Vaals. Dieses niedliche, kleine Dorf ist halb niederländisch, halb deutsch. Mitten in einer Dorfstraße, ohne dass man es so richtig mitkriegt, hat man plötzlich die Grenze überschritten. Während auf der einen Seite Autos mit gelben Nummernschilder stehen, sind die auf der anderen Seite weiß. Ansonsten ist alles gleich. Echt schräg. Ich konnte natürlich nicht umhin, mich mitten auf die Grenze zu stellen, mit jeweils einem Fuß in jedem Land. 🙂

Vaals

Vaals,  Grenze

Ergebnis: Drei Länder an einem Nachmittag, das machen wir doch mit links 🙂

* Heute ist der höchste Punkt der Niederlande der Mount Scenery auf Saba (in der Karibik). Der Vaalserberg ist aber immer noch der höchste Punkt des europäischen Teils der Niederlande.  

Hinweis: Dieser Bericht entstand mit freundlicher Unterstützung von HRS und der Deutschen Bahn.

4 Comments

  • Ich freue mich immer wieder darüber, so nah an gleich zwei wunderbaren Ländern zu wohnen! 🙂
    Schön, dass es dir auch so gut gefallen hat, hier bei uns in Oche!

    Liebe Grüße
    Jessi

  • Ich wollte schon protestieren (Früher war das wohl mal der höchste Punkt der Niederlande!). Gut, dass ich brav bis zum Ende gelesen habe 🙂
    Ich stelle mal wieder fest, dass es unglaublich ist, dass ich bisher noch nicht in Vaals und auf dem Vaalser Berg war… Ab auf meine To-do-Liste.
    LG, Kristine

    • Haha, ja die Niederländer und ihre „Berge“. Ganz offiziell ist der höchste Berg der Niederlande eben in der Karibik (war für mich neu – Reisen bildet eben!). 🙂 Aber einen Abstecher solltest Du echt mal machen! Der Wald dort ist so bilderbuchschön, perfekt zum Spazieren. Am besten mit Hund!

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