Pintxos essen in Bilbao

In Bilbao isst man Pintxos und trinkt Txakoli. Pintxos sind kleine Brotscheiben, auf die verschiedene Dinge kunstvoll aufgetürmt werden. Zum Beispiel Meeresfrüchte, Fisch, Wurst, Salate, Ei, was auch immer. Sobald man eine Bar betritt, kann man auf dem Tresen schon die hübsch aufgereihten Pintxos bewundern. Appetitlich stehen sie da, sauber nebeneinander, und warten nur darauf von Dir gegessen zu werden.

Der Name Pintxo (gesprochen „pintscho“) kommt anscheinend daher, dass diese Aufbauten ursprünglich mit einem Zahnstocher zusammengehalten wurden und sozusagen „aufgespießt“ (auf Spanisch pinchar) wurden. Da ein Pintxo allein nicht satt macht, isst man immer gleich mehrere. Um beim Bezahlen zu wissen, wie viele Häppchen man hatte, zählen die Kellner einfach die Zahnstocher auf dem Teller. Schwieriger ist das allerdings, wenn es in einer Bar viele Pintxos ohne Zahnstocher gibt.

pintxos bar Bilbao

Patrizia, eine sehr liebe baskische Food-Bloggerin, kennt sich in Bilbao bestens aus und begleitet mich heute durch die Stadt. Während unseres kleinen Stadtbummels zeigt sie mir die leckersten Pintxo-Bars, ein Mix aus Kultur und Kulinarischem, ganz mein Ding.

boinas baskenmütze laden im Casco viejo Bilbao

Alhónidga Bilbao

Zuerst besuchen wir ein Kulturzentrum, das Alhónidga Bilbao. Draußen entdecke ich sofort ein riesiges Plakat, das eine Ausstellung über Orson Wells ankündigt. Da mir sein Film „land of the basque“ sowieso seit drei Tagen im Kopf herumspukt, will ich die natürlich unbedingt sehen. Leider ist aber heute Montag und da sind die Ausstellungen in Bilbao geschlossen, wie mir Patrizia selbst ein wenig enttäuscht, mitteilt, nachdem sie mit den netten Leuten im Kulturzentrum gesprochen hat. Aber in der Eingangshalle kann ich dafür Hunderte bunter, von verschiedenen Künstlern gestaltete Säulen bewundern. Genau genommen sind es eigentlich nur 43 Säulen, aber jede ist einzigartig. Auf einem Zettel, den Patrizia mir netterweise besorgt hat, erfahre ich mehr über die Geschichte dieses altehrwürdigen Gebäudes und der modernen Säulen. Philippe Starck, der Designer, Architekt und Künstler, hatte hier nämlich seine Finger mit im Spiel.

Ein Zitat gefällt mir besonders gut: Behind colums people hide, they fall in love, they kiss. Behind colums people spy, they kill, …  Jetzt wird mir so Einiges klar. Auf einmal fühle ich mich fast wie in einem Film. Seit Urzeiten haben Menschen gebaut, überall auf der Welt haben sie Säulen errichtet, aus verschiedenen Materialien, mit verschiedenen Mustern. Jede Epoche, jede Kultur hatte ihren eigenen Stil. Immer haben Säulen neben der Funktion des Tragens auch dieses andere, geheimnisvolle, versteckte Element, egal ob es sich um spionieren oder verbotene Küsse handelt, etwas in der Öffentlichkeit zu tun, ohne dabei gesehen zu werden, Schutz bieten vor Entdeckung.

Alhónidga Bilbao Säulen Starck

Besonders auffällig ist eine knallbunte Säule, Nummer 38 Chinese, auf der sich ein Hühnerschenkel um die Säule zu wickeln scheint. Nummer 24 Baroque ist perlweißer Tuffstein aus Lecce (Pietra Leccese) mit Weinreben. Nummer 22 Renaissance ist aus Marmor mit Blümchen. Die Nummer 10 hat wieder weiße Weintrauben und Reben, aber auf blauem Hintergrund und das Material ist Terrakotta. Ich finde das Ganze gerade sehr spannend und versuche zu raten, bevor ich auf meinem Zettel nachlese, welchen Stil eine Säule darstellen soll. Gar nicht so einfach.

schwimmbad Alhónidga Bilbao

Dann will Patrizia mir den Schatz des Hauses zeigen. Wir stehen ungefähr in der Mitte des Gebäudes und sie zeigt nach oben. Ich sehe ein paar Füße von unten. Die bewegen sich auch noch! Und dann schwimmt jemand über mir vorbei. Moment. „Da oben ist ein Schwimmbad mit Glasboden“ klärt Patrizia mich schnell auf. Ich muss lachen. Es sieht einfach zu witzig aus, wie jemand zwanzig Meter über deinem Kopf durchs Wasser krault oder da einfach steht. Ich beobachte die Schwimmer von unten, praktisch aus der Fischperspektive. Eine sehr originelle Idee. Hauptsache, das Glasdingsda hält.

Vier Pintxos und ein Keks

In der ersten Bar El Globo essen wir einen Pintxo mit gratinierten Fisch und ich probiere dazu ein echtes Bilbao-Bier La Salve. In ganz Spanien sind kleine Brauereien gerade groß im Kommen. La Salve ist eigentlich eine uralte Brauerei, die irgendwann im Laufe der Zeit dicht gemacht hatte. Zum Glück wurde die Marke aber wieder neu belebt, denn das Bier schmeckt köstlich. Ich habe schon einige dieser Mikrobrauereien probiert und mag einige davon fast lieber als die „normalen“ Biere. Sicher kommt es natürlich darauf an, was da jeweils alles in der Rezeptur drin ist, jedes Craft Beer hat seinen ganz eigenen Geschmack. Eben nicht so von der Stange, wie die Biere der multinationalen Konzerne. Der Fisch-Pintxo schmeckt übrigens auch klasse.

pintxo bilbao bier la salve

Wir laufen einmal quer durch die Stadt, Bilbao ist ja nicht so groß, Richtung Casco viejo. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Konditorei New York vorbei, eine der ältesten Pastelerias der Stadt und noch richtig schön altmodisch-elegant eingerichtet. Hier muss ich ein kleines Baiserhäubchen kosten. Patrizia erzählt mir auch die Geschichte dazu. Die Dinger heißen Santa Catalina, weil der Bäcker, der sie erfunden hat, eine kleine Tochter namens Catalina hatte, die italienische Baisers so gern mochte. Da diese Art Baisers sehr weich ist, konnte sie die aber nicht einfach in der Hand essen. Also hat der kluge Papi seine Baisers auf einen kleinen Keks gespritzt und noch etwas Schokolade drüber geträufelt. Die Tochter war happy, der Name der Nascherei stand fest und ich bin auch happy. Die Santa Catalina ist sehr, sehr süß aber auch sehr lecker. Zum Glück ist dieses Keksgebäck so klein, dass man es als kleine Nascherei zwischendurch mampfen kann.

catalina New York Bilbao
New york Pasteleria in bilbao
Pasteleria New York Bilbao

Auf der anderen Seite des Nervión angekommen, wollen wir unseren zweiten Pintxo essen. Im „Kokken“, einer modernen, skandinavisch aussehenden Bar, wollte ich eigentlich die Calamares probieren. Patrizia meint, die seien hier besonders gut. Genau diese Pintxos sind heute leider aus. Schade. Aber die Vireiera ist auch lecker.

Pintxo delikatessen in Bilbao vireira

kokken bilbao

Dann sind wir im Casco Viejo. Das Altstadtviertel ist im Vergleich zu dem von Girona oder Barcelona ziemlich klein. Sieben Straßen, aber die sind ganz schön verwinkelt. In der Calle del perro gibt es einen alten Brunnen, aus dem man das Wasser noch heute trinken kann. Angeblich haben die Einwohner damals die Figuren, die eigentlich Löwenköpfe darstellen sollten, für Hunde gehalten. Löwen gab es wohl in Bilbao nicht so viele. Vielleicht haben sie sich auch einfach nur lustig gemacht, auf jeden Fall ist die Straße nach diesem Brunnen benannt worden.

In der Calle Perro führt Patrizia mich dann zu einer Bar, die fast wie ein englisches Pub aussieht, das Xukela. Innen hängen jede Menge alte Schilder und Fotos an den Wänden. Auf dem Tresen stehen natürlich wieder Pintxos. Hier haben sie eine besondere Spezialität: Pintxo mit Hahnenkamm. Arrg, ich weiß nicht so recht, ob ich das probieren will, und bestelle mir lieber ein anderes Häppchen. Aber dann bin ich doch zu neugierig: Patrizia hat sich so einen Hühnerkamm-Pintxo geben lassen und ich darf probieren. Überraschenderweise schmeckt das gar nicht so schlecht. Sehr zart und irgendwie leicht süßlich. Aber jeden Tag müsste ich das nicht haben.

bilbao best pintxo bar

Pintxo Bilbao Hahnenkamm

pintxo und Txakoli bilbao

Die Basken trinken zu den Pintxos ein kühles Bier oder den berühmten Txakoli. Txakoli ist ein typisch baskischer Weißwein, der entfernt an Federweißen erinnert. Es ist ein junger, trockener und leicht trüber Wein. Weil man ihn frisch trinkt, ist er besonders im Sommer sehr lecker. Als wir ich-weiß-nicht-wie-viele Pintxos probiert haben, ist es langsam Zeit für mich, zum Flughafen zu fahren. Mit vollem Bauch und um einige Geschichten reicher, muss ich mich von Patrizia verabschieden.

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Txakoli – Bodegas Virgen de Lorea

Das mit dem Txakoli muss ich auch noch kurz erzählen: Vor ein paar Tagen haben wir nämlich in einem kleines Dorf in der Bizkaia ein Txakoli-Weingut besucht. Als wir vor dem schönen, alten Hauptgebäude ankommen, erstrecken sich die Weinreben auf den Feldern, so weit das Auge reicht. Ich mag Weinreben. Sie sehen schön grün aus. Der Besitzer führt uns ein wenig herum und erklärt, welche Trauben hier angebaut werden, nämlich Hondarribi Zuri und Folle-Blanc, weiße Trauben, denn es soll ja Txakoli produziert werden und der ist nun mal weiß.

weinreben Txakoli

Am Rande der vielen Reben stehen Rosenbüsche. Die sind aber nicht zur Dekoration, wie ich erst dachte, sondern sie sind wichtig, weil sie die Weintrauben vor bestimmten Krankheiten schützen. Diese Weinkrankheiten, ausgelöst durch Weinfliegen oder Mehltau, befallen nämlich immer zuerst die Rosenstöcke. Daher müssen die Arbeiter die Rosenbüsche ganz genau kontrollieren und im Auge behalten. Sobald an einem Rosenstock so eine Fliege entdeckt wird, haben sie auf dem Weingut noch acht Tage Zeit, um die Weinreben zu schützen. Die Rosen sind also ein natürliches Frühwarnsystem. Schlau!

Dann geht es ab in den Weinkeller. Bei 30 Grad Hitze draussen, ist das eine prima Idee. Alle Trauben werden von Hand geerntet und dann in einem Kübel gesammelt. Anschließend werden sie gepresst und gekeltert. Zur Fermentierung und damit sich die natürliche Trübung absetzen kann, wird der Most in großen Tanks ein Jahr gelagert, bevor er dann als Txakoli in Flaschen abgefüllt werden kann.

Bodegas Virgen de Lorea Txakoli

„In der Trübung stecken eigentlich die ganzen Vitamine.“ erklärt uns der Besitzer der bodega, der uns höchstpersönlich herum führt. „Daher haben die baskischen Seeleute, die früher den ungefilterten Txakoli getrunken haben, auch nicht unter Skorbut gelitten.“ Heute wird viel von der Trübung ausgefiltert, einfach weil der klare Wein hübscher aussieht. Zum Schluss dürfen wir dann endlich auch probieren, ein Schlückchen Txakoli direkt aus dem Fass, fertig zum Abfüllen. Im Gegensatz zu Rotwein ist dieser weiße Wein total erfrischend. Ab jetzt trinke ich im Sommer nur noch Weißwein – Prost!

Weinprobe Txakoli

Nützliche Informationen zu Pinxos und Txakoli:

Bodegas Virgen de Lorea
Barrio de Lorea
48060 Otxaran Zalla
Bizkaia
Website:  www.bodegasvirgendelorea.com

Best Pintxos in Bilbao:

El Globo
Diputación, 8
48008 Bilbao
Website: www.barelglobo.com

Kokken
Calle de Quintana, 3
48007 Bilbao

Xukela
Calle del Perro 2
(Txakur Kalea)
48005 Bilbao
Website www.xukela.com

pintxo bilbao

pintxo essen in bilbao

pintxo mit bohnen

und die süßen Leckereien gibt es hier:

PASTELERÍA NEW YORK
Buenos Aires, 15
48001 Bilbao

art decke in der Altstadt bilbao

bar bilbao

bar restaurant bilbao

Hinweis: Dieser Artikel ist im Rahmen des Blogtrips #visitbizkaia entstanden. Ganz besonderen Dank an Patrizia, die mir ihre geheimen Lieblingsbars gezeigt hat! 

4 Comments

  • Ich muss nochmal zurück für Pintxos unter dem Schwimmbad, das ist voll cool!
    Aber wenn wir mal vom Essen weg gehen. Hast du auch die Schwebefähre besucht? Ich wusste gar nicht, dass sowas existiert, bevor ich es mit eigenen Augen gesehen habe.
    Hier ist der Link für die, die’s interessiert. 🙂
    http://www. sorglosreisen.com/europa/spanien/bilbao-sehenswuerdigkeiten/
    Beste Grüsse, Charles

    • Hallo Charles, ja die puente colgante kenne ich auch. Mit der bin ich immer zwischen Las Arenas und Portugalete gependelt, als ich dort ein paar Monate Au-Pair gemacht habe 🙂 Die ist echt schön!

    • Ich war vor einigen Jahren auch schon mal da, zur Semana Grande. Ich find es einfach echt nett dort :-).

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