Auf der Burg der mysteriösen Tempelritter: Gardeny

Ein mächtiger Ritterorden:

Es ist Freitag der dreizehnte, als eine außergewöhnliche Welle von Festnahmen ganz Europa erschüttert. Der französische König Philipp IV hatte versiegelte Briefe verschickt, mit der Anordnung sie alle am selben Tag und zur gleichen Zeit zu öffnen. Sie enthielten die Befehle zur Festnahme aller Tempelritter. Innerhalb weniger Stunden wurden ihre Güter beschlagnahmt und der Orden zerschlagen. Gerüchte über das Entkommen einzelner Templer und eine im Untergrund weiter bestehende, geheime Bruderschaft, halten sich bis heute.

Gardeny, die Burg der Tempelritter:

Nachdem Olga mir am Morgen bereits den Hügel von Lleida mit seiner Burg und der schönen, alten Kathedrale gezeigt hat, machen wir uns am Nachmittag, als die Hitze etwas nachlässt, auf den Weg zur Burg der Tempelritter. Der außerhalb der Stadt gelegene Burgberg wirkt heute ziemlich verlassen. Auch eine in der Nähe stehende Kaserne zieren lediglich eingeschlagene Fensterscheiben und üppig wucherndes Grün. Es ist wirklich still hier oben.

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“Von hier aus hat Ramon Berenguer IV im Jahr 1149 das unter maurischer Herrschaft stehende Lerida erobert” erklärt Olga. Allerdings hat der Graf von Barcelona diese Schlacht nicht allein gekämpft. Zum Gelingen dieser nicht einfachen Aufgabe hatte er sich die Hilfe der Tempelritter geholt. Gemeinsam mit den Truppen des katalanischen Herrschers gelang es den Templern Lleida zu stürmen. Zum Dank für diese tatkräftige Unterstützung soll Ramon Berenguer dem Ritterorden den Gardeny Hügel überlassen haben. Zwischen Wäldern und grünen Wiesen, mit Blick auf Lleida und den Turó de la Seu Vella, bauten die Tempelritter im zwölften Jahrhundert hier ihre Festung, die Casa Templaria de Gardeny.

Vor dieser Burg des sagenumwobenen Geheimbundes stehe ich nun. Mir gehen die vielen Mythen und Legenden über den Orden der Tempelritter durch den Kopf. Auch wenn ich nicht an Verschwörungstheorien glaube, sind die Geschichten um diese einst so mächtigen Ritter, die eines Tages verschwanden, einfach mega spannend.

Olga erläutert mir anhand einer kleinen Tafel, wie der Gebäudekomplex früher ausgesehen haben muss – eine Mischung aus Kloster und Festung zugleich. Wir betreten das ehemalige Hauptgebäude.

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Im unteren Geschoss der Templerburg sind typische Szenen aufgebaut, die zeigen sollen, wie die Tempelritter hier lebten. Ein kurzer Film erzählt die Geschichte des Ordens. Dann erklingt eine sonore, unsichtbare Stimme die einzelnen Szenen erklärt. Ganz gebannt lausche ich den Geschichten. Im schummrigen Licht sieht es einen Moment so aus als habe sich eine der Tempelritter-Puppen bewegt. Vielleicht ist zwischen den Figuren ja ein richtiger Mensch? Ein Schauspieler, der gleich aufsteht? Ich versuche ganz genau hinzusehen. Hat da eine Robe etwas gewackelt? Ich bin total aufgeregt, weil ich die Geschichte der Templer so spannend finde. Aber wenn sich etwas bewegt hat, dann wohl nur durch einen Luftzug. Mehr nicht.

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Olga will mir noch etwas zeigen. Sie führt mich durch einen schmalen Gang in eine Art Höhle. „Dies ist die Zisterne, der Wasserspeicher der Burg“ sagt sie. „Die Steine auf denen Du gerade stehst sind Hunderte von Jahren alt. Man hat diesen Speicher genau so vorgefunden. Hier wurde nichts renoviert.“ Automatisch gucke ich auf meine Füße. Fast andächtig gehe ich Schritt für Schritt wieder die kleine Treppe nach oben, zurück durch den schmalen Gang.

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Die Kirche Santa Maria de Gardeny lässt Olgas Herz höher schlagen. Die scheinbare leere Kirche birgt echte Schätze und Merkwürdigkeiten. Olga zeigt mir Reste von Malereien an den Wänden, die noch aus der Zeit der Tempelritter stammen, einen Sternenhimmel, doppelte Mauern, versteckte Schriften, die noch nicht entschlüsselt sind. So viele Rätsel. Die Archäologen, Historiker und andere Forscher haben hier noch richtig viel zu tun. Kein Wunder, dass die wenigen handfesten Informationen, die man über die Tempelritter hat, sich in Kombination mit all den ungeklärten Mysterien zu den wildesten Theorien und Interpretationen inspirieren.

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„Viele Besucher fragen uns immer wieder nach dem Tunnel“ erzählt Olga mir, während wir auf den Bus warten, der uns zurück in die Stadt fährt. „Angeblich soll es einen geheimen Tunnel geben, den die Ritter vom Castell de Gardeny bis hinüber zum Turó de la Seu Vella gebaut haben sollen.“ „Und“, frage ich neugierig „gibt es denn so einen Tunnel?“ Olga lacht. „Natürlich haben wir sämtliche Archive durchforstet und überall nach einem solchen Tunnel gesucht“, antwortet sie „Aber es gibt nicht den kleinsten Hinweis darauf, dass ein solcher Geheimgang hier je existiert hat.“

Eine urbane Legende, noch so ein Mythos, der sich hartnäckig in den Köpfen der Leute hält.

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Die Geschichte der Tempelritter:

Zu Beginn des zwölften Jahrhunderts hatte Papst Urban zum Kreuzzug aufgerufen. Adelige und Fürsten aus ganz Europa machten sich mit ihren Truppen auf den Weg, um die heiligen Tempel in Jerusalem von den arabischen Eroberern zu befreien. Die Kreuzfahrer waren jahrelang unterwegs. Nur ein kleiner Teil derer, die losgezogen waren, kamen überhaupt in Palästina an. Sie eroberten die Stadt in einer blutigen Schlacht. Gegen erneute Angriffe und zum Schutz der Pilger entstand ein neuer Orden: „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem” nannten sich die Mönche, die im Tempel Salomons einzogen und dort ihr Hauptquartier aufschlugen.

Die Ordensbrüder legten ein Gelübde der Keuschheit und des Gehorsams ab. Neu war allerdings, dass diese Mönche zu kampfstarken Rittern ausgebildet und mit dem besten Waffen ausgestattet wurden. Der Ruf der Unbesiegbarkeit eilte dem Militärorden bald voraus. Viele Adelige aus ganz Europa schlossen sich der Bruderschaft der Tempelritter an, die vom Papst in Rom mit besonderen Befugnissen ausgestattet wurde.

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Man munkelt, dass der Schutz der Pilger nur ein Vorwand gewesen sei und der Orden eigentlich zu einem ganz anderen Zweck gegründet wurde. Die Templer gewannen nicht nur durch ihre kämpferischen Erfolge, sondern durch geschickte Verwaltung ihres rasch anwachsenden Vermögens bald immer mehr Macht und Einfluss. Sie galten als eine Art Bänker und Strategen. Nicht wenige Adelige und Könige baten die Templer um Hilfe. Einige standen sogar tief in ihrer Schuld.

Unter dem Hauptquartier der Tempelritter, dem Tempel, in dem Jesus einst gepredigt haben soll, gruben die kämpfenden Mönche und fanden einen Schatz – so sagt man. Legenden, Sagen und Gerüchte entstehen. Manche behaupten, die Tempelritter hätten den lange verlorenen Tempelschatz gefunden, andere wiederum glauben, sie hätten die Bundeslade oder gar den Heiligen Gral entdeckt.

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Das Verschwinden der Templer:

Vielen europäischen Herrschern war der Orden bald ein Dorn im Auge. Besonders Philipp der Schöne, König von Frankreich, war nicht gut auf die Bruderschaft zu sprechen. Sie sollen ihm den Beitritt verweigert haben, das nahm er ihnen wohl übel. Aber vor allem war der König pleite und die Templer waren seine Hauptgläubiger.

Schnell fand er die passende Lösung seines Problems: die Festnahme aller Templer. Er warf ihnen Ketzerei, Sodomie und andere gotteslästerliche Taten vor. Unter Folter gestanden die verhafteten Mönche die bizarrsten Vergehen. Ihr Vermögen konfiszierte Philipp. Sein Geldproblem war gelöst. Der französische Papst Clemens erhob keinerlei Einspruch gegen das Vorgehen des Königs.

Von den verschwundenen Tempelrittern sind heute lediglich einige ihrer Burgen erhalten. Und es gibt jede Menge Legenden. Manche Theoretiker sehen in der geheimnisvollen Rosslyn Chapel in Schottland ein Bindeglied zwischen dem alten Orden der Tempelritter und den Freimaurern. Vielleicht war William Sinclair, der die Kapelle rund hundertfünfzig Jahre nach dem Verschwinden der Ritterordens erbauen ließ, ein Nachfahre der in den Untergrund gegangenen Tempelritter. Viele Symbole deuten angeblich auf die Templer hin. Auch typische Freimaurersymbole soll es in Rosslyn geben. Allerdings wurde die kleine Kirche zu einer Zeit erbaut, als der Bund der Freimaurer offiziell noch gar nicht gegründet war.

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Infos zur Burg der Tempelritter „Gardeny“:

Adresse:
Turó de Gardeny, s/n
Lleida
Mail gardeny@paeria.es
Website: domustempli
Eintritt:  2,60 Euro

Es gibt viele Veranstaltungen extra für Kinder: www.turismedelleida.cat

Virtual Tour:  www.ibce360.com

Mein Besuch auf der Burg fand im Rahmen eines Blogtrips durch die Region Lleida statt.  

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