Die Katalanen – alles Vorurteile?

Wie sind eigentlich die Katalanen wirklich? Was sind Vorurteile, was sind böse Gerüchte und was stimmt wirklich? Wie lebt es sich unter Katalanen? Und was fällt mir als Deutscher hier einfach auf …

Familie und Gemeinschaft

Einen nach wie vor sehr hohen Stellwert hat die Familie. Man ißt gemeinsam, zu festen Zeiten werden die Mahlzeiten serviert und selbst wenn die Kinder längst ausgezogen sind, kommen sie Sonntags zu Mama zum Essen. Auch Weihnachten oder Silvester feiert man mit einem Familienessen. Wobei sich so ein Treffen mit an die zwanzig Familienmitgliedern keine Seltenheit ist. Cousins und Cousinen kommen vielleicht später zum sobremesa, dem Gläschen Cognac nach dem Essen vorbei, denn das Ganze zieht sich meist von circa zwei Uhr bis mindestens achtzehn Uhr oder noch später hin.

Mit Freunden trifft man sich seltener zu Hause, sondern isst eher außerhalb. Aber auch hier lieben die Katalanen die Gemeinschaft, die Gruppe Gleichgesinnter. Meist trifft man sich auf Plätzen, in Restaurants oder Bars, selten zu Hause.

Höflich – Benimm Regeln

Was mir schwer gefallen ist zu lernen, dass man auf die Frage, nach wie geht es dir immer nur gut antwortet. Niemals würde ein Katalane schlecht antworten und seinen Kummer ausschütten. Sie jammern einfach nicht, sondern kämpfen sich durch. Ob es an der langen Zeit der Diktatur liegt, wo ganze Generationen gelernt haben, nicht zu sagen, was sie wirklich denken, ich weiß es nicht, aber vermute es stark. Es dauert lange, bis man zu jemandem nach Hause eingeladen wird. Die eigenen vier Wände sind privat, sehr privat und werden nur mit Menschen geteilt, denen man absolut vertraut.

Wenn ich irgendwo eingeladen zu Besuch bin oder nur etwas abhole,w erde ich gefragt, ob ich nicht noch eine Tasse Kaffee ein Glas Wein oder etwas trinken möchte. Selbst wenn ich deutlich ablehne, werde ich noch ein zweites und drittes Mal gefragt. Das gehört hier einfach zum guten Ton. beim ersten Mal darf man allerdings nicht ja sagen. Sondern man muss warten, dass es ein drittes mal angeboten wird. Bis ich das gelernt hatte, dauerte eine Weile. Anfangs war ich sehr unsicher, wenn bei uns jemand vor der Tür stand um sein Kind abzuholen. Ich fragte natürlich ob sie oder er etwas trinken wollen, aber wenn die Antwort nein war, hakte ich auch nicht weiter nach. Komisch kam es mir allerdings schon vor eine halbe Stunde oder länger im Hausflur zu stehen und sich zu unterhalten … Irgendwann haben sie aber mitgekriegt, dass ich eben sehr deutsch bin und mit klaren Ansagen besser zurechtkomme, auch wenn ihnen das sehr unhöflich erscheint.

Meinem Schwiegervater ist bei seinem ersten Besuch in Deutschland etwas ähnliches passiert. An die spanisch-katalanischen Höflichkeitsregeln gewöhnt, kam er nach einer langen Autofahrt müde und mit knurrendem Magen in Hamburg an. Die Familie saß beim Abendessen und natürlich fragte ihn, ob er nicht etwas essen wolle. Als er wohl erzogen zunächst mit nein antwortete, weil er ja auf das zweite Angebot warten musste, bevor er zugeben durfte, dass er hungrig war, wurde das Essen weggeräumt und mein Schwiegervater musste völlig perplex mit leeren Magen zu bett gehen.

Pünktlich – Zeit ist relativ

Katalanen sind relativ pünktlich. Sie kommen zu Verabredung fast exakt eine halbe Stunde zu spät, das gilt noch als pünktlich. Wer zur exakt verabredeten Uhrzeit oder gar zu früh an einer Haustür klingelt oder zu einem Treffen erscheint ist schlichtweg unhöflich. Pünktlich zu sein wird hier nicht als Tugend sondern oft eher als Makel interpretiert. Es wird mit hektischem, gierigen, nicht abwarten können assoziiert. Wer etwas auf sich hält, nimmt sich die Zeit, die er braucht und lässt die anderen warten. Man übereilt nichts und bleibt immer schön souverän.

Zu unserer ersten Abendessenseinlandung vor fast zwanzig Jahren stand ich fünf Minuten vor 21 Uhr vor der Tür einer Bekannten. Ich hatte die Zeit die ich für den Weg brauchen würde relativ gut eingeschätzt und ein kleines Polster eingerechnet, falls ich mich verfahren sollte. Stolz darauf es pünktlich geschafft zu haben, klingelte ich. In ein Handtuch gewickelt öffnete mir die Gastgeberin – oh ihr seid schon da? Sie kam gerade aus der Dusche und bat uns im Wohnzimmer platz zu nehmen. Ich fange gleich mit dem Kochen an, ich muss mich nur noch schnell zurecht machen.  Seitdem fahre ich immer erst zur verabredeten Zeit von zu Hause los – Nie früher und bin trotzdem immer noch die erste. Diese deutsche Tugend kriegt wohl keiner aus mir raus. Aus der Bekannten ist übrigens trotz meiner Pünktlichkeit später eine sehr gute Freundin geworden.

Man lässt machen – bloss nicht DIY 

Selbst ist der Mann oder die Frau – anderswo. Hier lässt man machen. Wohnungen streicht man nicht selbst, renovieren?  Um Gottes Willen! Es gibt Fachleute für alles. Sogar fürs Kuchen backen.

Seny und Rauxa

Seny bedeutet soviel wie gesunder Menschenverstand, Vernunft, eine Bodenständigkeit im Denken. Es bezeichnet den instinktiven und verläßlichen Sinn der Katalanen für die Ordnung in der Welt. Alles Neue wird zunächst einmal mißtrauisch beäugt. Der Katalane mit seny hurt nicht mit allem, was modern daherkommt einfach so herum. Pragmatismus gilt hier schon fast als eine religiöse Tugend.

Katalanen betrachten seny oft als eine Art nationalen Charakterzug. Er bezeichnet ihr stets gemäßigtes Auftreten, eine tugendhafte Vernunft. Statt intellektueller oder leidenschaftlicher Hingabe für etwas, besinnt sich der Katalane mit seny nüchtern denkend auf den praktischen Umgang mit den Dingen.

Rauxa ist das genaue Gegenteil von seny. Es ist eine unkontrollierte Emotion, die plötzlich aus dem Katalanen hervorbricht. Dazu gehören solche Dinge, wie sich sinnlos zu betrinken, zu San Juan große Feuer anzuzünden und laut mit Knallern herum böllern. Zur rauxa zählt auch die obszöne Art des katalanischen Humors. Mit obszön meine ich jedoch keinen Sex, sondern die Vorliebe für skatologische Ausdrücke. In katalanischen Witzen, Redensarten und sogar in den weihnachtlichen Bräuchen spielen Pippi, Kaka und Pups wichtige Hauptrollen.

Skatologisch – Der Hang zum Häuflein

Von den lustigen Weihnachtsbräuchen der Katalanen wie dem cagatiò oder dem caganer habe ich ja schon öfter hier berichtet. Natürlich gibt es auch ein Gebäck, passend zur Vorliebe für alles, was der Mensch so ausscheidet: Nonnenfürzchen, „pet de monja“ sind einfach leckere kleine Kekse. Dabei hatte der aus Italien stammende Bäcker, der sie einst erfand, etwas ganz anderes im Sinn, als er seine Kreation petto di monacca (Nonnenbrüstchen) taufte. In Barcelona wurde aus petto (ital. Brust) dann ganz schnell pet (katal. Furz) …

weihnachtsmarkt-spanien-caganer-schokolade

Der Hang zum Skatologischen kommt auch in vielen Redensarten im Alltag immer wieder durch.

ser cul i merda (wie Asch und Scheiße sein) unzentrennlich, gute Freunde
cagar-la  (etwas verscheißen) bedeutet totalen Mist bauen, durch eine Prüfung fallen zum Beispiel oder etwas sehr unpassendes zu sagen
em cago en … ( ich scheiße auf …)   Wird benutzt wie bei uns ein einfaches „Mist!“ oder „Scheiße!“
molta merda! (viel Scheiße!) das wünschen sich Künstler gegenseitig vor einem Auftritt
cagarse/ ser un cagat ( sich einscheißen) Angst haben, Feigling sein
ves a cagar  (geh scheißen!) – Lass mich bloss in Ruhe!
pixar fora del test (neben den Topf pinkeln) – etwas sagen, das man besser nicht sagen sollte, sich in Sachen einmischen, die einen nichts angehen
anar pet  (pupsend sein) sagt man, wenn jemand total besoffen ist

Geizig – oder großzügig?

Den Katalanen wird oft vorgeworfen, dass sie geizig seien. Meiner Erfahrung nach sind Katalanen sehr großzügig und teilen gern. Geht man gemeinsam essen wird die Rechnung in der Regel hinterher durch die Anteil der Teilnehmer geteilt, egal was der Einzelne bestellt hat. Gemeinsam isst man von den Tellern, die in die Mitte gestellt werden und jeder bedient sich.

Bloss die Kellner, so gut de Service auch gewesen sein mag, gehen hier meist leer aus. Da hört die Großzügigkeit dann auf. Trinkgeld gibt man sehr, sehr selten. Ob das ein Zug der Katalanen oder der Spanier im allgemeinen, ist kann ich gar nicht sagen.

Guter Service wird erwartet, ein schlechter wird ertragen. Ein Kellner kann mit einem Tip von maximal fünf Euro pro Tag rechnen, wenn es ein guter Tag ist. In besonders touristischen Lokalen mag das anders sein. Dort sind es jedoch die Urlauber, die das Trinkgeld da lassen– nicht die Einheimischen.

Vor ein paar Jahren habe ich eine Weile in einem Restaurant gekellnert. An einem Abend hattenwir eine größere Gruppe zu Gast. Alles lief prima: das Essen war lecker, die Stimmung toll, und auch beim Service hat alles reibungslos geklappt. Als ich dann die Rechnung präsentierte, bedankte sich jeder Einzelne der Gruppe überschwenglich für den wunderbaren, unvergeßlichen Abend. Bei einem Rechnungsbetrag von 155,80 Euro oder so ähnlich, sprangen dann zwanzig Cent Tip für uns alle dabei raus. Und das war nicht böse gemeint. Sie waren wirklich total zufrieden und hätten überhaupt nicht verstanden, wenn ich sauer oder enttäuscht reagiert hätte. In Deutschland hat eine Kollegin einen Tipp von zwanzig Cent mal mit den Worten zurückgegeben „Danke, aber offensichtlich brauchst Du das nötiger als ich.“

In einem stinknormalen Lokal erwartet eine einheimische Bedienung gar nichts. Jedenfalls nicht von ihren Landsleuten. Vielleicht sind die Kellner in Barcelona deshalb oft so schlecht gelaunt. Es mag daran liegen, dass sie einfach eine Scheißlaune haben oder eben vielleicht auch daran, dass sie teilweise zehn bis zwölf Stunden für ein winziges Gehalt schuften.

Als Deutscher ist man es gewohnt, Trinkgeld zu geben. Das typische „stimmt so“ zum Aufrunden funktioniert hier meist nicht. Kellner geben immer jeden Cent Wechselgeld raus. Ich habe schon an die tausend mal versucht, das mit dem Aufrunden beim Bezahlen zu erklären, aber mittlerweile habe ich es aufgeben. Es ist wesentlich einfacher, das Wechselgeld als kleines Dankeschön auf dem Tisch oder dem Tresen liegen zu lassen.

Geschäftstüchtig – fleißige Händler 

Anfangs haben mich Werbesologans wie Barcelona son els botiguers (Barcelona sind die Ladenbesitzer) oder Cardedeu es commerç (Cardedeu ist Handel) geschockt. Auch wenn das nette Anaphern sind, hörten sich diese Sprüche für mich anfangs schlicht und einfach nach einer Ferengi Mentalität an. Erst im Laufe der Zeit habe ich es dann verstanden: Diese Mottos meinen, und so leben es die Katalanen auch, dass man die kleinen Läden, die Einzelhändler unterstützen soll, statt in große Shoppingmalls am Rande der Stadt zu fahren.

Natürlich gibt es auch hier riesige Einkaufszentren und großflächige Supermärkte, aber zumindest ihre Lebensmittel kaufen die meisten Leute lieber beim Metzger ihres Vertrauens, beim Gemüseladen um die Ecke oder frisch auf dem Markt.

Was die Wochenendausflüge angeht, sieht das schon wieder ganz anders aus. Das ganze Jahr lang stehen Tausende von Autos geduldig stundenlang in der Schlange, um einen Parkplatz zu ergattern. Das Erstaunlichste ist jedoch, dass sie nicht am Strand oder vor einem Museum warten, sondern offenbar in den Shoppingzentren ihre Wochenenden verbringen. Die Blechkaravanne zum La Roca Village beginnt am Samstagmorgen schon an der Autobahnausfahrt. Geduld haben sie ja. Stoisch rollen sie Meter um Meter weiter, ohne sich darüber aufzuregen.

Genau genommen bezieht sich das Wort geschäftstüchtig ja nicht aufs kaufen, sondern auf die fleißige Aktivität des Geschäftemachens selbst. Wer irgendwo ein Geschäft machen kann, tut das auch. Geld verdienen ist eine Tugend und Geld selbst ist immer ein Thema. Jeder kennt sich mit den Immobilienpreisen und den aktuellen Hypothekenzinsen bestens aus. Für ihr Geld arbeiten die Katalanen hart und unermüdlich. Unbezahlte Überstunden sind die Regel. Und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben, dann erreichen sie das auch. Stur wie die Esel – im positivsten Sinne.

Stur – Stur wie ein Esel

katalanischer_Esel

Fast jeder Katalane mag Esel. Sie haben eine besondere Verbindung zu diesem niedlichen Grautier. Der Esel ist zu einem inoffizielles Symbol Kataloniens geworden.

Zum einen gibt es eine sehr alte Rasse des gemeinen Hausesels, den „Katalanischen Esel“. Um die Schnauze und die Augen herum ist sein Fell weiß, das restliche Fell ist eher braun-schwarz. Seine Ohren stehen immer frech in die Höhe und er ist im Vergleich zu anderen Eseln ein ziemlich schwergewichtiger Vertreter seiner Art. Ein echt süßes Tier, dessen Bestand leider bedrohlich zurückgeht.

Viele Jahrhunderte lang lebte der Großteil der katalanischen Bevölkerung auf dem Land. Auf kleinen Bauernhöfen pflanzte man an, was man zum Leben brauchte. Große Siedlungen oder Städte gab es im unabhängigen Fürstentum Katalonien nur wenige: Barcelona, Tarragona, Girona und Lleida. Nach dem Ende der katalanischen Vormachtstellung im Mittelmeerraum wurde das Zentrum der Macht noch weiter ins Inland verlagert. Die spanischen Könige hielten zunächst in Toledo, später dann in Madrid Hof.

Nach der traumatischen Eroberung Barcelonas 1714 konzentrierten sich die meisten Katalanen aufs Überleben. Sie bewirtschaften ihre Felder und Äcker in den abgelegenen Dörfern der Pyrenäen, weit weg von Madrid. Bei der Frage nach den Wurzeln der kulturellen Identität kommt der Landwirtschaft, und damit einhergehend auch dem Esel, daher eine wichtige Bedeutung zu.

Dank der Marketingidee eines berühmten Cognac-Herstellers in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich ein schwarzer Stier zum Symbol ganz Spaniens: Der Osborne Stier stand und steht noch heute, als riesige schwarze Silhouette am Rande der spanischen Autobahnen.
Ganz Spanien stimmt so natürlich nicht. Unermüdlich rissen Katalanen die Stiere auf ihrem Territorium nieder, bis Osborne einfach keine Neuen Schilder mehr in Katalonien aufstellte. Nur als Autoaufkleber kann man den schwarzen Bullen auch in Barcelona noch hin und wieder sehen.

Als Gegenentwurf, zumindest für den Stier als Autoaufkleber, präsentierten die Katalanen bald schon, wie konnte es anders sein, einen Esel. Seit ein paar Jahren erfreut sich also die Silhouette des braunen Grautiers großer Beliebtheit, auch als Andenken und auf bedruckten T-Shirts.

Viele Katalanen identifizieren sich einfach mit den typischen Eigenschaften der mittlerweile selten gewordenen Rasse des Katalanischen Esels. Sie gelten als störrisch, trotzig, ungehorsam, aber auch als stark, sehr belastbar und unbeugsam. Ein Esel kann lange Zeit ohne Wasser und Futter auskommen – länger als ein Pferd jedenfalls. Man kann einen Esel sowohl reiten als auch als Packtier nutzen, und das sogar in hohen Gebirgszügen, denn den Eseln wird nicht so schnell schwindelig wie den edlen, aber viel empfindlicheren Pferden.

Laut- Lautstärke ist relativ

„Wir sind doch nicht laut“ empörte sich bisher noch jeder Katalane, den ich auf diese Eigenheit angesprochen habe. Doch, sind sie! Der Lautstärkepegel bei normalen Gesprächen ist schon unglaublich, ganz zu schweigen von emotional aufgeladenen Diskussionen, wie etwas um die Unabhängigkeit. Da kommt man nur schreiend, wenn überhaupt zu Wort.

Aber die lauten Rufe auf dem Dorfplatz, in der Bahn oder wo auch immer, fallen ihnen einfach gar nicht auf. Genau deswegen nehmen sie die Lautstärke auch nicht als laut wahr, denn sie ist sozusagen der normale Standard.

An Weihnachten wurden bis vor wenigen Jahren noch Wochen vor und Wochen nach Heilig Abend Lautsprecher an den Hauswänden angebracht, aus denen von morgens bis abends lustige Weihnachtslieder klangen. Das hat man zum Glück mittlerweile abgeschafft. Aber jeder, der mal mit mehr als zwei Katalanen im Abteil der Bahn oder im Flugzeug gesessen hat, weiß sicher, was ich meine.

Ordentlich – Ordnung im Chaos

schlange stehen Freibeuter reisen

„Qui es l‘ últim?“ Diesen Satz musst Du Dir merken, wenn Du in Katalonien einen Laden betrittst. Sobald mehr als ein Kunde vor einem Schalter oder einer Theke steht, fragt man brav “Wer ist der Letzte? Damit reiht man sich quasi in die Schlange, die eben nicht als eine solche zu erkennen ist ein. Denn die Leute warten einfach irgendwo, nur nicht in einer Reihe stehend. Mit dem Aussprechen dieses Satzes gibt man sich selbst als neuer Letzter zu erkennen. Derjenige der einem auf die Frage antwortet ist nun nämlich der Vorletzte. So muss man sich nur dieses eine Gesicht merken, denn nach ihm oder ihr ist man selbst dran. Alle anderen interessieren einen nicht. Jeder merkt sich nur die jeweils vor ihm letzte Person.

Kompliziert wird es allerdings wenn jemand vorzeitig eine Schlange verläßt, sei es weil er nicht mehr warten will oder weil ihm etwas wichtiges dazwischen gekommen ist. Normalerweise gibt der Ausbrecher dem, der nach ihm kommt ein Zeichen, nach wem er dran gewesen wäre, damit sich der Nachrücker nun dieses Gesicht merken kann. Eigentlich ist das sehr praktisch, wenn man erst einmal verstanden hat, wie das System funktioniert.

Besonders ältere Leute sind beim Schlange stehen sehr streng. Auf Märkten habe ich schon öfter kleine Auseinandersetzungen erlebt, weil irgendjemand sich nicht klar und eindeutig an die Regeln gehalten halt. Wenn es ein Durcheinander gibt, dann aber auch richtig. Die Verkäufer halten sich dabei aber meist raus und fragen einfach nur „Qui li toca?“ Wer ist der Nächste? .

Elegant – wie wichtig ist gute Kleidung?

Katalanen sind wie alle anderen Spanier auch, grundsätzlich gut gekleidet. Sie legen sehr viel Wert auf gepflegtes Aussehen, gebügelte Kleidung und den wöchentlichen Friseurbesuch. Auch wenn die Jugend das etwas relaxter angeht und zur Zeit gerade eine Mischung aus Hippie-Style und Vokuhila bevorzugt, sind die Knie stets bedeckt. Auch die Jugendlichen würden nie in Badeklamotten durch die Stadt laufen.

Zur Arbeit trägt die katalanische Frau von Welt gern einen Hosenrock, ein Kostüm oder etwas ähnlich Formelles. Der Herr trägt über dem schlichten klassischen Oberhemd stets ein Jackett, selbst im Hochsommer. Abends im Restaurant darf es gern etwas Schickeres sein, als der streng geschäftliche Tagsüber-Look. Die Dame greift dann auch gern ins Farbtöpfchen, um ihre Schönheit noch zu unterstreichen.

Trainingshose und Schlabberklamotten gehen hier gar nicht. Besonders störend wird es von den Einheimischen empfunden, wenn Besucher in Badesachen mit freiem Oberkörper durch die Stadt marschieren oder gar so im Restaurant auftauchen.

immer gut gekleidet

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