Manna – Kosmetik und süße Leckerei aus Sizilien

Heute erfahre ich endlich, was es mit dem Manna auf sich hat. Carmen hat auf Sizilien dieses merkwürdige Produkt entdeckt, das gleichzeitig Süßigkeit und Kosmetikartikel sein kann. (*)

Was bitte sehr ist denn Manna? Bisher kannte ich Manna nur als Himmelsbrot, also das Brot, das der Herr seinem Volk bei der Wanderung durch die Wüste vom Himmel fallen lässt. Aber das Manna hier auf Sizilien hat damit rein gar nichts zu tun.

Manna Esche Sizilien

In Pollina gibt es ein kleines Museum, nur für Manna. Da erfahre ich endlich, was das genau ist. Manna ist nämlich ein Produkt, das aus bestimmten Bäumen gewonnen wird, genauer gesagt vom Fressino, einem eher schmalen Baum mit ziemlich geradem Stamm. Auf Deutsch nennt man den Fressino, „Manna Esche“. Ritzt man die Rinde dieser sizilianischen Manna Esche ein, dann läuft sofort ein weißlicher Harz heraus. Genau das ist das geheimnisvolle Manna, das offenbar nur hier auf Sizilien gewonnen wird. Die Geschichte der Herstellung geht weit ins Mittelalter zurück, als Sizilien noch unter islamischer Herrschaft stand. Heute wird dieses süßliche Zeug nur noch in Pollina und Castelbueno kultiviert.

Manna Ernte sizilien

Manna Gewinnung sizilienManna Ernte mit Nylonfaden

Manna Ernte FrüherManna Ernte früher, direkt an der Rinde

Erntezeit ist normalerweise im Sommer, meist gegen Ende Juli, wenn der Boden trocken ist und die Blätter sich grüngelb verfärben. Dann werden die Stämme der Manna Esche mit einem Messer, dem Mannaruolo, eingeschnitten. Sofort beginnt der Saft zu laufen. Wenn die Flüssigkeit aus dem Baum fest zu werden beginnt, sammelt man sie ein. Das so gewonnene Manna muss natürlich noch von Verunreinigungen gesäubert werden. Um sich das Reinigen zu sparen, hat man sich neuerdings einen Trick einfallen lassen. Dort, wo der Schnitt in die Rinde gemacht wird, befestigt man einen kleinen Ablauf am Baum, von dem ein Nylonfaden herabhängt. Beginnt nun das Manna zu laufen, so rinnt der Saft direkt an dem Faden entlang, ohne die Baumrinde zu berühren, bis in einen Auffangbehälter. Die an dem Faden fest gewordenen Stücke, die man übrigens Cannoli nennt, werden alle drei Tage abgeerntet.

Werkzeug Manna Gewinnung

Angeblich ist das Manna total gesund. Es soll eine reinigende Wirkung auf das Verdauungssystem haben und ist gut bei Darmproblemen. Praktisch ein Abführmittel. Gegen Erkältung soll es auch helfen. Außerdem ist es noch ein natürlicher Süßstoff mit einem niedrigen Glukosegehalt, also super für Diabetiker geeignet. Und schließlich kann man auch noch Kosmetika daraus herstellen. Dieses Wunderzeug finde ich sehr interessant und muss es natürlich gleich probieren. Also koste ich einen Keks und schmiere mir Creme auf die Hände.

Am nächsten Tag fahren wir zum Instituto Agrario in Castelbuono, dort werden noch nach wie vor viele Manna Eschen angebaut. Alles was wir im Museum gestern gelernt haben, sehen wir heute nun in der Praxis. Ich wundere mich, warum das Manna nur hier, in den zwei kleinen Orten Pollina und Castelbuono, produziert wird. Angeblich liegt das zum einen an dem ganz speziellen Klima und zum anderen daran, dass die Nachfrage nach diesem natürlichen Produkt mit den Jahren immer weiter zurückgegangen ist. Die Leute kaufen heute lieber industriell gefertigte Produkte. Komisch, ich versuche immer möglichst frische und natürliche Sachen zu kaufen.

Ich jedenfalls bin total überzeugt. Da das Klima bei uns zu Hause in Barcelona ziemlich ähnlich ist, verkünde ich den anderen, dass ich das Manna bei uns jetzt auch einführen und mich als Manna Produzentin versuchen werde. Alle lachen, keiner glaubt mir. Wieso nur?

Museo della Manna Pollina
Piazza Maddalena, 1
Pollina PA
Italien

Disclaimer: Dieser Artikel basiert auf Carmens Eindrücken im Rahmen des Blogtrips durch die Region Distretto di Cefalù e dei Parchi delle Madonie e di Himera. Die hier dargestellte Meinung ist ausschließlich die der Autorin.
* Übersetzung von Nicole. Carmens Artikel kannst Du im Original auf Spanisch hier lesen: Descubriendo la Manna

 

4 Comments

  • Ich find’s interessant. Und warum nicht, Manna in Spanien anbauen ? Natürliche Produkte müssten viel mehr hervorgehoben werden – und auch verkauft werden. Aber da diese Produkte normalerweise teurer sind, als die im Supermarkt, haben sie es leider viel schwerer…

    • Schön, dass Du auch so denkst. Eigentlich sollte die Qualität doch entscheidend sein! 🙂 Vielleicht bessert sich das ja so langsam – ich hoffe es jedenfalls!

      LG
      Nicole

  • Interessant, das kannte ich bisher gar nicht. Ich hoffe, ich kann das mal probieren. Ich würd also sagen, dass du dich als Manna Produzentin versuchen solltest.

    • Haha – ich hatte auch noch nie davon gehört. Falls Carmen tatsächlich unter die Manna Bauern gehen sollte, sage ich Dir Bescheid! 🙂

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