Ein Tag in Serbien – von Belgrad bis Novi Sad

Hvala sage ich brav und bedanke mich mit dem einzigen serbischen Wort, das ich kenne. Die ältere Nonne hat mir gerade einen Apfel geschenkt. Der Busfahrer, die Reiseleiterin und ein paar in der Nähe stehende Gäste haben auch einen gekriegt. Apfel heißt auf Serbisch jabuca, erklärt mir der nette Busfahrer. Mein zweites Wort. Die Nonne verschwindet in ihrem schwarzen Gewand wieder in der Kirche des Klosters, das weit ab von der Welt in den dichten Wäldern liegt. Fruška Gora heißt diese Gebirgsregion in Serbien, wobei die höchste Erhebung nicht einmal 600 Meter hoch ist. Aber die Landschaft ist wunderbar friedlich und grün. Wälder, Wiesen und Felder mit sanften Hügeln wie in einem Bilderbuch.

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Jetzt ist Erntezeit, erklärt die Reiseleiterin Dragica. Da gibt es viel zu tun. Viele Stunden harter Arbeit auf den Feldern stehen den Leuten bevor. Am Abend werden sie dann auf der Bank vor dem Haus sitzen und das Tagewerk besprechen. Jedenfalls auf dem Land. Wenn die Erntezeit vorbei ist und wieder Ruhe einkehrt, kommen die Menschen zusammen, um gemeinsam zu feiern. Traditionelle Feiern, wie die Slava Feiern der orthodoxen Christen, bei dem der Familienheilige geehrt wird, sorgen für gesellige Zusammentreffen in den kalten, dunklen Wintern.

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Wir gehen in die Klosterkirche hinüber. Von außen sieht das Gotteshaus sehr modern aus und ist unauffällig Weiß gestrichen. Drinnen entfaltet es seine ganze Schönheit. Über und über mit bunten Ikonen und gut erhaltenen Wandmalereien aus dem sechzehnten Jahrhundert verziert! Die Nonne, die uns vorhin die Äpfel überreicht hat, erklärt kurz die wichtigsten Heiligtümer und die Geschichte des kleinen Klosters, zu dem auch eine Heilquelle weiter unten gehört.

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Zehn Nonnen leben hier. Nach dem Besuch der Kirche laden sie uns noch auf ein Glas Wein und selbstgebackene Kekse ein. Wie lieb! Und wie lecker! Walnüsse gehören in Serbien offenbar in jedes Gebäck. Wenn etwas keine Walnüsse und nicht mindestens zehn Eier enthält, ist es kein richtiger Kuchen, lerne ich heute! Havala, bedanke ich mich immer wieder bei den Damen in Schwarz und bereue sehr, dass ich ihre Sprache nicht spreche. Zu gern hätte ich mich länger mit ihnen unterhalten.

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Novi Sad

Das Erste was ich von Novi Sad sehe, ist die mächtige Wehranlage der Habsburger, die sie zwischen 1692 und 1780 errichtet haben. Petrovaradin oder auf Deutsch Peterwardein, war im siebzehnten Jahrhundert die wichtigste Verteidigungsanlage der habsburgischen Krone auf dem gesamten Balkan. Prinz Eugen von Savoyen fügte 1716 an dieser Stelle dem Heer der Osmanen eine vernichtende Niederlage zu. Immer wieder konnten die Angreifer von hier aus zurückgedrängt werden. Für die Osmanen war diese vaubansche Festung uneinnehmbar.

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Über die 2005 wieder aufgebaute Brücke der Freiheit erreichen wir auf der anderen Seite der Donau einen anderen, jüngeren Stadtteil. 1999 bei den Luftangriffen der NATO auf Serbien, während des Kosovokrieges, wurden alle Donaubrücken der Stadt zerstört. Es dauerte ein paar Jahre, die Brücken wieder aufzubauen. So lange war nicht nur die Überquerung der Donau für die Bewohner Novi Sads ein Problem. Die gesamte Schiffahrt wurde durch die verbliebenen Brückenreste an der Durchfahrt gehindert.

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Auf der anderen Uferseite erinnert ein Denkmal an die traurige, drei Tage andauernde Vernichtungsaktion durch ungarische Nationalsozialisten 1942, bei der an die 4.000 Menschen starben.

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Der Stadtkern rund um die Katholische Kirche und das Rathaus, erinnert vor allem an die Zeit der Habsburger. Hübsche, gut erhaltene und restaurierte Gebäude, wie auch das des orthodoxen Patriarchen. Daran, dass auch Albert Einstein mit seiner ersten Frau einmal in Serbien, nämlich hier in Novi Sad, gelebt hat, erinnert nur eine unscheinbare Plakette an einer Hauswand. Mileva Marić war selbst Physikerin und wesentlich mehr als die erste Liebe des Begründers der Relativitätstheorie. Sie war eine frühe Unterstützerin seiner Arbeit und an der Entwicklung der berühmten Theorie nicht unbeteiligt gewesen.

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Belgrad

Es ist noch früh am Morgen, gerade acht Uhr, als wir uns auf den Weg zur alten Festung hinauf machen. Später wird es zu heiß werden, aber jetzt ist es noch angenehm frisch. Die Grünflächen gehören um diese Zeit den Menschen, die ihre Hunde spazieren führen oder hier oben eine Runde laufen. Eigentlich ist das hier weniger eine Festung, sondern vielmehr ein großer Park. Entlang einer kleinen Promenade stehen ein paar schöne Holzbänke. Ein alter Mann sitzt dort und knabbert an einem mitgebrachten Brot. Einen Teil davon kriegen die Vögel. Etwas weiter hinten entdecke ich alte Ruinen, vielleicht schon von den Römern, ganz nahe am Ufer stehend. Von hier aus habe ich die perfekte Aussicht auf den Zusammenfluss von Sava und Donau – Der angeblich schönste Platz der Stadt!

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Zur Freude der Kinder stehen auf dem Gelände der alten Burg nicht nurRuinen, sondern auch Dinosaurier auf einer Wiese. Jurassic Adventure Park nennen sie das hier, wohl in Erinnerung an den Spielfilm. Nachdem wir den Park einmal durchquert haben und wieder an der großen Straße, der Pariska, angelangt sind, bauen die ersten Händler ihre Stände mit Andenken, Getränken und kleinen Snacks am Eingang des Parks auf. Doch im Moment habe ich nur Euro dabei. Ich muss gleich im Stadtzentrum, das direkt auf der anderen Straßenseite beginnt, eine Wechselstube suchen.

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Belgrad ist keine gewöhnliche Stadt. Die weiße Stadt, wie sie übersetzt heißt, war lange Zeit die Hauptstadt des kommunistischen Vielvölkerstaats Jugoslawiens. Heute scheint Belgrad mir ein Ort zu sein, den man nicht ansehen, sondern erleben muss. Die Menschen scheinen ihr eigentlicher Schatz zu sein. Die Stadt hat eine harte Geschichte hinter sich. Belgrad protzt nicht unbedingt mit prächtigen Bauten. Während der Balkankriege wurden bei den Bombenangriffen der NATO 1999 viele Gebäude zerstört. Nur in den Einkaufsstraßen im Zentrum lassen die schönen neoklassizistischen Bauten ihre ehemalige Pracht noch erahnen. Auch wenn die meisten von ihnen schon bessere Zeiten gesehen haben, wirken sie auf mich charmant und würdevoll alt. So als verbergen sie spannende Dinge, die man erst noch entdecken muss. Aber viele Häuser in der Stadt erinnern auch an die eher grauen Zeiten des Kommunismus.

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Schließlich finde ich eine Wechselstube, die zu dieser frühen Stunde schon geöffnet ist. Serbien gehört nicht zur Europäischen Union und hat daher auch seine eigene Währung. In Belgrad zahlt man mit serbischen Dinar. Da ich ja nur einen Tag in Serbien bin, brauche ich nicht sonderlich viel und tausche nur einen kleinen Betrag. Der nette Herr in der Wechselstube ist zwar sehr freundlich, aber spricht leider kein Wort Englisch, und ich kein Serbisch. Mit ungeschickten Handzeichen und viel Lächeln auf beiden Seiten, kommen wir aber klar, sodass der Herr am Ende meine Euros und ich die gewünschten Dinar habe.

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Ein nettes Café ist schnell gefunden. Morgens ist hier noch nicht viel los. Ich lasse mich in einen gemütlichen Sessel plumpsen und bestelle einen Espresso. Ein wenig überrascht bin ich dann aber über die Preise. Die sind nicht teuer, aber ganz ähnlich wie bei uns in Barcelona. Ein Fernseher läuft oben an der Wand. Ich verstehe natürlich nichts und habe keine Ahnung, um was es bei dem Film geht. Ein Dokumentarfilm scheint es immerhin zu sein, mit Untertiteln in lateinischen Buchstaben. Obwohl die offizielle Schrift in Serbien kyrillisch ist, werden in den Zeitungen und im Fernsehen offensichtlich auch oft und gern lateinische Buchstaben benutzt.

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Mittlerweile ist es elf Uhr morgens. Es ist schon richtig warm. In einer Stunde wird das Thermometer wieder die 35 Grad erreicht haben. Doch sobald ich draußen auf der Straße bin, ziehen leckere Düfte von Frischgebackenem an meine Nase, denen ich folgen muss. Kurz darauf stehe ich vor einem Bäcker. Neugierig und hungrig wie immer gehe ich rein und sehe mich um. Eine nette Kundin spricht Englisch und hilft mir beim Bestellen. Die Bäckersfrau packt mir also leckere Vollkornmuffins mit Sesam und noch eine Art süßes Gebäck, dann mache ich mich wieder auf den Rückweg zum Schiff, das im Hafen auf der Donau liegt.

serbien eisernes tor Das Eiserne Tor  – Donau

Infos zum Nachreisen – Serbien :

Peterwardein Festung
Beogradska
21131 Petrovaradin /Novi Sad
Serbien

Manastirski put Petkovica
22207 Ležimir 
Serbien
Das Kloster Petkovica liegt bei dem Dorf Sišatovac im südwestlichen Teil von Fruska Gora, zwischen Divos und Sisatovac.

Zweitgrößter Nationalpark in Serbien ist Fruška Gora (gesprochen Fruschka gorra), ein Bergzug, der einst wie eine Insel aus dem pannonischen Meer, der heutigen Tiefebene, herausgeragt haben muss. Noch heute kann man hier Muscheln im Gestein finden. Größter Nationalpark Serbiens ist das Eiserne Tor. Das ist keine Schleuse, wie der Name vermuten lässt, sondern eine Naturlandschaft. Tiefe Schluchten und enge Täler sehen zwar wunderschön aus, aber die dadurch entstandenen Stromschnellen machten diesen Teil der Donau früher zu einem der gefährlichsten Streckenabschnitte, den nur erfahrendste Lotsen durchfahren konnte. Nach dem Bau der Schleuse und des Stausees ist die Donau hier nun gefahrlos beschiffbar. Als besondere Sehenswürdigkeit der Strecke gilt die Tabula Traiana, eine Felsplatte aus dem Jahre 100 nach Christus, die die Römer damals ihrem Kaiser Traian gewidmet haben sollen.

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In Serbien heißt der Nationalpark Đerdap, in Rumänien, auf der gegenüberliegenden Seite der Donau, nennt man das Eiserne Tor Parcul Natural Porțile de Fier. Auf rumänischen Gebiet liegt das Kloster Mraconia und ein riesiges, in den Fels gehauenes Männergesicht. Es ist eine 55 Meter hohe Statue des Dakerkönigs Decebalus, die zehn Jahre lang von mehreren Bildhauern in den Stein gemeisselt wurde. Seit 2004 blickt der alte König nun hinab auf die vorbeiziehenden Schiffe auf der Donau.

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Praktische Tipps für Serbien:

Da Serbien nicht zur EU gehört unbedingt daran denken, das Roaming auf dem Handy auszuschalten und nur Wifi-Verbindungen nutzen. Gültige Währung in Serbien ist der Dinar. Der Kurs lag im August 2018 bei 1 Euro : 118 DIN.

Hallo – Здраво (zdravo)
Danke – захвалити (zahvaliti)
Bitte – молим (molim)
Entschuldigung – изговор (izgovor)

Hinweis: Mein Besuch in Serbien fand im Rahmen einer Donauflusskreuzfahrt statt, zu der ich von A-Rosa eingeladen wurde. Davon, wie es ist, auf der Donau zu schippern, erzähl ich Dir bald ausführlicher.

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