La Fageda – eine besondere Kooperative

Noch bevor der Buchenhain La Fageda zum Naturpark erklärt wurde, hatte ein Psychologe namens Cristóbal Colon eine Idee. Er wollte in der Ruhe dieses Waldes ein Zentrum bauen, in dem Menschen mit „speziellen“ geistigen Fähigkeiten eine Arbeit und eine Aufgabe finden sollten. (Falls Du an dieser Stelle stutzt, ja, der Name des Psychologen ist derselbe, wie der des berühmten Seefahrers. Aber darum geht es hier gar nicht).

la fageda Kooperative

la fageda Kooperative

Zunächst wurde also auf dem Grundstück im Wald eine Art Tagesstätte eingerichtet. Man legte einen Garten an, in dem die Menschen, die ansonsten auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten, sich um die Pflanzen kümmern. Das Projekt war sehr erfolgreich und wuchs schnell. Bald erweiterte man den kleinen Gärtnereibetrieb und hielt auch ein paar Kühe. Um die Milch nicht nur zu verkaufen, begann man daraus einen eigenen, hochwertigen Joghurt zu produzieren.

Auf den kleinen Joghurtbechern, die Du in Katalonien in jedem Supermarkt finden kannst, wird nicht erwähnt, dass das Produkt in einem sozial verantwortlich arbeitenden Betrieb hergestellt wurde. Die Kooperative La Fageda will durch die Qualität ihrer Arbeit überzeugen. Mehr über die soziale Komponente des Betriebs erfährt man oft erst bei einer Besichtigung.

la fageda Kooperative

Garten la fageda

Schon in den 70er Jahren hatte Cristóbal Colon sich mit Arbeitstherapie beschäftigt. Er erkannte früh, wie wichtig es ist, den Menschen mit geistigen Behinderungen eine Struktur zu geben und ihnen Verantwortung zu übertragen. Dadurch können sie ihren Alltag sinnvoll ausfüllen und einen nützlichen Beitrag zur Gemeinschaft leisten.

Bei unserem Spaziergang durch die Anlage La Fageda zeigt uns Roser die Weiden der Kühe und die Ställe mit den Massagebürsten für die Tiere. Aus Lautsprechern ertönt klassische Musik, das Futter ist vom Feinsten und die Tiere sehen alle sehr entspannt und gesund aus. Von den neu geborenen Kälbchen behalten sie nur die Kühe, die Männchen werden verkauft.

Kuh

An einem Fenster der Produktionshalle zeigt Roser dann, wie der Joghurt gemacht wird. Neben geistig behinderten Menschen arbeiten hier auch Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Die Produktpalette umfasst mittlerweile neben dem im Becher gereiften Joghurt auch Marmelade und Eis. Je nach ihren individuellen Fähigkeiten werden die Menschen hier in den verschiedenen Abteilungen zu unterschiedlichen Arbeiten eingesetzt.

Während wir  die Joghurtherstellung beobachten, gesellt sich Maria zu uns. Maria nenne ich jetzt einfach so, weil ich leider ihren Namen nicht weiß. Sobald sie sich uns nähert, nimmt sie den Kopfhörer ab, mit dem sie vermutlich bis eben noch Musik gehört hat, und begrüßt uns fröhlich. Vor Beginn ihrer Schicht hat sie noch einen Moment Zeit. Gut gelaunt erläutert und kommentiert sie  stolz die Arbeitsschritte ihrer Kollegen.

la fageda Kooperative

eis

Bei La Fageda geht es nicht um immer größeres Wachstum. Das Ziel in diesem Betrieb ist, den Menschen eine sinnvolle Arbeit und ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Und das gelingt, indem sie hier ein hochwertiges Produkt erschaffen. Es ist schön zu sehen, dass diese Menschen etwas herstellen, das es in den Regalen der Supermärkte mit den großen internationalen Konzernen aufnehmen kann.

Joghurt la fageda      marmelade

Infos zu La Fageda:

La Fageda ist eine sozial nachhaltige Molkerei. An die 50.000 Besucher kommen jedes Jahr zu den Führungen, um den Betrieb und die besonderen Menschen, die hier arbeiten, kennenzulernen. Menschen mit Behinderungen brauchen andere Pausen und arbeiten in einem anderen Tempo. Nicht alle Arbeiter beziehen ein Gehalt. Es gibt auch Menschen mit einem so hohen Grad einer Behinderung, dass sie nicht arbeiten können. Doch auch sie finden hier Aufgaben.

In einem Gebäude weiter hinten auf dem Gelände befindet sich ein Gebäude für die Rentner. Auch nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsalltag können sie sich hier treffen. In einem eigenen kleinen Gewächshaus bauen sie sogar Gemüse an und verkaufen es der Kooperative.

La Fageda Cooperativa
Mas Els Casals, s/n
17811 Santa Pau

Website:  www.fageda.com

Die Website ist nur auf Spanisch und Katalanisch, aber die Führungen finden auch auf Englisch statt. Zu den Besuchen muss man sich in jedem Fall vorher anmelden. Die Zufahrt zum Gelände führt nämlich durch den geschützten Naturpark. Da man hier normalerweise nicht mit dem Auto fahren darf, benötigst Du eine besondere Genehmigung. Die wird Dir bei der Anmeldung zugeschickt.

Besuch Eintritt : 4 Euro

Und natürlich überlegt man in La Fageda auch schon, wie man den Joghurt ohne Plastik verpacken kann. Zur Zeit laufen schon Versuche mit anderen Materialen, die einen besseren CO2 Abdruck haben.

Katalanischer Fernsehbericht über La Fageda:  www.ccma.cat

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