Guten Morgen aus den Pyrenäen – das Refugi JM

Auf dem Weg in die Pyrenäen halten wir kurz vor Seu d’Urgell, um etwas zu essen. Von Barcelona aus sind es ungefähr zweieinhalb Stunden Fahrt mit dem Auto bis hier oben in die Berge. Doch wir haben keine Zeit, uns die schöne alte Stadt anzusehen, denn wir wollen noch weiter. In dem kleinen Dorf Espot suchen wir den Campingplatz Voraparc. Der soll sehr niedlich sein und liegt sehr nah am Eingang in den Naturpark Aigüestortes.

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Mittlerweile ist es schon relativ spät am Nachmittag. Am Eingang des Parks müssen wir das Auto abstellen. Von hier aus geht es nur noch zu Fuß weiter. Eine Parkwächterin passt auf, dass niemand auf dem Parkplatz oder gar im Park heimlich übernachtet. Bevor wir losmarschieren warnt sie uns noch, dass wir uns beeilen sollen, denn es wird schon bald dunkel werden. Schnellen Schrittes machen uns also auf den Weg zum Estany St Maurici. Der Weg ist ziemlich leicht und angenehm zu laufen, denn es geht nicht sehr steil bergauf und wir haben Schatten.

Als wir an dem wunderschönen Bergsee ankommen, dämmert es schon langsam. Wir können leider nicht lange bleiben und müssen uns schon bald auf den Rückweg machen. Nur einen Augenblick können wir die Aussicht genießen. Dann marschieren wir zurück. Unterwegs überrascht uns dann doch die Dunkelheit. Ich kriege ein bisschen Schiß. Vielleicht hätten wir doch früher losgehen sollen. Aber alles ist gut und wir kommen heil und gesund wieder am Eingang des Parks an, da wo das Auto steht.

Gerade als wir in einer kleinen Bar in Espot etwas zu Abend gegessen haben, beginnen auf dem Dorfplatz vor der Bar die Feuerteufel zu tanzen. Es sind die Correfocs! Scheinbar feiern die Leute in Espot gerade ihre Festa Major! So gern hätten wir uns das Feuerspektakel angesehen, aber wir fahren dann doch besser schnell zurück zum Campingplatz, bevor alle anderen Straßen auch noch für die tanzenden Teufel im Funkenregen gesperrt werden. Im Van kuscheln wir uns in die Betten und stellen keinen Wecker für den nächsten Morgen. Wir wollen nämlich vom Sonnenlicht geweckt werden.

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Und das passiert dann auch. Früh am nächsten Morgen fallen die ersten Sonnenstrahlen auf unsere Gesichter. Von irgendwo höre ich das Wasser in einem Bergbach plätschern. Wir machen uns auf die Suche nach Frühstück. Entspannt packen wir unsere Sachen zusammen und fahren hinunter ins Dorf. Andreu hat für diese Nacht eine Berghütte gebucht. Im Informationsbüro fragen wir nach dem besten Weg zur Berghütte. Die meisten Wanderer gehen wie wir direkt im Dorf los. Sieben Kilometer steil bergauf soll es gehen. Normalerweise braucht man dafür circa drei Stunden, jedenfalls wenn man die Strecke in einem Stück läuft. Wir packen zwei kleine Rucksäcke mit Proviant und Wasser (nur das Nötigste) und marschieren los.

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Schon nach zwanzig Minuten bin ich aus der Puste. Es geht echt richtig steil bergauf. Nicht eine einzige Sekunde hat man mal zum Erholen. Aber Andreu geht immer weiter. Da will ich nicht schon so früh schlappmachen. Zähne zusammenbeißen und einen Fuß vor den anderen setzen. Ich halte Ausschau nach Wegweisern, die mir sagen, wie weit es noch bis zur Hütte ist. Aber meilenweit ist nichts zu finden. Die Zeit vergeht nicht. Es geht immer nur bergauf. Aber wenigstens kann man sich hier nicht verlaufen, weil es nur einen einzigen Weg gibt, dem man folgen kann. Die Beschilderung des GR 11 ist ziemlich einfach und zuverlässig, sogar für mich.

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Endlich erreichen wir einen kleinen Wasserfall. Wir machen eine Verschnaufpause und essen unsere Äpfel. Ich kaue ganz langsam. Doch irgendwann ist der Apfel aufgegessen und ich muss wieder laufen. Eine gefühlte Unendlichkeit steigen wir weiter bergan. Der Weg scheint kein Ende zu nehmen. Dann stehen wir plötzlich an einem See. Andreu erklärt mir, dass wir jetzt gerade die Hälfte der Strecke geschafft haben. Was? Die Hälfte? Tapfer kämpfe ich mich weiter den Berg hinauf. Das wäre doch gelacht. Die Berghütte wartet schließlich auf uns. Die will ich unbedingt sehen. Wo sollen wir auch sonst schlafen heute Nacht.

Auf einer Weide stehen kauende Kühe herum. An denen müssen wir irgendwie vorbei. Mir ist gar nicht so wohl bei dem Gedanken, denn Andreu provoziert die Viecher die ganze Zeit. Erst gestern hat er mir erzählt, dass ihm so eine Kuh mal hinterher gerannt ist. Die sind ganz schön schnell, wenn sie erst mal loslaufen. Aber auf Rennen habe ich jetzt echt keinen Bock. Und auch gar nicht mehr die Energie dafür. Ich bin froh, wenn ich es im Schrittempo bis zur Hütte schaffe.

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Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir am Refugi an. Ich bin völlig aus der Puste. Doch die ganze Mühe des Aufstiegs hat sich gelohnt! Die Schutzhütte ist wunderschön und liegt so weit weg von allem. Nur von einem kleinen Bergsee umgeben thront das kleine Häuschen hier oben auf dem Berg.

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Doch wir sind nicht allein hier oben. Die anderen Leute, die wohl mit uns hier übernachten werden, sind alle mindestens hundertmal sportlicher als ich. Ich wundere mich, wie so viele Menschen überhaupt in diese kleine Hütte passen sollen. Dann erklärt Andreu mir, wie das geht. Es gibt drei Zimmer für jeweils zwanzig Leute. Wir wer den also alle zusammen schlafen, ein bisschen wie die Sardinien in der Dose, über- und nebeneinander. Aber ich bin so müde, das mir das völlig egal ist.

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Am nächsten Morgen erzählt mir Andreu dann, dass er aus Versehen in der Nacht den Arm um den Nebenmann gelegt hat. Hoops! Da ist er sicher nicht der Erste, dem das passiert. Wir brechen auf und machen uns auf den Rückweg. Es geht gefühlte tausendmal schneller als beim Aufstieg und ist überhaupt nicht anstrengend. Es geht ja auch die ganze Zeit bergab.

Infos Wanderung zum Refugi JM:

Campingplatz Voraparc
Carretera de Sant Maurici, km 1, 3
25597 Lleida
Website: www.voraparc.com

Die Berghütte heißt Refugi JM – wie Josep Maria Blanc
Website: www.jmblanc.com
Der kleine See vor der Tür ist der Estany Trullo, direkt daneben liegt der Estany Tort de Peguera und nicht weit weg der Estany Negre.

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Du hast bestimmt schon gemerkt, dass ich meistens mit dem Handy oder mit einer alten analogen Kamera fotografiere. Ich liebe es, erst darauf warten zu müssen, bis die Fotos der Filmrolle entwickelt sind!

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