Aquisgrán – Aix-la-Chapelle – Aachen

Wußtet Ihr, dass Aachen noch heute auf Spanisch Aquisgrán heißt? Aquis granum (Aque granni) nannten die Römer diesen Ort, dessen Quellen sie als Bäder nutzen. Aix la Chapelle sagen die Franzosen und denken bei Aachen eher an Charlemagne und seine Pfalzkirche („Wasser der Karlskapelle“). Fest steht, dass schon die Kelten hier  ihren Wassergott Grannus, der auch für die Wärme und das Heilen zuständig war, veehrten. 

Elisenbrunnen Aachen

Während wir heute eher an Aachener Printen denken, also ich jedenfalls, dachte man in früheren Jahrhunderten bei der Erwähnung der Stadt Aachen vor allen Dingen an die Thermalbäder. „Bad“ Aachen galt sogar als eines der beliebtesten Bäder der Reichen und Schönen vergangener Zeiten. In den heiligen oder heilenden Wassern Aachens tummelten sich Könige und andere Promis. Die Preußen errichteten im 19. Jahrhunderten die wohl berühmteste Trinkhalle der Stadt, den Elisenbrunnen mit der dahinter gelegenen Anlage des Elisengartens. Hier soll man in einer eleganten Halle das heilende Wasser trinken können. Schade nur, dass das Wasser so schwefelhaltig ist. Es riecht nämlich in der Nähe des Brunnens leicht unangenehm nach faulen Eiern (Schwefel eben).

Elisenbrunnen Aachen

Elisengarten Aachen

Elisengarten Aachen

Im Mittelalter war Aachen eine der wichtigsten Pilgerstätte der Christenheit. Alle sieben Jahre pilgerten Gläubige aus ganz Europa zum Aachener Dom. Der Dom ist so spannend und beeindruckend, dass ich Euch lieber in einem  eigenen Artikel davon erzählen werde. Es ist – neben der Mezquita in Cordoba- mit Abstand die allerschönste Kirche Europas.

Aachen Dom

Rund um den Dom herum kann man noch mehr Schätze vergangener Jahrhunderte entdecken. Da ist zum Beispiel direkt hinter dem Westausgang das Grashaus, eines der ältesten Häuser der Stadt (1267 gebaut). An der Stelle, an der man das Gebäude errichtete, befand sich früher ein Dorfanger, ein Grasplatz. Hier wurde Recht gesprochen und Hinrichtungen fanden statt. Das Grashaus war ursprünglich einmal das erste Rathaus Aachens. Später war es lange Zeit eine Gerichtsstätte bis es beim großen Brand beinah völlig zerstört worden wäre. Nur knapp entging das Grashaus dem Abriss und wurde erst im 19. Jahrhundert restauriert. Leider kann man das Gebäude zur Zeit nicht besichtigen, weil es wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist. 2014 soll es dafür Teil der geplanten Route Charlemagne werden.

Grashaus Aachen

Als das Grashaus zu klein geworden war, baute man auf den Grundmauern der alten Kaiserpfalz ein neues, größeres Rathaus. Ein sehr beeindruckendes, riesiges Rathaus!

Aachen Rathaus

Direkt gegenüber dieses Rathauses steht das Haus Löwenstein. Das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert und hat als eines der wenigen Häuser den Brand 1656 „überlebt“. Man vermutet, dass früher in den Kellnern Wein gelagert wurde. Über viele Jahrhunderte diente es jedoch als ganz normales Wohnhaus. Die erste urkundlich erwähnt Besitzerin war Anna Löwenstein. Nach ihr hat man das gotische Gebäude kurzerhand benannt. Heute befindet sich im Untergeschoss eine Infostelle zur Route Charlemagne, die aber leider „bis auf Weiteres“ geschlossen ist.

Aachen Haus Loewenstein

Aachen Haus Loewenstein

An der Ecke des Hauses Löwenstein prangt golden leuchtend ein Heiliger Nepomuk. Was der besonders im Habsburger Reich (Böhmen, Österreich und so) beliebte Heilige in Aachen macht, hab ich leider nicht rausgefunden.  🙁

Haus Loewenstein Aachen

Stundenlang gesucht habe ich nach dem Büchelpalais. Die Straße „Büchel “ war schnell gefunden, aber ein Palais…?? Laut Wikipedia soll dieses unter Denkmalschutz stehende Gebäude früher einmal eine Wollküche, ein Kornhaus und eine Markthalle gewesen sein. Nacheinander versteht sich. In den Kellergewölben soll man vor ein paar Jahren antike, römische Wasserleitungen entdeckt haben.  Ich habe viele echte Aachener angesprochen, aber niemand kannte ein solches Gebäude. Da ich ja mit dem spanischen Handy unterwegs war hatte ich natürlich auch keinen Zugang zum wörldweitwep, wo mir ein Foto vielleicht weitergeholfen hätte.  Aber Rettung nahte dennoch! 🙂 Eine super nette Dame in der Touristeninformation am Elisenbrunnen hat uns aufgeklärt: Bis vor wenigen Jahren befand sich in dem so genannten Büchelpalais ein Andenken- Aachen-Souvenir-Shop o.ä. Die Besitzerin hat damals auch recht großzügig auf Wunsch Einblick in ihre Kellerräume gewährt. Mittlerweile befindet sich in dem Gebäude aber ein Klamottenladen. Die römischen Wasserleitungen kann man sich also nicht ansehen. Schade. Aber immerhin: Geheimnis gelöst!  Und außerdem hat uns die nette Mitarbeiterin gleich noch ein paar interessante Tipps gegeben, von denen erzähl ich aber in einem anderen Bericht. ( Liebe Grüße an die Touristeninformation Aachen: Vielen Dank!  1 plus mit Sternchen 🙂 )

Büchelpalais Aachen

Büchelpalais Aachen

Gar nicht weit von dem ominösen „Palais“ entfernt, bin ich dann auch noch auf eine alte Aachener Legende gestossen:  Die Geschichte von Bahkauv (Badekalb oder Bachkalb):

Dieses Fabeltier, das heute einen Brunnen am Büchel ziert, machte angeblich in früheren Zeiten Jad auf Nachtschwärmer. Der Legende nach stieg das Bahkauv aus den Thermalquellen empor und lauterte des nachts betrunkenen oder sich herumtreibenden Männern auf, und setzte sich auf deren Schultern. Flehten und baten sie um Gnade oder Hilfe, wurde das Bahkauv nur immer schwerer. Fluchten und schimpften die Männer, wurde das Ungeheuer angeblich leichter.  Es gibt viele Varianten und Geschichten der Legende, nach denen das Bahkauv besiegt, getötet oder als verkleideter Turmwächter enttarnt wurde. Frauen und Mädchen hat das Vieh aber nie etwas getan.

 

Aachen Bahkauv Brunnen Büchel

Alles in allem gibt es in  Aachen so viel zu sehen, dass es gar nicht alles in einen Artikel passt. Sobald wie möglich erzähl ich mehr vom Dom, vom Rathaus, vom Dreiländereck und natürlich gibt es auch wieder etwas zum Thema „Essen“ .

**Hinweis: Dieser Bericht entstand mit freundlicher Unterstützung von HRS und der Deutschen Bahn. **

 

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2 Comments

  • Jetzt hab ich richtig Lust, mal wieder nach Aachen zu reisen und freue mich schon auf mehr… Die Geschichte vom Bahkauv kannte ich noch nicht. Bei uns in Schaumburg gibt es eine ähnliche Geschichte vom Böxenwulf: Der ist auch des Nachts ahnungslosen Wanderern auf den Buckel gesprungen und hat sich Richtung Stadt tragen lassen. Schnell hat sich keiner mehr nachts auf die Landstraße getraut. Aber der Böxenwulf ist dann wohl doch recht unmissverständlich von einem mutigen Zeitgenossen enttarnt worden als Witzbold im Wolfspelz.

    Viele Grüße,
    Lena

    • Danke für die Geschichte aus Schaumburg!! Das hört sich ja auch sehr sagen- und legendenträchtig an 🙂

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