Kreativ in Alte, mit Feigen, Palmen und Espartogras

Die Algarve besteht nicht nur aus den von Touristen überlaufenen Orten an der Küste, wie Albufeira oder Lagos (bei der Erwähnung dieser Namen zucken manche Einheimische hier, halb traurig, schon ein wenig zusammen). Die kleinen Fischerdörfer am Meer sind zum großen Teil nicht mehr das, was sie einmal waren, nämlich Fischerdörfer. Das ist zwar Schade, aber dafür gibt es nur wenige Kilometer weiter im Inland wunderschöne traditionelle Dörfer, wie Querença oder Alte. Selbst Loulé, das von seiner Größe schon eher eine Stadt ist, hat sich etwas Dörfliches bewahrt. Jeder kennt jeden, man grüßt sich. Man lebt zusammen wie in einer großen Familie.

Alte im Dorf

Aber auch außerhalb von Loulé gibt es viel zu sehen und zu tun. Wir fahren in den kleinen Ort Alte. Alte ist ein kleines, aber noch sehr traditionelles, authentisches Dorf. Viel hat sich hier nicht verändert in den letzten Jahrzehnten. Vielleicht liegt es daran, dass Alte so weit oben in den Bergen, still und zurückgezogen liegt. Die Häuser haben hier besonders schöne, alte Schornsteine. Manche dieser Rauchabzüge sind schon Jahrhunderte alt. Auch die traditionellen Tür- und Fensterrahmen sind in diesem kleinen Ort noch erhalten.

Alte Haustür
Alte Schornstein
Alte Treppen
Blume Kirche Alte
Häuser in Alte

Kirche Alte

Wir stehen vor der kleinen Kirche von Alte. Das Eingangsportal ist mit diesen typisch portugiesischen Schnörkeln der Manuelinik verziert. Ein Architekturstil, der stark von der Seefahrt, den im sechzehnten Jahrhundert eroberten Kolonien und den mutigen Weltumsegelungen geprägt ist. Portugal wurde durch diese maritimen Abenteuer nicht nur reich, sondern auch zu einer der Weltmächte seiner Zeit.

Im Museum von Alte treffen wir eine ältere Dame, die mit erstaunlich flinken Fingern dabei ist, Seile aus Espartogras zu  flechten. Das Zeug ist ziemlich hart und lässt sich offenbar nicht von jedem bändigen. Da braucht man schon Erfahrung. In einem kleinen, familiären Hostel bei Alte werden regelmäßig Workshops angeboten, in denen man all diese alten Fertigkeiten erlernen kann: Espartogras flechten, Honig machen, Brot backen, traditionelle Süßigkeiten zubereiten etc.

Espartogras Flechten im Museum Alte

Esparto flechten Seile Museum Alte

Esparto Museum Alte

Wir besuchen also den kleinen Hof. Aldegundes zeigt hier jedem, der es lernen will, wie ein Espartokorb geflochten wird, wie man Fußabtreter oder andere nützliche Dinge aus diesem Material herstellen kann. Dabei ist Espartogras nicht gleich Espartogras. Es gibt das unverarbeitete, glatte Espartogras, aus dem man zum Beispiel die Körbe macht. Für die Herstellung von Seilen oder Untersetzern bearbeiten die Damen das Gras zuerst noch, in dem sie es aufschlagen. So franst es in einzelne, dünnere Stränge aus und wird dadurch weicher.

Aldegundes Esparto Workshop Algarve

Espartogras Arbeit Workshop Alte Algarve

An einem gemütlichen Tisch im Schatten sitzen zwei Nachbarinnen vor einem riesigen Haufen getrockneter Feigen. Sie basteln mit geschickten Bewegungen kleine Blüten aus Feigen und geschälten Mandeln. Eine der Nachbarinnen zeigt uns, wie man eine einfache Version dieser gesunden Nascherei macht. Zuerst wird die getrocknete Feige etwas platt geklopft. Dann muss man an den Seiten vier oder fünf Schnitte in die Feige machen, aber nicht zu tief! In diese Schnitte werden die Mandeln gesteckt. Fertig. Jetzt müssen die hübschen Blumen nur noch im Ofen getrocknet werden. Die Damen hier lassen sich natürlich wesentlich komplizierte Blumenmotive einfallen und das auch gleich in großen Mengen. Diese Süßigkeit wird jetzt für den ganzen Winter, auf Vorrat, zubereitet. Die Feigen halten sich nämlich ewig.

Feigen Trocknen Alte

Feigen Kochen Workshop Algarve Alte

Feigen und Mandeln

Feigen traditionelle Süssigkeit Workshop Alte

Auch Ludovina ist heute auf dem Hof. Sie zeigt mir, was man mit Palmenblättern alles anstellen kann. Ich versuche mich an einem schlichten Unterteller. Ich flechte und knote genau so, wie Ludovina es mir vormacht. Aber irgendwie will es einfach partout nicht so aussehen, wie bei ihr. Noch einmal zeigt sie mir geduldig, wie ich den Palmenstrang halten muss und wo genau ich den Überschlag machen soll. „Dann hier in das Loch, nicht das andere!“ lacht sie über meine Ungeschicklichkeit. Ich lache mit, denn es macht viel Spaß, mit ihr zu lernen. Nach einer Viertelstunde habe ich den Dreh dann aber raus und wenigstens einen kleinen Untersetzter, vielleicht für ein Schnapsglas, fertig gekriegt! Gern würde ich auch so einen Korb flechten, wie Ludovina sie macht. Aber dann müsste ich mal ein ganzes Wochenende herkommen.

Palmenblätter Workshop Algarve Alte

Loule Criativo Workshop in Alte(Foto by @Caroline Couret)

Palmenblätter Anfang ist schwer Workshop Algarve Alte

Was mich an diesem Tag besonders beeindruckt, ist ein Satz Aldegundes. Sie sagt, dass der Gedanke daran, dass ihre ganze Erfahrung, diese handwerkliche Kunst, irgendwann für immer verloren gehen könne, wenn sie und die Menschen ihrer Generation einmal nicht mehr hier seien, sie sehr traurig stimme. Genau darum gibt sie ihr Wissen so gern an die nächste Generation weiter.

An diesen kreativen Workshops nehmen nämlich nicht nur Urlauber teil. Auch Leute aus Faro oder Lissabon kommen hierher, um hier ein paar Tage in den Bergen zu verbringen und die alten traditionellen Handwerke zu erlernen. Diese handwerklichen Fähigkeiten sind Teil ihrer Kultur, ihrer Geschichte. Ein Erbe, das bis heute von Generation zu Generation weitergeben wird.

Workshop Alte

Alte Kirche Kreuz
Alte Laterne
ESpartogras Korb mit Carob Museum Alte
Granatapfel  Mandel Marzipan Alte Algarve

Alte blaue Fenster Türen
alte Dorf an der Algarve in den Bergen

Hinweis: Zum Besuch der Workshops in Alte wurde ich von Loulé Criativo eingeladen. Die hier dargestellte Meinung sowie die erzählten Erlebnisse und Eindrücke sind selbstverständlich ausschließlich meine eigenen.

2 Comments

    • Sieht viel einfacher aus, als es ist! Allein fúr den Anfang habe ich 15 Minuten gebraucht, um zu kapieren, wann welches Blatt wohin geklappt wird. Wenn man das erst einmal hat, geht es aber besser und dann lässt sich auch schnell eien Form erkennen … Jedenfalls bei Ludovina war das so 🙂

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