Zwölf historische Dörfer – die Geschichten der aldeias históricas

Bereits in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts litten viele Regionen Portugals unter Landflucht. Immer mehr Menschen gingen von einsam gelegenen Dörfern in den Bergen, von dünn besiedelten Landstrichen im Landesinneren, in die Städte. Viele Portugiesen zogen gar ins Ausland. In den neunziger Jahren begann die Regierung Projekte ins Leben zu rufen, die neue Anreize schaffen und die historischen Dörfer, die aldeias históricas, wiederbeleben sollten. Man erhoffte sich, auch Mithilfe des Tourismus, neue Arbeitsplätze in den abgelegenen Regionen zu schaffen und die Abwanderung einzudämmen.

Vor diesem Hintergrund entstand das Projekt der aldeias históricas. Insgesamt zwölf Dörfer wurden in Beira Alta und Beira Baixa ausgewählt. Jedes dieser Dörfer hat seine ganz eigene, besondere Geschichte.

Almeida

Nur fünf Kilometer von der spanischen Grenze entfernt liegt das kleine Dorf Almeida. Die dicken Mauern und die sternförmig errichteten Bastionen machen Almeida zu einer scheinbar unbezwingbaren Befestigungsanlage. Die einst mächtige Burg gibt es allerdings nicht mehr. Längst wurden ihre Steine von den Bewohnern Almeidas anderweitig genutzt.

almeida aldeias historicas

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Wir kommen zu einer Reitschule, die den edlen Namen Picadeiro del Rey, königliche Reithalle, trägt. Senhor Pereira hat schon die Pferde vor die Kutsche gespannt und erwartet uns in seiner schicken Uniform.

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In beschaulichem Trab kutschieren wir durch ein altes Stadttor hinaus und fahren außerhalb der Mauern um Almeida herum. Die militärische Geschichte des kleinen Ortes scheint allgegenwärtig. Auf dem Kopfsteinpflaster hallen die Schritte der Pferde. Doch sobald wir die weiten Rasenflächen der Bastionen erreichen, hört man die Hufe nicht mehr. Die Tiere genießen für einen kurzen Moment die freie Bahn und dürfen etwas schneller laufen. Doch schon haben wir die Kasematten erreicht. Langsam traben die Pferde durch ein anderes Stadttor zurück zum Picadeiro del Rey.

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Castelo Novo

Das Erste, was ich am Straßenrand auf dem Weg nach Castelo Novo sehe, ist ein wunderschöner, weiß blühender Kirschbaum. Im Juni soll es sogar ein Kirschfest geben, dann dreht sich hier alles um die kleinen roten Früchtchen. Doch noch ist es nicht so weit. Erst müssen sich die weißen Blüten noch in rote Kirschen verwandeln.

castelo novo aldeias históricas

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Als die Straße auf einem kleinen Platz endet, wartet dort bereits Bruno. Freudestrahlend und unternehmungslustig beginnt unser Guide auch gleich uns in die Geschichte des Dorfes einzuweihen. Bruno berichtet von den all den Quellen, aus denen köstlich frisches Bergwasser sprudelt, zeigt uns das Haus, in dem der portugiesischen Dichter Saramago hier eine Weile lebte und führt uns auf die in den Felsen gehauene Templerburg, von der aus man das ganze Tal überblicken kann.

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Doch in Castelo Novo versteckt sich noch etwas ganz anderes. Nachdem die Autorin Rosário Alçada Araújo in den “Historias Criativas” Schulkinder die Geschichten ihrer Dörfer nacherzählen liess, kam der Künstlerin Ana Almeida noch eine Idee. Sie verband diese Mythen und Legenden mit der Wolle der Schafe der Serra da Estrela und erfand zwölf handgefertigte Puppen, von denen jede für eines der zwölf historischen Dörfer steht. Jede der Figuren stammt aus einer Geschichte, die mit dem jeweiligen Dorf verknüpft ist. Castelo Novo zum Beispiel wird von der guten Hexe repräsentiert, die das Dorf einst von einer Plage Grashüpfer befreite.

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Monsanto

Hartes Granitgestein dominiert den kleinen Ort ganz oben auf dem Berg. Monsanto besteht aus steil ansteigenden Straßen und engen Gassen. Der Blick von hier reicht weit über das Tal. Kein Wunder, dass sich an dieser Stelle Römer, Visigothen und Mauren niederließen.

monsanto portugal aldeias historicas

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Auf einem schmalen Pfad, der zwischen mächtigen Felsbrocken hindurch führt, steigen wir immer weiter bergauf. Längst haben wir das eigentliche Dorf hinter uns gelassen. Nach ungefähr fünfzehn Minuten erreichen wir schließlich die Überreste einer Burg.

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Diese Festung sollen die Tempelritter im zwölften Jahrhundert errichtet haben. Ein Glöckchen klingelt. Suchend sehe ich mich um und entdecke ein Ziege, ganz oben auf einer Mauer stehend. Schon ist sie wieder verschwunden. Doch in einem Torbogen nicht weit von mir steht noch eine Ziege. Offenbar ist sie trächtig, denn ihr Bauch ist ziemlich dick. In diesem Zustand hat sie wohl keine Lust mehr in den Ruinen herumzuklettern. So kurz vor der Niederkunft knabbert sie lieber an den ebenerdigen Sträuchern. Der fast zahnlose Ziegenhirte hat es sich im Schatten gemütlich gemacht und lächelt uns freundlich zu.

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Bergab geht es nun schneller als bergauf. Bald sind wir wieder im Dorf angelangt. Doch leider ist das Restaurant, das wir eigentlich besuchen wollten, heute geschlossen. So ein Pech. Dafür treffe ich eine nette ältere Dame, die in einem Hauseingang sitzt und näht. Ihr Name ist Maria Helena. Sie ist total nett und erklärt mir gut gelaunt, was es mit den kleinen Puppen auf sich hat, die sie anfertigt. Die Marafonas sind Symbole der Fruchtbarkeit. Jedes Jahr am 3. Mai findet ein Fest der Kreuze statt, bei dem die jungen Mädchen des Dorfes diese Puppen während des Tanzes tragen. Unter der bunten Tracht besteht die Puppe nämlich aus einem kleinen Holzkreuz.

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Infos zu den Aldeias Históricas

Zu den aldeias históricas zählen Almeida, Belmonte, Castelo Mendo, Castelo Novo, Castelo Rodrigo, Idanha-a-Velha, Linhares da Beira, Marialva, Monsanto, Piódâo, Trancoso und Sortelha. Alle zwölf habe ich bislang noch nicht kennengelernt, aber über die folgenden drei aldeias históricas kannst Du mehr in einem eigenen Artikel lesen:

Castelo Rodrigo

Wenn Monsieur Andrés Mandelbäume blühen, kannst Du vor den Toren von Castelo Rodrigo durch ein weißes Paradies wandeln. Der hübsche kleine Ort mit der alten Burg ist längst ein beliebtes Ausflugsziel geworden.

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Castelo Rodrigo aldeias históricas Mandelblüte
Sortelha

Sortelha ist sicher das mittelalterlichste unter all denhistorischenDörfern. Hier ist wirklich die Zeit stehen geblieben.

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Idanha-a-Velha

In Idanha-a-Velha klappern die Störche von den Dächern. In dem freundlichen kleinen Ort soll einst der sagenumwobene König Wamba gelebt haben. Das erzählen sich zumindest die Einwohner. So viel Natur und Geschichte auf einmal. Idanha-a-Velha ist mein absoluter Liebling unter den aldeias históricas 🙂 .

römische Brücke Idanha-a-Velha aldeias históricas
Störche Idanha-a-Velha aldeias históricas

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