Das Gold der Wüste – Oro del Desierto

Kurz vor der Wüste Tabernas liegt am Straßenrand ein goldgelbes Gebäude. Hier wird Olivenöl produziert und verkauft. Das besondere am Oro del Desierto, dem Gold aus der Wüste, ist, dass es komplett ökologisch angebaut wird und mega gut schmecken soll. Da ich nach fast zwanzig Jahren hier in Spanien schon viele Olivenöle in meiner Küche probiert habe, bin ich sehr gespannt auf das Oro del Desierto.

 oro del desierto olivenoel
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In dem kleinen Laden entdecke ich hinter den zahlreichen Flaschen und Kanistern, in denen das Olivenöl verkauft wird, eine alte Olivenpresse. Wie in einem kleinen Museum hat die Familie hier die alten Utensilien aufbewahrt. Als ich jemanden fragen will, wie lange hier denn schon Olivenöl hergestellt wird, zeigt die Verkäuferin auf einen älteren Herrn, der gerade um die Ecke kommt. Ich spreche ihn an. Es ist Rafael, der Chef höchstpersönlich, der zufällig gerade vorbeikommt. Er ist supernett und beantwortet gut gelaunt alle meine Fragen.

 oro del desierto olivenoel

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So erfahre ich also bald, dass seine Familie schon in der siebten Generation Olivenöl produziert. Sein Sohn ist sogar schon die achte Generation. Mit der alten Presse, die da vor uns steht, hat Rafael selbst noch viele Jahre gearbeitet. Doch mittlerweile gibt es hier längst eine hochmoderne Anlage. Ob ich sie sehen will, fragt er mich. Na aber klar! Und schon sind wir auf dem Weg in die Produktionshalle.

Glitzernde Tanks reichen bis unter die Decke. Alles ist mit modernster Technik ausgestattet. Das Bewässerungssystem ist computergesteuert. So verschwenden wir keinen einzigen unnötigen Tropfen, sondern gießen nur genauso viel, wie gerade nötig ist, erklärt mir Rafael. Temperatur- und Windmesser in den Plantagen geben die Informationen an den Computer weiter, der dann berechnet, wie viel Wasser die Bäume brauchen.

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Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage, mit der Energie gewonnen wird. Eine andere Maschine ist dazu da, aus den Olivenkernen, den Abfallprodukten der Olivenölherstellung, Heizmaterial zu pressen. So ist die gesamte Anlage ein geschlossener Kreislauf. „Hier kommt nichts weg“, versichert mir Rafael stolz.

Rafael baut seine Oliven nicht nur rein ökologisch an, er legt in allen Aspekten der Herstellung sehr viel wert auf Nachhaltigkeit. Schließlich sollen seine Enkel und Urenkel ja auch noch von den Olivenbäumen leben können. Auch die Ernte der Oliven erfolgt nur zum Teil mit Maschinen. Ein großer Teil der Ernte wird nach wie vor von Hand gepflückt. Das ist zwar wesentlich teurer und aufwendiger, aber so kann er eine hohe Qualität seines Öls garantieren und Arbeitsplätze in der Region schaffen. Das ganze Jahr über sind ungefähr 28 Leute bei Oro del Desierto beschäftigt, in der Hochsaison natürlich noch ein paar mehr. Im Oktober und November wird nämlich durchgearbeitet, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Die Oliven müssen so schnell wie möglich in Öl verwandelt werden, nur so können die vielfältigen Aromen für den guten Geschmack erhalten bleiben.

Auf dem Hof sieht man noch ein paar der alten Becken, in denen die Oliven in früheren Jahrhunderten verarbeitet wurden. Heute zieren bunte Blumen die alten Mulden. „Damals nahm man sich einfach noch viel mehr Zeit“, meint Rafael „aber der Geschmack und die Qualität des Olivenöls litten darunter.“

oliven

Als wir wieder zurück in dem kleinen Laden sind, erzählt Rafael noch von seinen Reisen. Mittlerweile ist er nämlich in der ganzen Welt gefragt und erklärt auf Konferenzen, das hochgelobte Konzept der Nachhaltigkeit, mit der er sein mehrfach prämiertes Öl herstellt. Andere Olivenölproduzenten sollen von ihm lernen. Und Rafael teilt seine Erfahrungen gerne. Denn schließlich sollen auch kommende Generationen noch etwas von der Erde und den Oliven haben.

 oro del desierto olivenoel

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Dort wo früher Pferde und Esel standen, befindet sich heute ein kleines Restaurant. In dem großen Backofen wird zu besonderen Anlässen sogar noch gebacken. „Wenn Sterneköche zu uns kommen“, verrät Rafel „backen wir meist frisches Bauernbrot, das sie dann mit unserem Öl zusammen probieren können.“ Schon bei dem Gedanken an das frische Brot mit Olivenöl kriege ich sofort Hunger. Zum Glück darf ich die verschiedenen Sorten von Arbequina, Hojiblanca und Lechín bis Picual verkosten. Besonders lecker ist die Coupage, eine Mischung der verschiedenen Öle aus den einzelnen Sorten.

Bei der Preisverleihung des besten ökologisch hergestellten Olivenöls auf der ganzen Welt hat das Oro del Desierto dieses Jahr den zweiten Platz erreicht. „Letztes Jahr waren wir sogar Weltmeister“, zeigt Rafael mir stolz die Urkunde. Aber egal ob Erster oder Zweiter, jedes Jahr unter den besten fünf der Weltspitze zu sein, darauf können sie wirklich stolz sein.

Als ich mich von Rafael verabschiede, habe ich nicht nur mehrere Kanister des Wüstengolds im Kofferraum, sondern auch mal wieder ein neues Lieblingsolivenöl gefunden.

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Infos Oro del Desierto

Oro del Desierto
Ctra. Nacional 340, km. 474.
04200 Tabernas (Almería), Andalucía
Website: orodeldesierto.com

Die Anlage liegt kurz vor der Wüste Tabernas einer der trockendsten Gegenden ganz Europas. In dieser Gegend Almerias wurden zahlreiche Filme, vor allem Western, gedreht! Echt beeindruckende Landschaften! 

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