Die Vasa, das unglückliche Schiff

Nicht einmal eine halbe Stunde ist die Vasa zur See gefahren. Noch bevor sie richtig aus dem Stockholmer Hafen raus war, kam eine Windböe und der Stolz der schwedischen Flotte ging unter.

Untergang der Vasa Modell Museum

Seine Jungfernfahrt hat die Vasa nicht überlebt. Mit ihr versanken viele Besatzungsmitglieder in den Fluten. Es müssen dramatische Minuten gewesen sein, ein total unerwarteter Schreck, als das Boot begann, voll Wasser zu laufen. Pure Panik muss an Bord und sicher auch am Ufer geherrscht haben. Die eben noch winkenden Zuschauer konnten zusehen, wie das prächtige Schiff schnell auf den Grund sank.

Als ich das Museum betrete, umfängt mich zunächst Dunkelheit. Das ist zwar zum Fotografieren richtig doof, aber es ist notwendig, um das Wrack bestmöglich zu erhalten. Erst Anfang der sechziger Jahre gelang es, die Vasa zu bergen. Ein Hobbyforscher hatte unermüdlich nach den Überresten des Schiffes gesucht und es 1956 schließlich auch gefunden.

vasa

Dank des jungfräulichen Zustands des Schiffes, als es sank, und vor allem dank des hohen Schwefelgehalts in den Gewässern vor Stockholm, ist die Vasa fast vollständig erhalten. Wäre sie woanders, zum Beispiel vor Göteborg, gesunken, wäre sie von Bakterien viel stärker zersetzt worden.

Außer dem Schiff selbst sind viele kleine Gegenstände und sogar die Segel aus den Tiefen des Meeres geborgen worden. Da das Schiff ja mit Mann und Maus unterging, konnten die Taucher alle möglichen Objekte und Knochen bergen. Kein Wunder also, dass dieses Schiffswrack für Geschichtsforscher und Archäologen eine „Zeitkapsel“, ein Fenster ins 17. Jahrhundert ist.

Vasa Luke

Sehr beeindruckend ragt das schwarze Wrack in der Dunkelheit über 30 m hoch, fast bis zur Decke des Museums. Von hier unten sieht es mächtig groß aus. Ich gehe einmal ganz herum. Dann fahre ich mit dem Fahrstuhl in die sechste Etage. Von hier oben kann ich einen Blick auf das Deck werfen. Allerdings kann man es nicht, wie die Fram in Oslo, betreten. Das Wrack ist zu empfindlich, um von Tausenden Besuchern betreten zu werden. Aber auch so kommt man den alten Holzplanken und den Figuren ganz nah.

Die vielen geschnitzten Figuren am Bug des Schiffes sind fast schwarz. Nixen, Löwen und anderes Getier prunkten neben griechischen Göttern, Helden und Kriegern. Restauratoren haben einige der hölzernen Skulpturen mit den damals üblichen und zur Verfügung stehen Farben restauriert. Sehr prächtig und sehr bunt muss die Vasa gewesen sein, ein echter Palast. Der König wollte mit der Vasa Eindruck schinden, so viel steht fest. Beeindruckend war sie sicher auch, jedenfalls bis sie unterging. Da kann man mal sehen, wie die Sucht nach Pracht und zu viel Stolz wortwörtlich zum Untergang führen können.

farbige skulpturen VASA

Vasa Deck

Wieder unten im Eingangsbereich des Museums entdecke ich einen kleinen Kinosaal. Hier wird die Geschichte der Vasa in einem Film erzählt. Natürlich will ich mir das angucken. Leider erwische ich aber die schwedische Version, mit schwedischen Untertiteln. Ein paar Minuten lang sehe ich mir an, wie die Bilder über die Leinwand flimmern. Der Film sieht richtig gut gemacht aus, nur leider verstehe ich nicht viel. Ich gehe wieder raus. Vielleicht schaffe ich nachher noch die englische Version? Wenn es dann bloß nicht schon dunkel drausen ist …

bug Vasa

Das Flaggschiff, das eigentlich im Dreißigjährigen Krieg den Schweden zur Verteidigung dienen sollte, sank vermutlich, weil die Beladung nicht richtig berechnet wurde. Ein Problem mit der Statik! Wie konnte das passieren? Auch damals schon hatten die Schweden doch bereits Tausende Schiffe gebaut und eine gewisse Erfahrung. Jahrelang hatten 400 Leute an dem Schiff gezimmert und gehämmert. Nur für die Vasa wurden hundert Eichen auf der Nachbarinsel Södermalm gefällt.

Verantwortlich für den Bau war ein Niederländer. Die haben ja auch Ahnung vom Schiffsbau. Aber bei der Vasa war vieles neu und anders. Auf Wunsch des Königs mussten bisher bewährte Pläne geändert werden, damit mehr Kanonen an Deck Platz hatten. Mehr Kanonen als jedes andere Schiff der schwedischen Flotte wollte der König auf seinem neuen Flagschiff sehen. Doch die hohe Anzahl und die Verteilung der vielen Kanonen führten letztendlich zum Untergang der Vasa.

Mehre hundert Tonnen Steine im Bauch des Schiffes, sollten als Ballast dienen und das Gewicht der zwei Kanonendecks im oberen Aufbau ausgleichen. Aber das reichte nicht, wie sich leider schnell herausstellte. Die Vasa waren „oben herum“ zu schwer. Statt die stolze Krönung der Flotte zu werden, war die Vasa schließlich ein einziges Desaster.

Vasa Modell im Museum Stockholm

vasa museum modell beladung

vasa museum stockholm

Nützliche Informationen zum Nachreisen:

Adresse:

Vasa Museum
Galärvarvsvägen 14
Stockholm/ Djurgarden
Website: www.vasamuseet.se
Anfahrt: Mit der Djurgarden-Fähre von Gamla Stan

Mehr lesen: Auf Meerblog gibt es übrigens auch einen schönen Bericht über das „Geisterschiff“ Vasa, von 2012.

Vasa Museum Stockholm Djurgarden

Eintritt und Öffnungszeiten:
Geöffnet wird das Museum um 10 Uhr, im Sommer schon um 8.30 Uhr. Je nach Jahreszeit und Wochentag wird es um 15, 17 oder 20 Uhr geschlossen.
Eintritt: Erwachsene zahlen 130 SEK, für Kinder (bis 18 Jahre) ist der Eintritt frei!

Untergang der Vasa Museum

 

4 Comments

  • Hallo Freibeuter,

    sehr schön, dass mal jemand über die Wasa geschrieben hat. Viele lange Jahre musste ich warten, bis ich dieses Schiff erleben durfte. Endlich, im Rahmen unserer Skandinavien-Rundfahrt, besuchte ich das Wasa-Museum und war begeistert. Es ist ein sehr lebendiges und emotionales Museum. Das Schiff scheint aus der Perspektive des ersten Blickes gigantisch. Das Halbdunkel lässt es dazu noch mystisch erscheinen. Es war ein unglaubliches Erlebnis.

    • Hey 🙂 Danke! Ist schon ein Erlebnis, dieses Schiff. Aber ich bin nicht die Erste, die darüber schreibt – Hier zum Beispiel ist ein echt schöner Artikel aus 2012 Das Geisterschiff

  • Ich liebe liebe liebe das Vasa-Museum.
    2x durfte ich es schon besuchen und könnte immer wieder hineingehen.
    Sie sollte ja als erstes Schiff mit 2 Kanonendecks fahren, jedoch hatte man keine Erfahrung darin wie ein Schiff mit einem solchen Gewicht gebaut werden musste, also hatte man z.B. viel zu wenig Gewicht im Rumpf… ach ich könnte stundenlang erzählen – einfach faszinierend.

    Liebe Grüße
    Mel

    • Hi Mel,

      ja es ist schon echt beeindruckend. Ich glaube wenn ich wieder nach Stockholm komme, muss ich auch noch einmal rein. 🙂

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