Bukarest – eine Stadt im Aufbruch

Häßliche Plattenbauten der Ceaușescu-Zeit ziehen an uns vorbei. Wir sind auf dem Weg ins Stadtzentrum von Bukarest. Doch je weiter wir ins Herz dieser alten Stadt vordringen, umso schöner wird sie. Ich hatte ehrlich gesagt nicht viel erwartet. Kommunistische Architektur, monumentale Prachtbauten und breite Alleen. Das gibt es in Bukarest tatsächlich auch. Aber im alten, historischen Kern zeigt mir diese Stadt ein ganz anderes Gesicht. Zwischen charmant gealtert und jung alternativ sucht Bukarest nach einem eigenen Stil. Pompöse Bauten mit goldglänzendem Kupferdach stehen zwischen bunt zusammen gewürfelten, alternativen Restaurants und Cafés.

Der Palast

Bukarest ist ein lustiges Gemisch aus alt und neu, aus improvisiert und zurechtgemacht, das man einfach gern haben muss. Wie ein Gegengewicht zu dem unglaublichen Komplex des Ceaușescu Palastes, der Millionen verschlungen hat. Letztendlich wurde der Mammutbau von dem kommunistischen Diktator jedoch nie benutzt, denn bei der Fertigstellung des Palastes, waren Ceaușescu und seine Frau bereits hingerichtet worden.

palast parlament bukarest Bukarest – der Palast Ceaușescus

Von 1965 bis 1989 hatte Nicolau Ceaușescu Rumänien mehr schlecht als recht regiert. Die Bevölkerung litt in dieser Zeit unter zahlreichen Verletzungen der Menschenrechte und den Aktivitäten der Geheimpolizei. 1989 wurde diese stalinistisch geprägte Diktatur gestürzt. Tagelang herrschten gewalttätige Unruhen und heilloses Chaos in den Straßen von Bukarest. Ceaușescu und seine Frau wurden von einem Militärgericht verurteilt und hingerichtet.

Nun nutzt das Parlament einen kleinen Teil der pompösen Anlage. Achtundsiebzig Säle stehen leer und werden nur zu besonderen, festlichen Anlässen genutzt. Es gab wohl auch Überlegungen, das ganze Gebäude wieder abzureissen. Für seine Errichtung waren immerhin 10 % der Altstadt unwiederbringlich zerstört worden. Aber auch der Abriss würde wieder Unsummen verschlingen, sodass man sich dagegen entschied und dieser Palast, der ja auch einen wichtigen Teil der Geschichte darstellt, vorerst erhalten bleibt.

strasse bukarest

saeulengang bukarest
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Die Walachei 

Ein kleines Dorf als Open Air Museum ist das Muzeul Satului. Ein Freilichtmuseum, in dem typische Bauten aus dem ganzen Land zusammengetragen wurden. Da stehen die traditionellen orthodoxen Holzkirchen der Walachei neben Steinhäusern aus Transsylvanien und den weißen Fischerhäuschen mit den blauen Fenstern, in denen die Donaufischer lebten.

haus am see bukarest

das blaue haus der donaufischer bukarest

Die Häuser der Walachei sind am spannendsten, denn sie sind wie kleine Hobbit-Hütten zur Hälfte im Boden vergraben. Von Weitem sieht so ein Dorf aus wie eine hügelige Wiese, erst beim näher kommen entdeckt man die Häuser. Warum die Menschen in der Walachei ihre Häuser eingebuddelt haben? Nun einerseits ist es hier sehr heiß, die Sommer können schon mal bis an die fünfundvierzig Grad warm werden und im Boden ist es dann einfach kühler. Aber diese Höhlenhäuser waren nicht nur ein Schutz vor der Hitze sondern dienten auch als Tarnung. Die Walachei liegt ganz im Süden des heutigen Rumäniens und war über Jahrhunderte hinweg stets den Angriffen der Osmanen ausgesetzt. Mit ihren Erdhäusern hofften die Einwohner ein wenig geschützter vor Überfällen zu sein.

haus der walachei rumanien bukarest museum
haus der walachei rumanien bukarest museum

Die Walachei besteht übrigens aus der Großen Walachei und der Kleinen Walachei. Im Norden grenzt sie an die Karpaten, im Süden an die Donau. Das einst eigenständige Fürstentum wurde im fünfzehnten Jahrhundert von einem gewissen Vlad Dracula regiert, einem der erbittertsten Kämpfer gegen die angreifenden Osmanen. Der Fürst weigerte sich den Türken die geforderten Kinder als Tribute zu zahlen und lieferte dem Feind heftigen Widerstand. Seine Feinde spießte er auf Pfähle und ließ sie entlang der Donau aufstellen. Bald schon stand Fürst Dracula im Ruf ein grausamer Herrscher zu sein.

Als Bram Stoker sich gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts von dem Fürsten aus der Walachei zu seiner weltberühmten Vampirgeschichte inspirieren ließ, verlegte er das Reich des blutrünstigen Herrschers jedoch kurzerhand nach Transsylvanien. In Bukarest erinnert heute noch eine sehr versteckt gelegene Büste an Vlad, den Pfähler.

dracula bukarest rumaenien

In der Altstadt von Bukarest

Auf dem Weg zur Karawanserei in der wir Mittagessen wollen, kommen wir an einem wunderschönen Kloster vorbei. Das Mănăstirea Stavropoleos liegt mitten in der Altstadt von Bukarest. Im achtzehnten Jahrhundert hatten griechische Mönche das Kloster errichtet und gleich eine Karawanserei mit eingebaut. Sie lebten praktisch von der Schankwirtschaft der Herberge.

kirche kloster bukarest zentrum

Im Eingang sitzt etwas versteckt, eine ältere Nonne. Ich sehe sie erst, als sie einen leicht bekleideten Gast bittet, den Hut abzunehmen. Was wohl in ihr vorgehen mag, wenn sie die Menschen so gedankenlos in diesen für sie heiligen Räumen herumlaufen sieht? Sicher ist in der rumänisch orthodoxen Religion nicht vorgesehen, eine Klosterkirche halb nackig, in Shorts, mit großem Sonnenhut, zu betreten. Irgendwie ist mir das gerade peinlich, wie sich manche Leute benehmen.

kloster kirche hinterhof bukarest
kreuze kloster kirche bukarest

Wie alle orthodoxen Kirchen ist die Klosterkirche in mehrere Räume aufgeteilt: für Frauen, für Männer und das Allerheiligste, das nur die Geistlichen und Priester betreten dürfen. Außer den bunt bemalten Ikonen, die prachtvoll an den Wänden prangen, entdecke ich ein Holzbrett, das vor dem Eingang hängt. Ein Guide erklärt mir, dass die Mönche früher mit diesen Brettern zum Gebet getrommelt haben. Das müssen aber muskulöse Mönche gewesen sein!

buchladen bukarest

Etwas weiter stossen Laura (herzanhirn) und ich dann noch auf eine schönen Buchladen. Drinnen sieht es aus, wie in einem umgebauten Theater oder in einer Kirche. Irgendetwas Großes, Elegantes jedenfalls. “Karussel des Lichts” nennt sich dieses wunderschöne Gebäude. Auf mehreren Etagen ruhen hier Tausende Bücher auf Rumänisch und auch auf Englisch und warten darauf gekauft zu werden. Ich bin echt überrascht, wie gut die Leute hier Englisch sprechen (ganz anders als in Spanien 🙁 ) Alle Rumänen, die ich treffe, beherrschen mindestens drei Sprachen fließend. Außer Englisch spricht man oft Deutsch oder unter den älteren Einwohnern Französisch. Das galt früher als schick und war die angesagte Sprache, wenn man was darstellen wollte in der Gesellschaft.

karawanserei restaurant bukarest

Schließlich kommen wir zur Hanu Manuc, eine alte Karawanserei, die heute ein großes Restaurant mit schönen Innenhof ist. Hanu Manuc war eine Zollstation und ein wichtiger Treffpunkt für Händler und andere Reisende, die auf den großen Handelsstraßen durch Bukarest kamen. 1808 hatte der armenische Abenteurer Manuc Mirzain die Idee, hier eine Gaststätte einzurichten, groß genug, um auch die Pferde und Kutschen der Gäste im Innenhof zu beherbergen. Das hat ganz offensichtlich gut funktioniert.

Nützliche Infos zu Bukarest

Rumänien hat mich wirklich begeistert. Ich werde mir definitiv noch einmal Zeit nehmen, dieses Land ausgiebiger zu erkunden und Transylvanien und die Karpaten zu entdecken. Das hat mir auch Leo, mein netter Taxifahrer in Bukarest empfohlen. Am Ende der Fahrt war ich wirklich neugierig auf all diese wunderbaren Gegenden, von denen er mir vorgeschwärmt hat und wir haben uns herzlichst zum Abschied umarmt. Tolle Menschen gibt es hier! Superschöne Geschichten über Rumänien findest Du übrigens jetzt schon bei Lu Morgenstern und in den Reisedepeschen – und hoffentlich bald auch hier.

Flüge:
Von Frankfurt, Hamburg, München, Stuttgart fliegt übrigens die rumänische Airline TAROM bis Bukarest. Ich hatte spontan einen Flug gebucht und vorher nie von dieser Fluggesellschaft gehört. Aber ich kann sie nur empfehlen. Gute Preise und netter Service.

malerei auf holzkirche bukarest

Cărturești Carusel – Buchladen
Strada Lipscani 55
030033 Bukarest
Romania
Website: carturesticarusel.ro

Muzeul Satului “Dimitrie Gusti” (National Village Museum)
Șoseaua Pavel Dimitrievici Kiseleff 28-30
011347 Bukarest
Rumänien
Website: muzeul-satului.ro

walachei erdhaus-bukarest museum

Restaurant Hanu’ lui Manuc
Strada Franceză 62-64
030106 Bukarest
Rumänien
Website www.hanumanucrestaurant.ro

Die alte Karawanserei ist natürlich kein geheimer hot spot mehr und wird von vielen Touristen angesteuert, die dann auch eine kleine folkloristische Tanzeinlage erleben dürfen. Im Innenhof kannst Du jedoch ganz in Ruhe Dein Essen genießen.

haus alt stadtkern bukarest

 Hinweis: Mein Besuch in Bukarest fand im Rahmen einer Donauflusskreuzfahrt statt, zu der ich von A-rosa eingeladen wurde. Davon, wie es ist, auf der Donau zu schippern, erzähl ich Dir bald ausführlicher.

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