Der Märchenpalast von Zaragoza

Morgens um neun Uhr, wenn der cántico des Chors der Basilika erklingt und die immergleiche Melodie über die Dächer der Stadt schallt, erwacht Zaragoza zum Leben. Vor den Gemüseläden wird frisches Obst gestapelt, aus der Panadería weht der Duft frischen Brotes herüber. Lautlos fährt ein Hybridbus um die Ecke und in den vielen kleinen Bars und Cafeterias trinken die Menschen ihren morgendlichen Café auf dem Weg zur Arbeit.

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Das historische Zentrum Zaragozas besteht aus vielen engen Gassen und einer riesigen Plaza. Von der Basílica del Pilar aus erklingen jeden Morgen und jeden Abend die religiösen Gesänge, die die Gassen der Altstadt füllen. Von außen erinnert die majestätische Basilica, die sich mit ihren bunten Kuppeln und Türmen am Ufer des Rio Ebro erhebt, entfernt an eine Moschee. Grün, gelb, blau und weiß leuchten die Kacheln der elf Kuppeln im herbstlichen Sonnenschein. Innen zeigt die Kathedrale sich als barocker Prachtbau. Sie soll die größte Barockkirche ganz Spaniens sein.

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Zaragoza hat noch eine weitere Kathedrale. Nur ein paar hundert Meter weiter liegt die erste und ältere Catedral del Salvador, kurz La Seo. La Seo wurde auf den Überresten des Forums Romanums und der maurischen Mezquita errichtet. Von außen ist noch die wunderschöne Dekoration im Mudéjarstil zu erkennen, die vom Minarett der Mezquita erhalten geblieben ist.

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Palast der Freude

Blumen und Orangenbäume wachsen in dem sonnenbeschienenen Innenhof. Vögel zwitschern und von irgendwoher tönt das Plätschern des Wassers. Traumhaft geschwungene Bögen wie aus Tausendundeiner Nacht, marmorne Säulen und verschnörkelte arabische Schriftzüge schmücken den ehemaligen Thronsaal. Palast der Freude soll der Emir den Palacio de la Aljafería genannt haben. In einem kleinen Raum neben der Halle betete der maurische Herrscher, später sei dort eine Küche eingerichtet worden, höre ich den Guide sagen. Dadurch sind die Dekorationen an den Wänden zwar bis heute geschwärzt, aber irgendwie hat dieser Ruß angeblich zum Erhalt der Verzierungen beigetragen.

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Es war das achte Jahrhundert, als die aus Nordafrika stammenden Sarazenen die von Octavio Augusto gegründete Siedlung Caesaraugusta eroberten. Unter muslimischer Herrschaft wurde die Stadt am Ebro in Medina al-Baida Saraqusta, Zaragoza die Weiße, umbenannt. Als das Kalifat von Córdoba langsam zerfiel, gewann die Taifa de Saraqusta immer mehr Einfluss. Im 11. Jahrhundert ließ sich Emir Ahmad al-Muqtadir einen prächtigen Palast errichten, den heutigen Palacio de la Aljafería.

Die prachtvollen Bauten im Mudéjarstil faszinieren mich immer wieder. Sie sind märchenhaft verspielt, wirken hell und fröhlich. So weit im Norden Spaniens ein Gebäude in diesem besonderen Architekturstil zu entdecken, finde ich großartig. Die meisten dieser maurischen Bauten befinden sich im Süden der Iberischen Halbinsel, wo ihre Herrschaft fast achthundert Jahre andauerte. Doch 1492 hatten die christlichen Könige auch den südlichsten Zipfel des heutigen Spaniens erobert und die muslimischen Herrscher vertrieben.

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Was Karl dem Großen Ende des achten Jahrhunderts nicht gelungen war, gelang Rey Alfonso I rund 350 Jahre später. Seine christlichen Truppen eroberten Zaragoza und verbannten die maurische Bevölkerung vor die Tore der Stadt. Wie immer nach großen Eroberungen rissen die neuen Herrscher die wichtigsten Gebäude ihrer unterlegenen Gegner ein oder bauten sie nach eigenem Gusto um. Vom maurischen Märchenpalast ist nur noch die Eingangshalle erhalten geblieben. Im Palacio de la alegria residierten nun jahrhundertelang die Könige von Aragón hinter meterdicken Mauern.

Das obere Stockwerk erinnert an die Zeit der Katholischen Könige, los reyes catolicos, Isabela und Fernando, die beiden, die Kolumbus Reise nach Amerika sponsorten. Prachtvolle Kassettendecken, Malereien und Wandteppiche zeugen von Prunk und Macht des Königspaares. In dem reich geschmückten Thronsaal mit den lobhudelnden Schriftzügen, die sich wie ein endloses Band über die vier Wände ziehen, sollen sie Gäste, Botschafter und Untertanen empfangen haben.

Die Torre del Trovador ist der wahrscheinlich älteste Teil des Gebäudekomplexes. Selbst in so einer schmucklosen, schlichten Version sind die  maurischen Bögen wunderschön. Im Laufe der Zeit wurde der Turm zu militärischen Zwecken, als Bibliothek oder auch als Gefängnis genutzt.

zaragoza palacio de la aljaferia saragossa Torre del Trovadur

Seit 2001 steht die Aljafería, in der heute das regionale Parlament Aragóns zusammentritt, auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Als ich die gut bewachte Burg wieder verlasse, werfe ich noch einen letzten Blick auf die massiven Türme und den Festungsgraben, der den Palacio de la Aljafería umgibt. Dort soll einst ein Zoo aus Löwen Leoparden, Bären und Wölfen gelebt haben …

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El Tubo – der Schlauch

Um Tapas zu essen, begeben wir uns in den Tubo, den Schlauch, so nennen die Leute hier die engen Straßen voller Bars und Kneipen. Ein Freund von Michi hat uns die Taberna Doña Casta empfohlen, das sei ein absoluter Klassiker. Wir ergattern einen der Stehtische vor der Tür. Es gibt genau zwei Gerichte: Huevos rotos und Kroketten. Aber die werden dafür in allen erdenklichen Variationen serviert. Für die Kroketten ist Doña Casta sogar mehrfach ausgezeichnet, jedenfalls wenn man den vielen Sternen an der Fensterscheibe glauben darf. Wir bestellen Kroketten und natürlich die kaputten Eier. Was soll man sagen: lecker!

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Ebenfalls in der Calle Libertad gelegen ist El Champi. Dort soll man auch gut essen können. Für Vegetarier und Veganer gibt es das Uh Mami in der Calle Santiago um die Ecke.

Infos – Sonst so in Zaragoza:

Die Altstadt ist nicht übermäßig groß, in 1-2 Tagen kann man Zaragoza ganz in Ruhe erkunden.

Goya:

Zaragoza ist die Geburtsstadt des Malers Francisco José de Goya y Lucientes. Das Museum zeigt leider nur wenige seiner Werke, versucht aber die Entwicklung vor Goya und den Einfluss des Malers auf die Künstler nach ihm zu zeigen. Nachdem Goya in Madrid viele Jahre mit dem Portraitieren adeliger und königlicher Familien verbrachte, interessierte er sich später für die Lebensumstände der einfachen Menschen. Mit seinen Pinselstrichen hielt er das Grauen des Krieges und das Elend der Menschen auf der Leinwand fest.

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Caesaraugusta:

Von der römischen Siedlung Caesaraugusta sind nicht viel mehr als Mauerreste übrig geblieben. Gut erhaltene Bauten wie wir sie aus Mérida kennen, darf man hier nicht erwarten. In Zaragoza hat man vier kleine Museen eingerichtet, die die Ausgrabungen aus römischer Zeit zeigen: Reste der Stadtmauer, das Theater, eine Therme und das Forum.

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Museo Alma Mater -Museo Diocesiano:
Gleich nach der Eroberung von den Mauren errichteten die christlichen Herrscher einen Palast neben der Kathedrale La Seo. Jahrhundertelang residierten dort die Könige und Königinnen von Aragón. Heute zeigt das Museum in dem alten Gebäude Kirchenkunst.

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Zwei Kathedralen:

Die Basilika ist geöffnet und kostet keinen Eintritt. Für La Seo gibt es Führungen.

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Palacio Aljafería
Die Eintrittskarte muss man vorab online reservieren. Am Schalter löst man die Reservierung ein und bezahlt.

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Tapas:

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Ich bin bei der spanischen Schreibweise Zaragoza geblieben. Keine Ahnung, warum man auf Deutsch Saragossa schreibt.

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