Madeira – östlich von Funchal

Eine grüne Insel im Atlantik, viel mehr wusste ich über Madeira nicht, als ich für ein paar Tage hierher geflogen bin. Viele Millionen Jahre ist es her, dass sich dieses kleine Stück Land aus dem Meer erhob und aus dem mächtigen Vulkan eine kleine Insel entstand. Viele Wasserfälle, hohe Berge und steile Klippen an der Küste, das ist Madeira.

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Funchal
Die kleine Hauptstadt Madeiras erreiche ich mit dem Bus. Die Kabinen einer Seilbahn fahren hier direkt neben dem Busbahnhof nahe der Uferpromenade hinauf in die Berge. Schnell verschwinden sie irgendwo da oben in den Wolken. Den grünen Gipfel kann ich von hier unten gar nicht mehr erkennen. Viele kleine weiße Häuser verteilen sich an dem steil aufragenden Berg, der die Stadt zu begrenzen scheint.

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Durch niedliche kleine Gassen mit Cafés und Geschäften gelange ich schnell zur Markthalle. Das in den vierziger Jahren errichtete Gebäude verbirgt einen hübschen Innenhof, um den herum sich die verschiedenen Stände reihen. Bunte, sehr köstlich aussehende Obst- und Gemüsesorten, Gewürze, Blumen und jede Menge Souvenirs werden da angeboten. Besonders viele rote Chilis gibt es auf dem Mercado dos Lavradores. Ich überlege kurz mir ein paar dieser Chilis mit nach Hause zu nehmen, doch als ich nach dem Preis frage, bin ich überrascht. Viel zu teuer. Das liegt sicher daran, das nicht nur Busladungen, sondern ganze Kreuzfahrtschiffe ihre Touristen hier durchführen. Das treibt natürlich die Preise in die Höhe.

Madeira altstadt funchal

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Also überquere ich stattdessen die Hauptstraße und sehe mich auf der anderen Seite der Altstadt etwas um. Auf dem Weg zur Kathedrale komme ich am Pelourinho vorbei. Wie der berühmte Platz in Salvador da Bahia war auch der Pelourinho auf Madeira der Mittelpunkt des mittelalterlichen Ortes. Im fünfzehnten Jahrhundert wurde hier ein Pranger (pelourinho) aufgestellt, der dem Platz bis heute seinen Namen gibt.

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Von dort aus stehe ich nur ein paar Straßen weiter vor einer großen Kirche. Leider ist es wieder nicht die Kathedrale, die ich suche, sondern die Igreja de Nossa Senhora do Carmo. Wieso habe ich mir nur keinen Stadtplan mitgenommen. Da die Batterie meines Handys mal wieder leer ist, laufe ich einfach kreuz und quer durch die Gassen und lasse mich überraschen. Doch bald muss ich wieder zurück zur Bushaltestelle eilen, wenn ich meinen Bus zum Hotel nicht verpassen will. Die fahren nämlich nur einmal pro Stunde.

Santa Cruz
Östlich von Funchal liegt Santa Cruz, ein winziger Ort mit einem niedlichen Dorfkern und einem netten kleinen Markt. In Santa Cruz befindet sich übrigens der Flughafen Madeiras, der zwar „Funchal“ heißt, aber eben nicht dort, sondern rund zwanzig Kilometer östlich zu finden ist.

Santa Cruz Madeira

Santa Cruz Madeira
Santa Cruz Madeira

Vom Strand aus kann ich das Ende der Landebahn sehen, die erst vor ein paar Jahren so erweitert wurde, dass der Anflug nun nicht mehr ganz so abenteuerlich ist, wie er das noch in den achtziger Jahren war. Damals galt die Landung auf Madeira wegen der starken Fallwinde, die durch die steilen Berge auftreten können, als äußerst schwierig. Den Platz unterhalb der neuen Landebahn nutzen die Insulaner für Konzerte und große Veranstaltungen. Auch Tennisplätze und eine Art Rummelplatz befinden sich dort.

Airport Madeira flughafen Landebahn

Machico – Pico do Facho
Von Santa Cruz aus fahre ich weiter und werfe einen Blick auf Machico, die erste Hauptstadt Madeiras. Angeblich sollen sich die ersten Portugiesen hier niedergelassen haben, als sie die Insel im fünfzehnten Jahrhundert besiedelten. Wegen der starken Winde, denn der Ort liegt in einer Talschneise, verließen sie ihn aber bald und machten Funchal zu ihrer Hauptstadt.

machico Madeira

Der kleine Ort hat einen Sandstrand, eher eine Seltenheit auf Madeira. Allerdings wird der hier aufgeschüttete Sand aus Marokko hergeschafft. Auf dem Berg oberhalb Machicos kommen wir zum Miradouro do Pico do Facho, einem strategisch günstig gelegenen Aussichtspunkt. Früher sollen hier die Wachen Feuer entzündet haben, um die benachbarten Orte und Inseln vor herannahenden Gefahren zu warnen. Von hier aus kann ich auf der einen Seite den kleinen Ort Machico sehen, der sich über das grüne Tal erstreckt. Auf der anderen Seite kann ich einen ersten Blick auf die Gegend von São Lourenço werfen, den äußersten Zipfel im Osten Madeiras. Statt grün scheint die Landschaft dort eher trocken und steinig zu sein. Pflanzen erkenne ich jedenfalls keine von hier oben.

São Lourenço
Wir fahren also nach São Lourenço und sehen uns das aus der Nähe an. São Lourenço ist kein Ort sondern der Name der kleinen Wüste, die hier Ponta de São Lourenço.

Madeira Quinta do Lorde

Quinta do Lorde ist ein Retortendorf, das Immobilieninvestoren hier einfach direkt in die Landschaft gesetzt haben. Ein niedlich gemachtes Dorf mit adretten Häusern, so viel muss ich zugeben. Es soll jedoch sehr teuer sein hier eine Wohnung zu kaufen. Vor allem liegt man wirklich am Ende der Insel, weit ab von allem. Das Projekt schient auch nicht sonderlich erfolgreich zu sein, denn der Ort wirkt wie ausgestorben.

Madeira São Lourenço F
Madeira São Lourenço F

Nur ein paar Meter weiter endet die Straße. Von hier aus geht es nur noch zu Fuß weiter. Wunderschöne Wanderwege führen von hier aus auf den kleinen Hügel und über diesen östlichen Zipfel der Insel. Hier ist die Erde rötlich braun und tatsächlich sehr trocken. Fast wie eine kleine Wüste mitten im Meer. Selbst die steilen Felsenklippen haben diese rötliche Farbe …

madeira

Sao Lourenco Madeira

Porto da Cruz
Auf dem Weg nach Porto da Cruz kommen wir in eine ganz andere Landschaft. So habe ich mir Madeira vorgestellt. Grüne Regenwälder erstrecken sich entlang der Straße, die sich durch die Berge schlängelt.

Madeira

Miradouro Portela

Madeira Blick auf Porto da cruz

MAdeira Porto da Cruz

Madeira Porto da cruz

In Porto da Cruz bummeln wir ein wenig durch die kleinen Straßen und trinken einen bica, einen kleinen schwarzen Kaffee am Strand. Direkt neben uns befindet sich ein Strandbad. Jetzt im Dezember ist es allerdings leer. Nur die Berge spiegeln sich in dem klaren Wasser. Direkt um die Ecke liegt die Praia da Alagoa, ein schwarzer Sandstrand und eine Destillerie, die man besuchen kann. Entweder können wir das jetzt machen oder von hier aus auf einer wunderschönen Landstraße zu einer der Levadas fahren, die er mir unbedingt noch zeigen will, und dort ein wenig laufen. Ich entscheide mich für die Levada. Diese für Madeira so typischen alten Kanäle sollen sich die Portugiesen im Mittelalter als sie die Insel besiedelten, von den Mauren abgeguckt haben. Die hatten damals schon viel Erfahrung mit solchen Bewässerungskanälen.

Madeira Strandbad Porto da Cruz

Ribeiro Frio
Irgendwo im Parque Natural do Ribeiro Frio finden wir so einen alten Wasserkanal. Wir steigen aus und spazieren ein wenig an der Levada entlang. Es ist fast wie ein grüner Tunnel, denn ringsum uns wuchert der Wald in verschiedenen Grüntönen. Wir kommen an einem halb verfallen Gebäude vorbei. Wem das wohl einmal gehört haben mag? Wie schade, denn das wäre sicher ein nettes Plätzchen für ein Picknick. Von hier oben aus den Bergen fließt also das frische Wasser bis hinunter nach Funchal. Fröhlich plätschert es neben uns her. Als es beginnt dunkel zu werden, müssen wir uns langsam auf den Rückweg machen. Eine Sache will mir mein Guide unbedingt noch zeigen, bevor die Sonne untergeht. Und so fahren wir Richtung Caniço.

levada do furado Madeira

Madeira altes Haus


Cristo Rei

Als wir die kurvige Straße hinunter zum Meer fahren, beginnt die Sonne bereits den Himmel in ein warmes Orange zu tauchen. Von Weitem kann ich schon die Christusstatue erkennen, die ein Gläubiger hier 1927 zum Dank für seine Genesung errichten lassen hat.

Schnellen Schrittes versuche ich die Statue im untergehenden Licht der Sonne zu erreichen. Zwei Kerzen brennen zu Füßen des Cristo Rei. Als ich mich dann umdrehe und gen Westen schaue, sehe ich gerade noch, wie die Sonne im Meer versinkt.

Madeira Cristo Rei
Madeira Kerzen

sonnenuntergang madeira

Nützliche Infos zu Madeira:

Auf die Insel bin ich übrigens mit TAP Airlines via Lissabon geflogen. Von Deutschland aus gibt es aber auch direkte Flüge nach Madeira, zum Beispiel mit Lufthansa, Germania, Eurowings, Niki oder Tuifly. Die habe ich nämlich am Flughafen gesehen.

Im Frühjahr, wenn die meisten Blumen blühen, ist Hochsaison auf der Insel. Ein Blumenfest zieht noch mal extra viele Besucher an. Im Winter ist es wesentlich ruhiger und auch jetzt blühen noch so einige Pflanzen.

Übernachtet habe ich im Hotel Alpino, zu dem das Ashoka-Ayurvedazentrum gehört.
Hotel Alpino   
Rua da Falésia
9125-031 Caniço de Baixo
Madeira – Portugal

Madeira Machico

NACHTRAG ZU FUNCHAL:

Die Markthalle in Funchal ist wirklich eine der spannendsten Sehenswürdigkeiten der Insel. Als ich dort war, hatten die Fischstände bereits geschlossen, doch Wolfgang, der ein paar Jahre vor mir schon auf Madeira war, hatte das Glück dort ein paar der nicht besonders hübschen aber einzigartigen schwarzen Degenfische zu sehen. Diese Fische werden nämlich nur hier auf der kleinen Atlantikinsel gefangen.

Die Degenfische leben eigentlich in großer Tiefe, rund 2.000 Meter unter der Wasseroberfläche. Des Nachts kommen sie jedoch zur Futtersuche eine Weile in höher gelegene Wasserschichten. Das ist der Moment in dem die Fischer von Madeira zuschlagen. Durch den großen Druckunterschied sterben die Fische schon, bevor sie überhaupt auf dem Fischerboot ankommen. Wie eine schwarze, dicke Schlange mit riesigen Augen liegen die Fische auf dem Markt von Funchal dann an den Fischständen, bevor sie von den Hausfrauen dann daheim zu Espada grelhado, eine Art Nationalgericht Madeiras, zubereitet werden.

DegenfischFoto schwarzer Degenfisch © Wolfgang

Hinweis: Zu dem Aufenthalt im Ayurveda-Kurzentrum wurde ich eingeladen. Die hier dargestellten Ansichten sind davon unbeeinflusst und beruhen ausschließlich auf meiner persönlichen Meinung.  

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