Bordeaux – ein Wiedersehen

Bordeaux – das ist roter Wein und eine wunderschöne Altstadt. So habe ich das jedenfalls in Erinnerung. Mit sechzehn war ich schon einmal hier. Das ist so lange her, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Einen Tag lang bin ich damals mit meinen Eltern durch die Stadt gelaufen. An das Grand Theatre erinnere ich mich noch genau, aber viel mehr ist von damals auch nicht hängen geblieben. Nur, dass ich es super schön fand, das weiß ich noch. Zeit nachzusehen, wie Bordeaux heute aussieht und ob ich etwas wiederkenne.

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Für ein Wochenende habe ich mich also mit meiner Freundin Sophie hier verabredet. Es ist Freitagnachmittag, als ich im Hotel ankomme. Ich habe noch etwas Zeit, die Gegend zu erkunden, bevor ich mich mit Sophie treffen werde. Ich schnappe meine Jacke und ziehe los.

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Unser Hotel liegt zum Glück wirklich zentral. Ich biege einmal links ab und bin nach wenigen Metern auf der Place Gambetta. Hier beginnt schon die Altstadt. Jedenfalls erhebt sich ein großes Portal am Beginn der Fußgängerzone. Edle Ritter und ihre Knappen müssen hier früher hindurch geritten sein. Heute reihen sich viele kleine Läden und nette Cafés aneinander. Auf einem weiten Platz erhebt sich die große Kathedrale von Bordeaux. 

In der alten Kathedrale heiratete Eleonore von Aquitanien einst ihren ersten Mann, Ludwig VII, König von Frankreich, der sich aber nach einigen Jahren von ihr trennte. Die sehr intelligente und wohlhabende Eleonore feierte ein zweites Mal Hochzeit, dieses Mal mit Henry Plantagenêt, dem Herzog der Normandie und Graf von Anjou. An seiner Seite wurde Eleonore Königin von England, denn die Plantagenêts waren im zwölften Jahrhundert ein mächtiges Adelsgeschlecht und trugen einige Jahrhunderte lang eben auch die englische Königskrone. Einer ihrer Söhne war der berühmte Richard Löwenherz. Unter der Herrschaft der „englischen“ Könige, die ja genau genommen aus dem Anjou stammten, blühte die Gegend und damit auch Bordeaux wirtschaftlich auf.

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In der Zeit des angevinischen Reichs wurde eine neue Stadtmauer errichtet und eine neue, größere Kathedrale gebaut, vor der stehe ich nun. Ich bummle weiter durch die Straßen, und entdecke noch mehr Stadttore, wunderschöne alte Türen und kleine Läden.

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Zurück an der Place Gambetta, schleppt ein älterer Mann einen Weihnachtsbaum hinter sich her. Offenbar werden die hier erst jetzt entsorgt, denn auf dem großen Platz gibt es ein kleines abgesperrtes Quadrat, in dem schon zwei andere trockene Bäume liegen.

Klein und sehr süß – Canelé: 

Neben einem kleinen Buchladen, in dem ich natürlich kurz stöbern muss, entdecke ich einen Canelé-Shop. Canelés sind diese süßen, kleinen Kuchen, eine Spezialität aus Bordeaux. Die will ich unbedingt probieren. Hunger habe ich sowieso. Aus der kleinen Schlange vor dem Laden schließe ich, dass das Gebäck bei den Einwohnern sehr beliebt sein muss. Keine Touristen, sondern Einheimische warten hier geduldig, bis sie an der Reihe sind.

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Canelés gibt es in drei Größen, klein, mittel und groß, wobei groß immer noch kleiner ist als ein Muffin und klein ungefähr so groß wie ein Fingerhut. Ich nehme alle drei Varianten, den Kleinen vernasche ich sofort. Es schmeckt nach Martinique! Da muss Rum drin sein und auch Vanille. Sehr süß und sehr lecker! Über den Ursprung der Canelés gibt es eine Geschichte, wonach diese Minikuchen von den Nonnen eines Klosters erfunden wurden. Angeblich sammelten die Damen Mehl und andere Lebensmittelreste im Hafen von Bordeaux ein, der damals neben Nantes und La Rochelle als einer der Hauptumschlagplätze für den Handel mit Übersee galt. Viele Sklavenhändler schickten von hier aus die gefangenen Afrikaner als Sklaven in die Neue Welt, aber die Schiffe brachten auch Rum von den Antillen hierher.

Jedenfalls sollen die Nonnen aus den im Hafen gesammelten Zutaten dann so etwas wie die Canelés gebacken haben. Auch wenn das eher eine Art Legende ist, ist es aber doch eine interessante Geschichte.

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Fromagerie Baud et Millet:

Zurück im Hotel warte ich in der Rezeption auf Sophie. Der Raum ist mit Sofas und kleinen Tischen eingerichtet. Ich mache es mir gemütlich und lese ein bisschen. Der nette Rezeptionist bietet mir einen Kaffee an. Wie lieb! Überhaupt ist es mir schon aufgefallen, wie freundlich die Leute hier sind. Wirklich jeder ist hilfsbereit und nett. Der Busfahrer ist nicht genervt, wenn man nicht weiß, wie die Fahrkarte zu entwerten ist, sondern erklärt alles ganz ruhig, die Kellner sind freundlich und hier im Hotel unterhält sich der Rezeptionist mit mir.

Als Sophie ankommt, bringen wir schnell ihren Koffer aufs Zimmer und gehen zum Abendessen direkt gegenüber in die Fromagerie Baud et Millet. Vor der Tür warten die Leute auf einen freien Tisch. Wie gut, dass wir reserviert haben. Das kleine Restaurant ist vollgestopft mit alten Werkzeugen zur Käsebearbeitung. Kein schickes Designerlabel, sondern bodenständig und rustikal. Die Energie stecken sie hier eindeutig in den Käse, nicht in die Deko. Als uns der Inhaber die Speisekarte reicht, können wir uns überhaupt nicht entscheiden. Alles hört sich richtig gut an. Nur billig ist es hier nicht unbedingt, aber in Frankreich ist ja leider immer alles etwas teurer.

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Der Kellner erklärt uns, dass wir, statt ein Gericht von der Karte zu bestellen, auch eine Dégustation im Keller machen könnten. Neugierig steigen wir die enge Treppe zur Cave à fromage hinunter, denn das wollen wir uns wenigstens kurz ansehen. Über hundert köstliche Käsesorten ruhen da hinter einer Glastür und warten nur darauf, von den Gästen verspeist zu werden. Die Wände sind felsig, der Keller wirkt wie direkt in den Stein gehauen. Die meisten der Käse hier kenne ich natürlich nicht, aber ich komme mir vor, wie in der Schatzkammer einer Bank, vor mir die wertvollen Goldreserven. Nur dass hier eben Käse statt Gold liegt.

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Wir entscheiden uns schließlich aber doch für ein warmes Gericht, einen Grand Mont d’Or mit Charcuterie, für zwei Personen. Auch die Weine hier sind wirklich erlesen. Man kann sich entweder selbst eine Flasche aus den Regalen suchen und mit an den Tisch nehmen, oder auch nur ein Glas bestellen. Nach einem kurzen Blick auf die Preise, die von zwanzig bis zweihundert Euro reichen, entscheiden wir uns doch lieber für ein Glas. Ein Château La Fleur Haut Moulin Jahrgang 2009 soll es sein. Das war ein gutes Jahr, weiß Sophie. Und sie hat recht. Der Wein ist unglaublich gut.

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Dann kommt auch schon unser Käse mit den kleinen Ratten. „Rattes“ nennen sie hier nämlich kleine Pellkartoffeln, klärt meine Freundin mich auf, als sie bei dem Wort meinen verwunderten Blick bemerkt. Der Grand Mont D’Or ist eigentlich eine Spezialität aus der Franche Comté im Osten Frankreichs, der Gegend, aus der Sophie stammt, wo wir uns vor so vielen Jahren kennengelernt haben. Diese Käselaibe haben einen Durchmesser von zehn bis zu dreißig Zentimetern und können bis zu drei Kilo wiegen! Den besonderen Geschmack erhalten sie dadurch, dass sie in Fichtenholzrinde gewickelt werden. Beim Erwärmen im Ofen verleiht die Baumrinde dem Käse dann eine süßliche Note. Köstlich! Wir schlemmen und reden und trinken Wein. Wie gut, dass das Hotel direkt gegenüber liegt.

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Infos Bordeaux, zum Nachreisen :

Unser Hotel befindet sich ganz in der Nähe der Esplanade des Quinconces, einem besonders großen Platz, auf dem sich das Monument aux Girondins erhebt.

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Hotel de Tourny
16 Rue Huguerie
33 000 Bordeaux
Website: www.hoteldetourny.com

Anfahrt: Vom Flughafen dauert die Fahrt mit dem Taxi zum Hotel circa eine halbe Stunde. Auf dem Hinweg betrug der Fahrpreis 28 Euro, auf dem Rückweg 40 Euro, denn sonntags gilt für Taxis in Bordeaux ein höherer Tarif! Mit der Tram fährt man bis zur Haltestelle Quinconces. Von dort sind es circa zehn Minuten zu Fuß zum Hotel.zimmer und Suites im Hotel de tourny Bordeaux freibeuter reisen

Das Hotel de Tourny liegt nur wenige Gehminuten von der Altstadt Bordeauxs entfernt. In einer ruhigen kleinen Seitenstraße befindet sich das hübsche Gebäude aus dem achtzehnten Jahrhundert, in dem ich für zwei Nächte bleiben werde. Moderne Designermöbel zieren eine gemütliche Sitzecke für die Gäste gleich an der Rezeption. Schlichte Stühle und Tische, Sofas in diskreten Farben. Auf bunten Schnickschnack wird hier verzichtet.

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Die Leute am Empfang sind unglaublich freundlich und bieten mir gleich eine Tasse Kaffee an. Statt einer Chipkarte gibt es hier noch einen richtigen Zimmerschlüssel. Das finde ich sehr charmant. Über das alte Treppenhaus mit dem hübsch verzieselten Geländer gelange ich in den ersten Stock. Nummer sechzehn. Mein Zimmer ist zwar klein, aber sehr nett eingerichtet, gemütlich mit allem, was man eben so braucht. Die Kissen türmen sich auf dem Bett und laden zu einer Kissenschlacht ein.

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Ein Blick ins Bad, das in farbenfrohen Quadraten leuchtet. Gelbe, graue und schwarze Kacheln in einer wunderbar großen Dusche. Kleine Fläschchen mit Shampoo, Duschcreme und Lotion stehen für die Gäste bereit. Gerade wenn man wie ich mit Handgepäck unterwegs ist, bin ich für solche Dinge immer sehr dankbar.

rezeption

Das Hotel ist angenehm klein, dadurch kommt sofort eine ganz private Atmosphäre auf. Schnell fühle ich mich hier wie zu Hause. Egal wer gerade an der Rezeption Dienst hat, ich bin total begeistert von den freundlichen Menschen, die hier arbeiten. Jederzeit stehen sie mir mit Rat und Tat zur Seite, egal mit welcher Frage oder Bitte ich auch zu ihnen komme. Im Hauptgebäude gibt es insgesamt zwölf Zimmer auf drei Etagen. Die drei größeren Suites befinden sich in einem benachbarten Haus, fünf Meter weiter.

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Treppenhaus Hotel Tourny bordeaux

Zum Frühstück am nächsten Morgen gibt es frisch gekochten Kaffee. Ein kleines Körbchen mit Croissants, Pain au Chocolat und Brot wird uns an den Tisch gebracht, dazu frischer O-Saft und ein Teller mit Obst.

Frühstück Hotel Tourny

 

Canelé La Toque Cuivrée
Place Gambetta
Bordeaux
Preise: 40, 50 und 70 cent pro Canelé
Es gibt auch noch andere Canelé Shops in der Stadt. Im Canelé Maison Baillardran sind sie aber wesentlich teuer!

Fromagerie Baud et Millet
19, Rue Huguerie
33 000 Bordeaux
Website: baudetmillet.com
Sehr lecker und absolut empfehlenswert. Einziger Wermutstropfen: Der Grand Mont d’or steht auf der Karte als Gericht für zwei Personen zu einem Preis von 24 Euro. Auf der Rechnung am Ende stand dann ein Grand Mont d’or -für zwei Personen- für 48 Euro. Das haben wir aber leider erst am nächsten Tag bemerkt.

Für die Übernachtung in Bordeaux wurden wir von Bordeaux Tourisme und dem Hotel Tourny eingeladen. Die hier dargestellten Ansichten stellen ausschließlich meine persönliche Meinung dar.

2 Comments

    • Bordeaux ist echt super schön! Besonders die Leute sind alle so nett. Ich habe mal eine Weile in Paris gelebt, da war das schon ein wenig anders … Vielleicht liegt es daran, dass Bordeaux einfach so viel kleiner und irgendwie fast dörflich geblieben ist 🙂

      Liebe Grüße!

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