Raus aus Barcelona, die Umgebung erkunden

Bei einem Tagesausflug kannst Du ein ganz anderes Katalonien erleben, als das, was Du in Barcelona kennengelernt hast. Barcelona ist eine lebendige und spannende Stadt. Sie ist mittelalterlich und modern, katalanisch und multikulturell. Doch es lohnt sich, auch die Umgebung zu erkunden und ein paar Abstecher ins Umland zu machen. Du wirst erstaunt sein, was für spannende Orte und tolle Menschen Du in den Bergen oder an der Küste findest. Besonders dort, wo sich noch keine Touristen tummeln. Du brauchst nicht einmal ein Auto, denn in ein bis zwei Stunden Fahrt, sind viele ganz unterschiedliche Städte und Dörfer erreichbar. Mit der Bahn zu reisen ist eben nicht nur nachhaltig, sondern auch sehr praktisch.

Pilion Zugfahrt

a) Tagesausflug Richtung Tarragona

Sitges

Sitges ist besonders in den Sommermonaten ein beliebtes Ziel für einen Tagesausflug. Von Barcelona aus einfach und schnell zu erreichen, kommen aber nicht nur Badegäste gern hierher. Mich persönlich hat der Palau Maricel begeistert, den ein reicher Millionär sich zu Anfang des letzten Jahrhunderts in Sitges bauen ließ. Direkt daneben kannst Du das Cau Ferrat, ein Museum das in dem ehemaligen Wohnhaus des modernistischen Künstlers Santiago Russinols eingerichtet wurde, bewundern. Natürlich stößt man bei einem Bummel durch die Stadt noch auf andere modernistische Bauten, alte Villen und noch ein paar wenige alte Fischerhäuser mit den typischen blauen Rahmen um die Fenster herum. Wusstest Du übrigens, dass vor rund 120 Jahren ein junger Herr Bacardí von Sitges nach Kuba auswanderte und dort mit der Rumherstellung begann. Wenn Du nach einem Bummel an der Strandpromenade noch Zeit hast, kannst Du im Bacardí Museum vorbeischauen.

palau maricel tagesausflug

Hinkommen: RENFE Linie R2 sud
Vom Hauptbahnhof Barcelona Sants bis Sitges beträgt die Fahrzeit rund 35 Minuten. Unter der Woche fahren die Züge alle halbe Stunde. Andere Haltestellen sind Passeig de Gracia, und Estacio de França. Auch die R15 Richtung Tarragona hält in Sitges.

Reus

Reus ist die Hauptstadt des katalanischen Vermuts! Dieses lange Zeit so unscheinbare Getränk hat tatsächlich den großen Sprung vom Tisch der älteren Herren in die angesagten Locations der jungen Hipster geschafft. Zur Jahrhundertwende wurden in Reus die besten Vermuts in ganz Spanien produziert. Einige der alten Fabriken gibt es noch heute. Manche sind mittlerweile allerdings zu Restaurants umgebaut. Sogar neue Firmen sind entstanden, die ihre moderne Interpretation des alten Vermuts sehr erfolgreich vermarkten. Verschiedene Vermutsorten kannst Du entweder im Büro des Fremdenverkehrsamt (oficina de turisme) probieren oder Du gehst ins “Museu del Vermut”. Das ist kein normales Museum, sondern eine nette Bar, in der auf mehreren Stockwerken Bilder, Schilder, Infos zu den Zutaten und Hunderte Flaschen verschiedener Marken Vermuts ausgestellt werden.

Bei einem Tagesausflug nach Reus kommst Du um einen Besuch des Gaudí Centers nicht herum. In der Heimatstadt des Modernisten gibt es leider keine Bauwerke des Meisters, dafür aber dieses Museum, das sehr einfühlsam in die Gedankenwelt Gaudís entführt und das Werk des Architekten vorstellt. Auch wenn es in Reus keine Entwürfe Antoni Gaudís zu sehen gibt, kann die Stadt einige modernistische Bauten vorzeigen, wie die Casa Navàs oder das außerhalb liegende Institut Pere Mata (mit dem Bus zu erreichen).

Tagesausflug nach Reus
Hinkommen: RENFE Linie R15
Die Bahn Richtung Riba-roja d’Ebre fährt bis Reus. Vom Hauptbahnhof Barcelona Sants bis Reus beträgt die Fahrzeit rund eineinhalb Stunden.

Montblanc

Den Spuren des Drachentöters Sant Jordi kannst Du in dem mittelalterlichen Örtchen Montblanc folgen. Einmal im Jahr verwandelt sich das ganze Dorf sogar in die Welt der Legende. Dann reitet der edle Ritter hoch zu Ross durch die engen Gassen, vornehme Damen in langen Kleidern bummeln über den mittelalterlichen Markt. Spielleute ziehen musizierend umher und die Reiter messen ihre Geschicklichkeit in verschiedenen Wettkämpfen. Aber auch wenn gerade kein Festival angesagt ist, kannst Du bei einem Spaziergang durch Montblanc erstaunlich viele gut erhaltenen Mauern aus dem Mittelalter bestaunen. Die Stadtmauer und viele ihrer Türme sind bis heute gut erhalten. Und natürlich ist einer dieser Türme nach dem Heiligen Georg, dem Drachentöter benannt.

 Tagesausflug Montblanc

Hinkommen: RENFE Linie R13  und R14
Vom Hauptbahnhof Barcelona Sants bis nach Montblanc beträgt die Fahrzeit rund eine Stunde und vierzig Minuten.

Penedès – ein Tagesausflug in die Weinberge

Sant Sadurni d‘Anoia
In Barcelona selbst gibt es nur wenige Grünflächen. Wenn Du also Spaß am Radfahren hast oder einfach nur gern Wein oder Cava kosten möchtest, dann kannst du mit der Bahn ins Penedès fahren. In dem kleinen Örtchen Sant Sadurni d‘Anoia befinden sich die größten und bekanntesten Sektkellereien Kataloniens. Die Familie Codorníu begann hier schon vor mehreren Jahrhunderten mit dem Anbau der süßen Trauben. Codorniu gilt daher bis heute als das älteste Sekt- und Weingut. In dem von dem Modernisten Josep Cadafalch entworfenen Gebäude befindet sich heute ein Museum. Die größte und touristischste der katalanischen Kellereien ist Freixenet, nicht unbedingt die, mit dem besten Produkt.

Mein Tipp für Dich ist das Weingut Llopart, ein kleines, aber feines Familienunternehmen, das seit über hundert Jahren Cava in Champagnerqualiät herstellt. Um das Weingut zu erreichen, muss man allerdings vom Bahnhof aus ein Taxi nehmen (Taxi Païs del Cava – info@taxipaisdelcava.com).

Vilafranca del Penedès
Nur zwei Bahnstationen weiter liegt Vilafranca. Von dort aus startet Thomas seine Fahrradtouren durch die Weinberge. Unterwegs erzählt er die Geschichte des Cavas und wie es überhaupt dazu kam, dass die Katalanen damit begannen, dieses ursprünglich nur für die französische Champagne Region typische Getränk herzustellen. Die Wege führen durch grüne Landschaften, vorbei an den Weinstöcken. Bei Thomas hast Du die Wahl zwischen Mountainbike und E-Bike. Es ist also für jeden etwas passendes dabei. Der Höhepunkt so einer Fahrradtour ist natürlich der Besuch einer Wein- und Sektkellerei. Thomas arbeitet dabei ausschließlich mit kleinen Familienbetrieben zusammen, die nachhaltig biologisch arbeiten.

Tagesausflug Weinberge penedés

Hinkommen: RENFE Linie R4
Vom Hauptbahnhof Barcelona Sants bis Vilafranca beträgt die Fahrzeit rund 1 Stunde, bis Sant Sadurni d’Anoia sogar nur rund 45 Minuten.

Tarragona

Tarragona war einmal die Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Tarraconensis. Von Tarraco, wie die Römer diese bedeutende Siedlung nannten, ist bis heute noch unglaublich vieles erhalten geblieben. Das spektakuläre Amphitheater direkt am Meer, der Circus, unterirdische Tunnel und Gewölbe oder die Reste des Forums – überall in der Stadt stößt Du auf Reste antiker Mauern. Eigentlich ist Tarragona bei einem Tagesausflug gar nicht zu erfassen. Vielleicht solltest Du besser gleich eine Übernachtung einplanen.

tarragona tagesausflug

Hinkommen: RENFE Linie R 14, 15, 16, 17
Ungefähr alle halbe Stunde fährt ein Zug in Richtung Tarragona. Die Fahrtzeit beträgt vom Bahnhof Sants aus rund eine Stunde.

b) Tagesausflug Richtung Costa Brava

In Richtung Frankreich gibt es eine ganze Reihe Bahnlinien. Manche sind schneller, manche langsamer, und einige halten sprichtwörtlich an jeder Milchkanne. Je nachdem was Dir lieber ist, kannst Du zwischen schnell hin und schnell zurück oder kleine Dörfer bestaunen wählen. Die schnellen Züge sind natürlich auch wesentlich teurer als die Bummelzüge. Die Regional Express Züge nach Girona und Figueres fahren im Inland und weiter bis an die französische Grenze. Die kleinen Küstendörfer der Costa Brava sind von dort aus mit dem Bus zu erreichen. Der einzige Ort der Costa Brava, den Du von Barcelona aus direkt mit der Bahn erreichen kannst, ist Blanes.

Blanes

Blanes ist der südlichste Zipfel der Costa Brava. Nördlich davon erstrecken sich raue Klippen an der Küste, Richtung Barcelona hingegen ist die Landschaft flacher und die Strände sind breiter. Leider sind besonders die Orte nahe Barcelona sehr verbaut. Die älteste Bahnstrecke Spaniens führt hier direkt am Meer entlang. D. h. Du hast während der Fahrt eine tolle Aussicht, aber wenn Du zum Strand willst, musst Du stets eine Unterführung nehmen. Erst in Blanes endet diese Küstenlinie und führt weiter ins Hinterland, bis nach Girona. In Blanes lohnt es sich, zu den Resten der alten Burg Sant Joan hinaufzusteigen. Von dort hast Du einen tollen Blick auf die ersten Felsen der Costa Brava. Hier beginnt der Küstenstreifen langsam wilder zu werden und sich in kleine, schwer erreichbare Buchten aufzuteilen. La Palomera ist einer der beiden großen Felsen und hat sich fast schon zu einem Wahrzeichen der Stadt entwickelt. Oben auf dem Felsen kann man die ganze Strandpromenade überblicken.

Tagesausflug blanes

Hinkommen: RENFE R1
Mit der R1 geht es immer an der Küste entlang durch das Maresme bis nach Blanes. Falls Du weitere Küstenorte der Costa Brava entdecken willst, musst Du von dort aus auf Busse umsteigen oder Du fährst weiter bis Llança und Portbou.

Girona

Girona ist einer dieser Orte, die mehr als einen Tagesausflug verdient haben. Allein schon um durch die Altstadt zu bummeln, die kleinen Winkel und Gassen, die Brücken über den Onyar und die mächtige Kathedrale zu entdecken, braucht man mindestens einen ganzen Tag. Und dann hast Du noch keines der Museen besucht, von denen es gleich mehrere gibt, die richtig gut sind. Ich finde diese kleine Provinzstadt jedenfalls einfach bezaubernd. Und so viel Geschichte wie in meinen Lieblingsmuseen, dem Museu d’Història de Girona und dem Museu d’Història dels Jueus, findet man selten auf einem Haufen. Und das auch noch in den mittelalterlichen Gassen der Altstadt.

blick von oben kathedrale girona

Hinkommen RENFE R11 und R1, AVE
Es gibt Schnellzüge wie den AVE oder den TGV, die auf ihrem Weg nach Frankreich in Girona halten. Die sind sehr schnell aber auch sehr teuer. Billiger sind die Regionalzüge R1 und R11. Die Fahrt mit der Regionalbahn dauert in der Regel eineinhalb Stunden. Die MD (= Media Distancia) sind schneller als die einfachen Regionalbahnen (= R).

Figueres

Wenn Du der Spur der goldenen Ameisen folgst, die auf dem Boden vor dem Bahnhof beginnt, dann führt Dich diese Ruta Dalí zum Geburtshaus des Surrealisten, dem Wohnhaus seiner Familie und schließlich zum Theater-Museum. Einen Tagesausflug nach Figueres kannst Du aber für mehr nutzen, als nur für einen Abstecher ins Dalí Museum. In der kleinen Altstadt gibt es nette Cafés und kleine Boutiquen, zum Bummeln. Besonders schön ist das Museu de l’Empordà mit seinen Skulpturen, Gemälden und verschiedenen Ausstellungen.

museu de l'Emporda Figueres Kunst

Hinkommen RENFE R11 und R1
Die Schnellzüge AVE oder TGV halten auf ihrem Weg nach Frankreich zwar in Figueres, aber nicht am Bahnhof im Zentrum der Stadt, sondern an einem speziellen Bahnhof etwas außerhalb. Praktischer ist es, mit den Regionalzügen R1 oder R11 zu fahren.

Portbou

Portbou ist ein bisschen so, wie die unscheinbare, kleine Schwester des glamourösen Cadaqués. Hier tummeln sich nicht die Reichen und Schönen aus aller Welt. In Portbou geht es weniger bunt zu. Seit für die neuen Schnellzüge eine neue Trasse gebaut wurde, ist es an dem einst wichtigsten Bahnhof der Grenzregion heute still geworden. Portbou ist einfach ein kleines Dorf. Aber es ist auch der Ort, an dem Walter Benjamin seiner Flucht vor den Nazis ein Ende setzte. Ein Denkmal erinnert an die bewegende Geschichte des deutschen Philosophen.

portbou

Hinkommen RENFE R11
Mit der R11 von Barcelona aus erreichst Du nicht nur Figueres und Girona, sondern auch Portbou. Der letzte Abschnitt der Strecke führt sogar an der Küste entlang, mit Blick aufs Meer. Allerdings musst Du für einen Tagesauflug von Barcelona aus ungefähr zwei bis zweieinhalb Stunden Fahrt rechnen.

Mataró

Eigentlich ist Mataró vor allen Dingen eine industrielle Stadt. Doch auch hier gibt es ein paar modernistische Gebäude zu entdecken. Puig i Cadafalch entwarf für seine Heimatstadt el Rengle, ein kleines Gebäude auf dem Marktplatz, und das Delikatessengeschäft La Confianza. Besonders schön ist die Casa Coll i Regàs, die man auch besichtigen kann. Sogar Gaudí errichtete hier schon eine Halle für die Gewerkschafter der Textilindustrie, die Nau Gaudí. Noch viel älter als die Bauwerke der Jahrhunderwende ist die Torre Llauder. Schon die Römer hatten sich nahe der Küste niedergelassen und hier große Höfe und vornehme Villen errichtet.

mataro

Hinkommen RENFE R1
Die allererste Bahnstrecke Spaniens führte von Barcelona nach Matarò. Mit der R1 fährst Du noch heute von Barcelona aus immer am Meer entlang bis nach Matarò. Die Fahrt dauert ungefähr 45 Minuten.

Cardedeu

Cardedeu war bis zur Jahrhundertwende ein Urlaubsort, in dem wohlhabende Bürger aus Barcelona ihre Sommerferien verbrachten. Es lag (und liegt) hübsch im Grünen, zu Füßen des Montseny. Statt Strand und Meer suchte man damals frische Luft und sauberes Wasser. Und Cardedeu liegt nicht allzu weit von Barcelona entfernt. Wer es sich leisten konnte, errichtete hier einen kleinen Palast für die Sommerfrische. Immer mehr schicke Villen entstanden so zwischen den verstreut liegenden Bauernhöfen. Rund um die kleine Kirche wuchs die Siedlung zu einem richtigen Dorf zusammen.

Die meisten modernistischen Gebäude Cardedeus stammen aus der Feder des Architekten Manuel Raspall, der auch den Palau Mornau in Barcelona entworfen hat. Raspall gehörte zur zweiten Generation der Modernisten. Seine Werke sind nicht so verspielt und verschnörkelt wie die des Puig i Cadafalch, Domènech i Montaner oder Antoni Gaudí. Das Museum in Cardedeu veranstaltet regelmässig modernistische Spaziergänge zu den steinernen Zeugen seiner vornehmen Vergangenheit.

casa gual cardedeu

Hinkommen: RENFE mit der R4 Nord
Die R4 Nord fährt vom Flughafen, über Sants, Passeig de Gràcia und Clot direkt bis nach Cardedeu. Die Fahrt vom Stadtzentrum aus dauert circa 45 Minuten.

Nette Ziele für einen Tagesauflug sind auch Hostalric, Caldes de Malavella oder Lleida. Die Abfahrtszeiten der verschiendenen Regionalzüge findest Du auf dieser Seite  rodalies.gencat.cat

2 Comments

  • Liebe Nicole,

    mit diesem Bericht hast du einmal mehr gewonnen!
    Da wir öfters in Barcelona sind und nicht nur die Touristengegenden erkunden wollen (die haben wir schon oft gesehen), ist dieser Bericht Goldwert.
    Wir kommen natürlich auch mit dem Touristenbomber nach Barcelona, lehnen es jedoch ab, dort einen PKW zu mieten. Wir sind also fleißig per Metro, per Bus, per Bahn, oder per Fuß unterwegs. Natürlich sind unsere Besuche nicht auf Barcelona begrenzt, vielmehr möchten wir natürlich auch die Gegend und die Leute kennenlernen.
    Hier trifft dein Bericht ins Schwarze, da eigentlich alle diese wunderschönen Ziele eben per Bus oder Bahn erreichbar sind.
    Natürlich werden wir bei unserem nächsten Nach-Corona-Besuch an die einen oder anderen Vorschläge wagen.
    Wir sind schon sehr gespannt darauf!
    Vielen lieben Dank für deine immer guten Berichte und Vorschläge.

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