Brecon Beacon und eine verlassene Abbey

Unterwegs nach Hay-on-Wye durchqueren Mike und ich den Brecon Beacon Park auf einem der alten Pilgerwege. Gospel Path heißt der Weg, der sich hier über die Berge schlängelt und von Osten her bis nach Saint Davids führt. Doch bevor wir an dem Pass angelangen, will Mike mir unbedingt noch eine abgelegene, alte Klosterkirche zeigen. Eigentlich habe ich schon genug Kirchen und Ruinen gesehen, denke ich. Aber wenn es sowieso auf dem Weg liegt …

Der Gebirgszug des Brecon Beacon erhebt sich hinter den großen Städten an der südöstlichen Küste. Brecon Beacon ist schon der dritte National Parc den ich in Wales besuche. Das relativ kleine Wales besteht fast nur aus Nationalparks: Snowdonia, Pembrokeshire und Brecon Beacon. Kein Wunder, denn die Landschaften hier sind einmalig, wo ich auch hinkomme.

Llanthony Abbey

Als ich mit Mike an den Ruinen des alten Klosters ankomme, scheint gerade mal wieder die Sonne. Ich betrete also die Überreste der Kirche und um mich herum ragen hohe Säulen in den blauen Himmel. Durch eines der ehemaligen Fenster sehe ich, wie in der Ferne zwei Reiter auf ihren Pferden im Wald verschwinden. Schafe grasen auf den grünen Wiesen. Teilweise sind in den Mauern, die vom Kirchschiff noch übrig geblieben sind, Reste von Denkmälern und Wandtafeln zu erkennen.

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Llanthony ist die Abkürzung von Llanddwi nant Hodni. Der Name auf Walisisch ist eigentlich schon ein Teil der Geschichte der Kirche und bedeutet Church of Saint David near the River Hodni. Saint David zog ja im sechsten Jahrhundert durch das Land und gründete überall Kirchen, so auch hier, nahe dem Fluss Hodni. Doch mit den Jahren verfiel die kleine Kapelle mitten im Wald und geriet in Vergessenheit, bis eines Tages ein edler Ritter durch die Wälder streifte.

Nachdem William the Conqueror England erobert hatte, kamen viele Bretonen, Normannen und Franzosen auf die Britischen Inseln, einer von ihnen war ein gewisser Walter De Lacy.  Dieser normannische Edelmann durchstreifte also eines Tages auf der Jagd die Wälder hier in der Gegend. De Lacy liebte die Jagd und das gute Leben. Doch als er die alte Kirche entdeckte, hatte er eine göttliche Erscheinung, die sein Leben für immer verändern sollte. Er gab all seine weltlichen Güter auf und gründete ein Kloster.

Das Augustinerkloster Llanthony Abbey wurde zu einem der wichtigsten Orte auf der Pilgerstrecke. Eines Tages beschloss der Abt eine Tochterkirche in der Stadt einzurichten und gründete Llanthony Abbbey II in Gloster. Bald wurde der Ableger zum Hauptsitz des Klosters gemacht und die ursprüngliche Mutterkirche in der Abgeschiedenheit des Waldes geriet immer mehr in Vergessenheit.

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Im Zuge der englischen Kirchenreform unter Henry VIII wurde auch die Abbey zerstört und verfiel. Vielleicht war es Zeitmangel, der die kirchenstürmenden Truppen zunächst das Dach der Kirche einreißen ließ, in der Hoffnung, die Natur würde dann schon den Rest erledigen. Die Abbey ist heute zwar eine Ruine, aber Teile der Wände und einige Säulen sind noch ziemlich gut erhalten.

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Dieses stille Plätzchen im Wald ist irgendwie verzaubert. Aber schließlich muss ich mich losreißen, denn wir wollen ja noch über den Bwlch yr Efengyl, den Gospel Path, fahren.

Gospel Path

Als Mike und ich über den Kreuzpass in Snowdonia gefahren sind, hatten wir so viel Schnee und Hagel, dass die Aussicht oben auf dem höchsten Punkt im Nebel verschwand. Hier scheint jetzt dafür die Sonne. Die Straße ist ähnlich eng und kurvig, aber dieses Mal kann ich die Täler und Berge um mich herum genau sehen. Und ich sehe viele Radfahrer und Wanderer. Am Wochenende ist hier richtig was los. Wahre Menschenströme laufen auf den Wanderwegen durch den Breacon Beacon Park. Mit der Abgeschiedenheit ist es definitiv vorbei. Mike erklärt, dass hier zwei wichtige Wanderwege zusammen kommen, denn der Gospel Path scheint sich mit dem Offa’s Dyke Path zu kreuzen, und eine Weile führen beide Strecken parallel entlang des ehemaligen Grenzwalls zwischen England und Wales.

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Falls Dir diese Bilder aus dem Brecon Beacon irgendwie bekannt vorkommen, die Anfangsszene aus „An American Werewolf In London“ wurde genau hier gedreht – und ich glaube die eine oder andere Autowerbung könnte auch hier entstanden sein.

Infos Brecon Beacon Nationalpark:

Im Breacon Beacon Nationalpark gibt es sogar ein Besucherzentrum. Mike und ich machen dort eine kleine Pause: Wir trinken Kaffee und ich will mir natürlich wieder die leckeren Welsh Cakes bestellen, nach denen ich süchtig bin. Welsh Cakes sind zwar leider aus, aber dafür gibt es Bara Brith, das schmeckt auch köstlich.

The National Park Visitor Centre
Libanus
Brecon LD3 8ER
Wales

Website: national-park-visitor-centre

bara brith

schafe im brecon beacon Nationalpark Wales

Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Blogtrips, der von Visit Wales unterstützt wurde. Besonders lieben Dank an Louise und Mike von Dragon-Tours, die mir ihr Wales gezeigt haben!

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