Als wir uns im November auf den Weg nach Gorafe machen, wissen wir nicht genau, was uns erwartet. Mehrmals schon sind wir auf der Autobahn durch den Geopark Granadas gefahren und haben dabei staunend diese unglaubliche Landschaft bewundert, die viel zu schnell am Autofenster an uns vorbeiflog. Dieses Mal wollen wir uns das genauer ansehen und fahren mitten ins Herz dieses endlos scheinenden Ödlands. Völlig fasziniert blicke ich auf diese kahlen Felsen, die am Wegesrand an uns vorbeiziehen. Ich kann gar nicht wegsehen, so unwirklich schön finde ich diese von Mutter Natur geformten Berge und Hügel.

Blick auf das Tal, die schlucht

kultivierte landschaft

Ungefähr zwischen den beiden Flüssen Guadiana Menor und Rio de Gor erstreckt sich eine Wüste aus Schluchten, die an die amerikanischen Canyons erinnern, nur nicht ganz so tief. Es ist ein unglaubliches Gefühl, auf ein Stück Erdgeschichte zu blicken, das vermutlich Millionen Jahre alt ist und so unberührt von Menschenhand zu sein scheint, wie kaum eine Gegend Europas. Meist haben wir oder unsere Vorfahren die Landschaften, die uns umgeben, schon so lange zu unserem Nutzen umgestaltet, dass uns das gar nicht mehr auffällt. Ich meine damit nicht nur die Errichtung von Dörfern und Städten, sondern auch die Natur selbst, die wir seit vielen Jahrhunderten verändern.

Desierto Gorafe Naturpark

Gorafe Geopark

Wir säen und ernten auf kleinen und großen Ackerflächen, fällen Bäume und roden Wälder, wir lenken Flüsse um, begradigen Ufer, wir bauen Straßen und Brücken und passen die Naturlandschaften unseren Wünschen und Bedürfnissen an. Sogar unsere Gärten legen wir planvoll an. Unter dem menschlichen Einfluss hat die Erde ihr Aussehen enorm verändert. Nur hin und wieder stößt man noch auf einen der wenigen Flecken dieser Welt, an denen die Natur noch weitgehend unberührt zu sein scheint.

Wegweiser Dolmen Gorafe

Gorafe Höhlenwohnungen
gorafe

Vermutlich wegen ihrer Unzugänglichkeit ist die Gegend um Gorafe bis heute so geblieben, wie Mutter Natur sie vor langer Zeit schuf. Ein raues, zerklüftetes Gelände, das fast schon lebensfeindlich wirkt. Doch wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass diese wüstenartige Landschaft vor vielen Millionen Jahren ganz anders aussah. Bei archäologischen Ausgrabungen kamen die Knochen von Mammuts und Säbelzahntigern ans Tageslicht. Giraffen, Zebras und Nashörner liefen hier einst über die Erde. Geht man noch weiter zurück, so finden sich Spuren wie Ammoniten und Muscheln, die aus einer Zeit stammen, als sich an dieser Stelle ein riesiger See befand. Jedenfalls bis sein Wasser eines Tages zu einer Seite ausbrach und in mächtigen Urflüssen hinfortströmte. Zurück blieb ein leerer See.

beim museum in Gorafe     Gorafe Ort

Gorafe gegenüber dem Museum

In dem kleinen Ort Gorafe angekommen, statten wir zunächst dem Museum einen Besuch ab, das die Geschichte der zahlreichen Dolmen und steinzeitlichen Gräber erklärt, die hier in der Nähe gefunden wurden. Dort wird sogar ein 3D-Film gezeigt und es gibt jede Menge Informationen über Wanderungen, die zu den alten Steinformationen führen, wie zum Beispiel den Weg, der oberhalb der Schlucht entlang führt.

überreste der kleiner Dolmen am wegesrand

Oberhalb der Schlucht weg zu den Dolmen

Für den Mirador de Negratín bleibt leider keine Zeit. Es gibt so unendlich viel zu sehen, dass wir überlegen, bald mal eine ganze Woche in diese ruhige Gegend zu kommen und einen ganzen Urlaub hier zu verbringen. Mal sehen. Vorerst müssen wir uns mit ein paar tollen Aussichten zufriedengeben und fahren Richtung der Miradores del Marchal bei Purullenas. Nach einem kurzen Mittagessen machen wir uns mit dem Auto auf den Weg durch den Wald. Als wir schon befürchten, uns verfahren zu haben, endet der Wald um uns endlich und wir stehen auf einer Art Hochebene. In der Ferne kommt bereits die “Kante” in Sicht, denn dort steht ein anderer PKW und die Silhouette zweier Menschen ist erkennbar.

 Mirador Purullena
das bin ich am Aussichtspunkt badlands mirador
rote erde geopark granada

Mein Herz hüpft mal wieder vor Aufregung, denn der Blick auf die Landschaft unter uns ist spektakulär. Im Gegensatz zu den „Coloraos de Gorafe“ wie die zerklüfteten Felsen dort genannt werden, ist die Erde hier stellenweise richtig weiß und rot. Insgesamt drei Aussichtspunkte gibt es hier oben, hoch über den Dörfern Marechal und Purullenas. Man fühlt sich beinah wie in einer anderen Welt, so futuristisch und marsianisch wirkt diese bizarre Landschaft.

zerklüftete Landschaft badlands   mirador badlands geopark granada

Nachdem ich ganz aufgeregt von einem Aussichtspunkt zum anderen gehüpft bin und mich schwer über einen Typ aufrege, der seine Drohne von einer Felsspitze hinter der Absperrung* fliegen lassen muss, fahren wir Richtung Alcudia de Guadix, wo wir uns in einer Höhlenwohnung ein Zimmer für die Nacht gemietet haben. Aber davon erzähle ich im nächsten Bericht.

Informationen zu Gorafe und dem Geopark

Centro de Intertpretación del Parque megalítico Gorafe: megalithic-park

www.geoparquedegranada.com

sierradebaza.org

*(Was das angeht, fehlt mir wirklich das Verständnis. Wenn an steilen Felsen Sicherheitsabsperrungen angebracht wurden, dann hat sich jemand etwas dabei gedacht. Sei es um die Natur oder die Menschen zu schützen, finde ich es gefährlich und respektlos, das zu ignorieren)

geopark granada aussichtspunkt

Geopark Granada Mirador

Geopark

ödland badlands
Badlands Geopark Granada

(privat bereist im November 2023)