Donaudelta – von Silberreihern und Pelikanen

Die Donau ist an den meisten Stellen eher olivgrün. Nur selten stosse ich auf dieses berühmte Blau, das den Fluss so besonders machen soll. Ein Fischerboot fährt vorüber. Drei Männer sitzen darin. Einer steuert, ein anderer werkelt mit den Netzen und ein Dritter sitzt in der Mitte und lässt sich die Sonne auf den kugeligen Bauch scheinen. Es ist ihr Arbeitsplatz, durch den wir gerade fahren. Wir sind nämlich mit einem kleinen Boot im Donaudelta unterwegs. Bald tauchen am Ufer die ersten Silberreiher und Kormorane auf. Wir biegen in einen kleinen Seitenarm ein, dann wieder in einen anderen. Nach mehreren Flussbiegungen habe ich komplett die Orientierung verloren. Im Donaudelta verzweigen sich immer kleinere Arme des Flusses in einem für mich verwirrenden Geflecht von Wasserstraßen. Doch Alex, unser Bootsführer stammt aus Tulcea und kennt sich aus.

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Unter Nicolae Ceaușescu gab es Pläne, das Delta trocken zu legen, um die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. Zum Glück konnte der diktatorischen Herrscher nur einen kleinen Teil seiner Pläne umsetzen, bevor er gestürzt wurde.

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Ein Pelikan fliegt über uns hinweg! Sehr ungewöhnlich, denn jetzt in der Mittagszeit sind normalerweise nur wenige Vögel unterwegs. Eigentlich stehen sie viel früher auf, denn im Mittag ist es auch für die Pelikane viel zu warm. Weitgehend unbehelligt leben die Pelikane in den großen Schildrohrflächen der Donaumündung. Das Donaudelta beherbergt Europas größte Kolonie an Rosa- und Krauskopfpelikanen.

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Von Weitem in der Luft sehen Pelikane manchmal fast wie Störche aus. Sobald sie landen, kann man die Pelikane dann aber schnell an den typischen Kehlsäcken erkennen. Pelikane sind übrigens echt schlaue Vögel, die normalerweise in der Gruppe jagen. Sie schlagen mit ihren Flügeln auf das Wasser, um so die Fische zusammentreiben. Manche von ihnen sind jedoch so schlau, dass sie sich lieber an den Reusen der Fischer zu schaffen machen und die gefangenen Fische stibitzen.

Wieder gleiten wir an endlos scheinendem Schilfrohr vorbei. Unser Guide Gerhardt, ein junger rumänischer Filmstudent, erklärt uns, dass auch heute noch Teile dieses Schilfs zu Zellulose und Papier verarbeitet werden. Im Winter ist das ein wichtiges Einkommen für die wenigen Menschen, die in winzigen Dörfern und einzelne Hütten verteilt im Donaudelta leben. Insgesamt sollen 17.000 Menschen im Mündungsgebiet der Donau verstreut leben. Die meisten von ihnen in sehr einfachen, ärmlichen Verhältnissen.

Wir kommen an einem Haus mit einer eingefallenen Brücke vorbei. Daneben ragt ein aus Holz geschnitzter Adler aus sehr gepflegt wirkenden Weinbergen und einem geordneten Feld mit bunten Blumen. Gerhardt klärt uns auf: Hier wohnt ein Lipowaner.

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Lipowaner sind altgläubige orthodoxe Christen aus Russland, die im siebzehnten Jahrhundert als verfolgte Minderheit ins Donaudelta flohen. Sie gelten als die Erstbesiedler des Deltas und sind bis heute in der Ukraine, Moldawien und Rumänien zu finden. Als religiöse Minderheit pflegen sie ihre strengen orthodoxen Bräuche und Traditionen, sprechen Altrussisch und leben hier zurückgezogen nach den althergebrachten Regeln.

Vor uns ragt ein kahler Baum in den Himmel, auf dem viele Vögel, vor allem Kormorane hocken. Dadurch, dass so viele von ihnen hier nisten und ihren Kot auf die Äste des Baumes fallen lassen, erstickt der arme Baum praktisch am stickstoffhaltigen Kot der Vögel und stirbt langsam ab. Am Ufer findet man viele abgestorbene oder abgebrochene Bäume, die langsam vor sich hin rotten. Sie bilden neue Lebensräume, für andere Tiere.

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Im Donaudelta gibt es insgesamt um die dreißig verschiedene Ökosysteme. Rund dreißig Prozent des gesamten des Deltas stehen unter strengem Naturschutz. Dort darf man auch als Besucher nicht mehr mit dem Boot hinfahren. Die Brutstätten der Vögel sind ein wichtiger zu recht geschützter Rückzugsort für Zugvögel, den nur noch einige wenige Naturforscher betreten dürfen.

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Immer wieder entdecke ich Silberreiher und Graureiher, die gemütlich im flachen Wasser stehen und in aller Ruhe auf ihre Beute warten. Andere Vögel tauchen richtig tief und fangen die Fische Unterwasser. Kormorane zum Beispiel sind unglaublich gute Taucher und finden ihr Futter in zwei bis drei Meter tiefem Wasser.

Eisvögel wiederum haben eine bestimmte Membran, die sich beim Tauchen über die Augen legt, sodass diese Vögel auch unter Wasser supergut sehen und ihre Beute erkennen können.

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Bei Marcel, einem alten Donaufischer, legen wir an. Er schenkt uns Wein ein, wir dürfen auf Toilette gehen und erfahren, wie die Donaudeltafischer leben. Dieser Stopp ist Teil der Deltatour und ich bin froh, dass ich so auch die Einheimischen ein wenig unterstützen helfen kann und die Gelder, die der Tourismus einbringt, nicht allein in den Kassen einiger großer Touranbieter verbleibt.

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Marcel wohnt hauptsächlich im Sommer, also von Mai/Juni bis Oktober in der Hütte. Früh am Morgen, so gegen fünf Uhr, wenn die Landschaft noch in dichten Nebel getaucht ist, muss er los, obwohl die Sicht schlecht ist, um den Vögeln zuvor zukommen, damit sie nicht seine Reusen leer fressen. Die Vögel, besonders Kormorane aber auch einzelne Pelikane, beginnen nämlich ab sechs Uhr morgens die Reusen der Fischer aufzubrechen und sich an den gefangenen Fischen zu bedienen. Langschläfer unter den Fischern würden also nur noch leere Reusen vorfinden. Etwas später kommt dann schon ein Sammelschiff, dass den Fang bei den Fischern im Delta einsammelt und zur Weiterverarbeitung und zum Verkauf nach Tulcea bringt.

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Früher lebten viele Fischer auch im Winter hier. Sie nutzen die Winterstarre der Fische. Viele Fischarten frieren nämlich einfach mit dem Wasser ein, jedenfalls fast. Diese tumben Fische mussten die Fischer nur noch einsammeln und auf Eis legen. Dazu gruben sie ein tiefes Loch in die Erde, legten einen großen Block gefrorenes Donauwasser hinein und dann die Fische darauf. In dieser Art Kühlschrank bleiben die Fische tatsächlich in ihrer Winterstarre und konnten bis zum Frühjahr frisch gehalten werden.

Infos zum Donaudelta

Abfahrten vieler Donautouren ist der Hafen von Tulcea, eine Stadt mit rund 74 000 Einwohnern, das Tor zum Donaudelta. Das Biosphärenreservat Donaudelta erstreckt sich auf insgesamt 5.800 km2, die Donaumündung selbst nimmt davon eine Fläche von 4.178 km2 ein. Achtzig Prozent des Donaudeltas gehören zu Rumänien, ein kleiner Teil gehört zur Ukraine. Von hier aus fließt das Wasser der Donau dann die letzten der insgesamt 2.860 Kilometer, bis es im Schwarzen Meer landet.

Lesetipps:

Infos zum nachhaltigen Reisen im Donaudelta: LdJ_DD_Abschlussbericht
Bücher: Natur und Mensch im Donaudelta von Thede Kahl oder Am Ende Europas: Unterwegs in Rumäniens Donaudelta von Kai Althoetmar
Reiseblog : teilzeitreisender.de

Hinweis: Mein Besuch in Rumänien fand im Rahmen einer Donauflusskreuzfahrt statt, zu der ich von A-Rosa eingeladen wurde. Davon, wie es ist, auf der Donau zu schippern, erzähl ich Dir bald ausführlicher.

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