Camí de la Retirada – Camprodon und der “Rückzug”

Gegen Ende des Spanischen Bürgerkriegs spielten sich hier ganz in der Nähe tragische Szenen ab. In Camprodon erinnert eine Ausstellung an die letzten Tage der Repbulik und den großen Exodus: La Retirada.

camprodon camins de la retirada col d ares

Am 9. Februar 1939 erreichten die aufständischen Truppen, an deren Spitze Franco sich gestellt hatte, den Ort Sant Pau de Segúries. Damit war nun auch Katalonien von den Nationalisten eingenommen. Die Verteidiger der gewählten republikanischen Regierung waren endgültig besiegt. Zehntausende flohen durch die Täler der Pyrenäen über die Grenze ins nahe Frankreich. Am 14. Februar überquerte eine letzte Gruppe geschlagener Kämpfer der 60. Division der Republikanischen Truppen den Coll Pregon.

vanguardia Franco la Retirada

camprodon camins de la retirada col d ares

Die gewählte spanische Regierung hatte lange ausgeharrt, aber schließlich waren die ehemaligen Regierungsmitglieder ins Exil gegangen. Hunderttausende Menschen, Männer, Frauen und Kinder flohen mitten im Winter über die verschneiten Berge. Ein wahrer Exodus hatte eingesetzt. Nicht nur bei Le Perthus, überall suchten die Menschen Sicherheit vor den Truppen der herannahenden Diktators. Von Camprodon aus ging einer der bedeutendsten Fluchtwege jener Zeit über den Coll d’Ares nach Prats de Molló.

Bis zu einem gewissen Punkt konnte man damals mit dem Auto fahren, dann ging es nur noch zu Fuß weiter. Hunderte von Automobilen blieben dort am Wegesrand liegen. Die Flüchtlinge liessen alles zurück, Maschinen, Koffer, Waffen, ihr gesamtes Hab und Gut. Noch heute finden sich in den Wäldern traurige Überreste aus diesen Tagen. Verrostete Trinkflaschen, Geschirr, Autoteile, lauter Dinge, die die Menschen im letzten Augenblick wegwerfen mussten oder einfach verloren hatten.

  camprodon camins de la retirada col d ares
camprodon camins de la retirada

camprodon camins de la retirada col d ares

Die Ausstellung macht mich wirklich nachdenklich. So lange ist es nicht her, dass die Flüchtlinge sich genau hier auf den Weg in eine bessere Zukunft machten. Wie wir heute wissen, wurden viele dieser Hoffnungen zerstört. In Rivesaltes, Argelès und anderen Konzentrationslagern bereitete man den geflohenen Menschen nicht gerade einen herzlichen Empfang. Haben wir heute irgendwas aus dieser Zeit gelernt? Manchmal scheint es leider, als hätten wir nur ein beschränktes Kurzzeitgedächtnis.

Nachdenklich bummle ich nun mit einem anderen Blick durch die hübschen Gassen Camprodons. Die modernistischen Häuser und der kleine Fluss, der ein wenig an den Onyar in Girona erinnert, holen mich langsam wieder ins hier und jetzt zurück. Ich laufe einmal über die alte romanische Brücke und blicke auf das Hotel hinab, das aussieht wie die Kulisse für einen Agatha Christie Film. Wir haben es eigentlich ganz schön gut.

Camprodon

blick vom pont auf hotel campordon

Noch mehr Infos zu Camprodon

Vor ein paar Jahren war ich schon mal in Camprodon. Damals habe ich mir vor allem die modernistischen Bauten angesehen, die kleinen Paläste, die wohlhabende Städter vor rund Hundert Jahren hier in den Bergen bauen liessen.

Die “neue” Brücke stammt eigentlich schon aus dem dreizehnten Jahrhundert. Doch in den 30er Jahren wurde el pont nou restauriert und entwickelte sich zum Wahrzeichen der kleinen Stadt. An der Stelle, an der der Ter mit dem Riort zusammenfließt, erhebt sich dieses steinerne Relikt vergangener Jahrhunderte.

pont nou camprodon

camprodon pont nou

Birba Kekse aus Camprodon:

In der Bodega Toni sieht es noch genauso aus, wie es hier vermutlich bereits vor hundert Jahren ausgesehen hat. Große Fässer mit Wein und anderen Spirituosen stapeln sich an einer Wand des kleinen Ladens und warten darauf, gezapft zu werden. Doch statt Wein interessieren mich die Kekse. Denn in Camprodon gibt es eine Keksfabrik, die traditionelle Kekse herstellt und immer noch in derselben Verpackung anbietet: Eine gelbe Schachtel auf der die alte Brücke zu erkennen ist.
Man könnte meinen, die Firma spiele mit modernem Vintage-Image – aber nein. Die Birba Kekse haben einfach seit 1893 weder ihre Produktion noch die Verkaufsstrategie verändert. Weder die Verpackung noch die Zutaten wurden modernisiert. Hier hat man „immer schon“ ohne künstliche Zusatzstoffe, ohne Palmöl, sondern mit einfachen, aber guten Zutaten, leckere Kekse gebacken.

Birba Kekse Camprodon

Infos findest Du auf der Website der Firma www.birba.es Besichtigungen gibt es leider nicht. Kaufen kannst Du die Kekse am besten in dem wunderschönen kleinen Laden hier:

Bodega Toni

Carrer d’Isaac Albeniz, 16
17867 Camprodon

Espai Cultural Cal Marquès:

Wenige Straßen hinter der alten romanischen Brücke befindet sich das Kulturzentrum. Dort wird seit Kurzem eine bislang private Sammlung an Fundstücken ausgestellt, die den Rückzug der republikanischen Truppen und die Flucht so vieler Tausender Menschen gegen Ende Spanischen Bürgerkriegs dokumentiert.

Es gab viele Wege, auf denen die Menschen zwischen Januar und März 1939 versuchten, sich über die Grenze in Sicherheit zu bringen. Deswegen gibt es nicht nur einen, sondern viele “Camins de la Retirada”. Man geht heute davon aus, dass damals zwischen 85.000 und 95.000 Menschen die Pyrenäen überquerten.

Auf der Website www.mollo.cat  findest Du ein PDF (in Englisch), das den gesamten Weg und die Geschichte dieses Camí de la Retirada erklärt.

Espai Cultural Cal Marquès
Carrer Catalunya 11
17867 Camprodon

espai Ausstellung la retirada

Auch um Camprodon herum gibt es natürlich schöne Wanderwege wie die alte Via romana bei Sant Pau de Segúries oder den Rundweg zu einer kleinen Ermita, der über diverse Fonts wie die Font Patllari – Font del Vern – Font del Botas und das Monument de l’excursionista führt. Und nicht vergessen: kulinarische Spezialitäten probieren, wie das pa de pessic, ein leckeres Biskuit- Küchlein.

font de botas pa de pessic

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