Hostalric – die Burg auf dem Vulkan

Weithin sichtbar thront die alte Burg von Hostalric auf einem Hügel in der Landschaft. Wie eine Krone überragt sie die Dächer der Häuser und die Wipfel der Bäume. Für einen Wintertag ist es jetzt im Januar erstaunlich warm. Zwanzig Grad im Sonnenschein zeigt das Thermometer an der Außenwand der kleinen Bar. Das scheinbar einzige Lokal auf dem zentralen Dorfplatz hat Tische und Stühle nach draußen gestellt. Auf der Terrasse kann ich die grüne Landschaft bestaunen, die sich zu meinen Füßen dahinzieht.

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Als die Römer vor rund zweitausend Jahren auf der Via Augusta von Rom nach Tarraco zogen, kamen sie genau hier entlang. Auch nachdem das römische Reich längst untergegangen war, blieb die alte Römerstraße eine wichtige Nord-Süd-Achse, die die Iberische Halbinsel mit dem Rest Europas verband. Im elften Jahrhundert soll ein „Hostal“ am Wegesrand den Reisenden Unterschlupf für die Nacht und warme Mahlzeiten gewährt haben. So leiten sich die Einwohner Hostalrics jedenfalls den Namen ihres Dorfes ab: Hostal bedeutet nämlich Herberge und ric heißt reich, üppig. Ich lasse die Gassen des Dorfes hinter mir und nähere mich der noch immer imposanten Burg.

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Das Castell d’Hostalric

Vermutlich im zwölften Jahrhundert errichtete man die erste Burg auf dem grünen Hügel am Flussufer des Tordera. Geschickt nutzen die Erbauer der Festung die steil abfallenden Hänge und die basaltischen Steine des zwei Millionen Jahre alten Vulkans. Im Laufe der Jahrhunderte erweiterten die nachfolgenden Burgherren mehrmals die Anlage. Sie legten einen schwer erzwingbaren Befestigungsring mit einer dicken Mauer, acht Wehrtürmen und einem richtigen Burggraben an. Entlang der einstigen Lavaströme erstrecken sich auf der Anhöhe bis heute die Häuser des mittelalterlichen Dorfes Hostalric. Einige der alten Wehrtürme kann man noch besteigen und Hostalric von oben betrachten. Der Ausblick reicht weit in die Landschaft über die Felder und Wälder des Montseny und des Montnegre.

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Viele der heute noch sichtbaren Überreste der Burg stammen aus der Zeit des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714) und wurden auf Befehl König Felipes V errichtet. Eine bedeutende Rolle kam der Burg auch in den Napoleonischen Kriegen (die auf Spanisch übrigens Unabhängigkeitskriege und auf Katalanisch Franzosenkriege genannt werden) zwischen 1808–1814 zu. Hostalric lag schon früher strategisch günstig, nämlich genau zwischen Girona und Barcelona. Während der Belagerung Gironas sorgte man von Hostalric aus für die Versorgung der Stadt und hielt Girona auch militärisch den Rücken frei. Doch 1810 war der Durchmarsch der gegnerischen Truppen nicht mehr zu verhindern. Nach mehreren Monaten des Widerstandes eroberte das Heer Napoleons schließlich die Burg in Hostalric. Bis zum Ende des Krieges stand die Gegend ein paar Jahre lang als französisches Departement unter französischer Verwaltung.

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Nach dem Spanischen Bürgerkrieg diente das einst so mächtige Gemäuer eine Weile als Kaserne, danach befand sich ein Restaurant für Ausflügler hier oben. Doch auch das gibt es nicht mehr. Heute treffe ich nur ein paar Spaziergänger, die die Aussicht auf die Landschaft genießen.

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Durch eines der alten Burgportale schlendere ich langsam zurück ins Dorf. Auf einem kleinen Platz erinnert ein Denkmal mit drei Figuren an die Gegants, die Riesen aus Pappmaché, die hier auf jeder Festa Major tanzen. In Hostalric werden Ramon Berenguer II und seine Frau als traditionelle Riesen gefeiert und verehrt. Cap d’Estopes, Flachskopf, wie der blonde Graf von Barcelona genannt wurde, fand nämlich der Legende nach in den Wäldern bei Hostalric ein dramatisches Ende. Man vermutete, dass der jähzornige Zwillingsbruder den Grafen ermordet habe. Mit seinem treuen Falken ruht Ramon Berenguer II übrigens in der Kathedrale von Girona.

Domus Sent Soví

Direkt hinter der Torre dels Frares, dem äußersten Turm der Befestigung des kleinen Dorfes, liegt das gastronomischen Informationszentrum Domus Sent Soví. Der Name erinnert an das erste katalanische Kochbuch, eine Rezeptsammlung mittelalterlicher Gerichte des vierzehnten Jahrhunderts, das Du hier neben Honig, Ratafia, Marmelade, Bier und anderen Produkten aus der Gegend kaufen und zu Hause probieren kannst.

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Eine kleine Ausstellung und ein kurzer Film erklären auf unterhaltsame Art die Geschichte der Esskultur Kataloniens. Praktisch wird es dann in der großen Küche in der oberen Etage. Dort finden regelmäßig Kochkurse statt. Das Angebot reicht von mittelalterlichen Menüs mit Gerichten, wie sie im Sent Soví beschrieben werden, über traditionelle Reispfannen bis zu Pa amb Tomaquet-Kursen für die internationalen Besucher. Heute findet auch ein Kochkurs statt, in dem ich mitmachen darf. Alf Mofa erklärt, wie gesunde Ernährung im Winter mit regionalen Produkten der Jahreszeit funktioniert.

hostalric alf mota kochkurs Infos zu den Kochkursen von Alf  Mota gibt es auf instagram @alfmota

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Gemeinsam mit elf anderen Teilnehmern schnipple und rühre ich nach seinen Anweisungen. Alf gibt nicht nur in Hostalric, sondern in ganz Spanien Kochkurse zum Thema gesunde Ernährung. Die meisten seiner Rezepte sind vegan, glutenfrei und kommen ohne Zucker und mit wenig Salz aus. Denn gerade jetzt im Winter soll das Essen ja Energie liefern und nicht unseren Körper unnötig belasten. Alf vertritt eine sehr interessante Philosophie und erklärt uns wie einfach und wie wichtig gesundes Essen ist. Sehr spannend! Die Zeit vergeht wie im Fluge und bald schon duftet es köstlich: Die ersten Teller mit leckeren Gerichten stehen zum Probieren bereit.

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Infos zu Hostalric

Castell d’Hostalric

Eintritt Castell d‘ Hostalric: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro

Eintritt mit Führung: 5 Euro

Die Führungen finden an den Wochenenden statt und werden auf Anfrage auch in deutscher Sprache angeboten. Ohne Guide kann man samstags und sonntags zwischen 11 – 13.30 Uhr auch allein auf dem Burggelände auf Entdeckungstour gehen. Wenn Du das volle Programm willst, kannst Du auch morgens die Burg besichtigen und anschließend einen mittelalterlichen Kochkurs belegen!

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Domus Sent Soví
Edifici Can Llensa
C/Raval 45
17450 Hostalric, Girona

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Das Gebäude liegt direkt hinter der Torre dels Frares. Dort gibt es auch jede Menge Parkplätze. Nicht dem GPS, sondern besser der Beschilderung im Dorf folgen. Das GPS führt Dich einem weiten Umweg über die Felder zum Domus.

Ursprünglich errichtet wurde Can Llensa als Korkfabrik. Später beherbergte das  Gebäude eine Schule, ein Altenheim und eine Bibliothek. Seit 2010 befindet sich das Domus Sent Soví in den Räumen der ehemaligen Korkfabrik.

Website: domussentsovi.cat
Infos auf Englisch findest Du hier www.turismehostalric.cat

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hostalric torre dels frares Torre dels Frares

Zu Füßen der Burg gibt es noch eine Höhle, die Cova del Relliguer. Vielleicht war sie ein Versteck, vielleicht diente sie als Lager. Es gibt wohl auch Vermutungen, nach denen im vierzehnten Jahrhundert eine Gruppe jüdischer Familien hier Unterschlupf fand, als es zu Schwierigkeiten mit der christlichen Gemeinde kam. Doch so ganz genau weiß man heute nicht mehr, wann und zu welchem Zweck die Höhle einst angelegt wurde. Die gesamte Anlage scheint wie ein Maulwurfshügel von Tunneln durchzogen zu sein. Auch nahe der Porta de Barcelona führt ein unterirdischer Gang ins Innere der Burg.

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Zu Kochkurs und Stadtrundgang wurde ich von der Oficina de Turisme Hostalric eingeladen. 

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