Spanien ist groß, das zweitgrößte Land Europas, jedenfalls von der Fläche her gesehen. Nur Frankreich ist noch größer. Mit “nur” rund 47 Mio Einwohnern (als ich herkam, waren es noch 40 Mio, Spanien ist ein Einwanderungsland) ist die Einwohnerdichte allerdings eher gering. Die meisten Menschen leben in den Ballungszentren oder an den Küsten. Im Inland hingegen geht es eher ruhig zu. Da erstrecken sich endlose Weiten, die man durchfahren oder erwandern kann.

Aber welche Regionen gibt es in Spanien?

Wie teilt man Spanien ein? Anstelle von Bundesländern gibt es in Spanien Comunidades Autónomas, autonome Gemeinschaft. Die wiederum sind in Provinzen (und die dann in Comarcas und Municipios) unterteilt. Es gibt insgesamt 17 autonome Regionen, von denen einige allerdings so klein sind, dass sie nur aus einer einzigen Provinz bestehen: Murcia ist die kleinste Region, aber auch La Rioja, Navarra, Asturien, Kantabrien und Madrid sind gleichzeitig Region und Provinz.

Katalonien besteht aus den vier Provinzen Girona, Barcelona, Tarragona und Lleida, Aragón aus Zaragoza, Teruel und Huesca. Valencia setzt sich aus Castellón, Valencia und Alicante zusammen. Der andalusische Süden teilt sich in die Provinzen Granada, Córdoba, Málaga, Cádiz, Almeria, Huelva, Sevilla und Jaén. Galicien ganz im Norden wird in die Provinzen A Coruña, Pontevedra, Lugo und Ourense eingeteilt. Castilla La Mancha besteht aus Albacete, Ciudad Real, Cuenca, Guadalajara und Toledo. Und last but not least zählt die Region Castilla y León mit Ávila, Burgos, León, Palencia, Salamanca, Segovia, Soria, Valladolid und Zamora sogar neun der insgesamt fünfzig spanischen Provinzen.

jerez de la frontera

Die kanarischen Inseln sind etwas komplizierter als die balerischen Inseln, die zusammen als eine Region und eine Provinz zählen. Die insgesamt acht kanarischen Inseln stellen zwar eine gemeinsame Region dar, teilen sich aber in zwei Provinzen, nämlich Santa Cruz de Tenerife (bestehend aus Tenerife, La Palma, La Gomera und El Hierro) und Las Palmas (bestehend aus Lanzarote, la Graciosa, Gran Canaria und Fuerteventura). Die beiden Exklaven auf afrikanischem Boden Ceuta und Melilla gelten nicht als eigenständige Regionen, sind aber durch ihre gewählten Abgeordneten im Senat und im Congreso de los Diputados vertreten.

beceite la Pesquera matarraña

Die autonomen Regionen Spaniens

1. Galicien
2. Asturien
3. Kantabrien
4. Baskenland
5. Navarra
6. La Rioja
7. Aragón
8. Katalonien
9. Kastilien und Leon
10. Madrid
11. Kastilien La Mancha
12. Valencia
13. Extremadura
14. Murcia
15. Andalusien

16. Balearische Inseln (Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera)
17. Kanarische Inseln (Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Tenerife, El Hierro, La Palma, La Gomera)

1. Galicien – Galicia

Ganz im Nordwesten geht es eher frisch zu. Die Regenwahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch. Auch im Sommer. Viele Pilgerwege aus allen Ecken der Halbinsel treffen in Galicien aufeinandern und führen nach Santiago de Compostela. Aber auch abseits der Pilgerwege ist der grüne Norden des Landes ein Paradies für Naturfreunde. Auf dem portugisieschen Jakobsweg konnte ich auf meiner Wanderung die Isles Cies vom Festland aus sehen. Die möchte ich unbedingt irgendwann einmal besuchen! Überhaupt lassen die grüne Landschaft und die Kultur der Dudelsäcke eher an Irland oder Schottland, als an spanische Küsten denken. In Wirklichkeit sind in Galicien Sprache, Kultur und Traditionen jedoch nah mit den portugiesischen Nachbarn verwoben.

ausgrabungen monte tecla portugiesischer Jakobsweg A Guarda

vigoEl Sireno  – Puerta del Sol – Vigo 

pontevedra loroLoro Ravachol – der Papagei aus Pontevedra 

2. Asturien – Asturias

Der grüne, wilde Norden ist für seine hohen Bergen nahe der schroffen Küsten bekannt. Surfer werden von der kräftige Brise und den Wellen des Atlantiks angezogen. Bergwanderer erklimmen die Gipfel in den Naturparks, hoffen darauf, Bären zu sichten, erkunden Höhlen oder bestaunen die Bergseen. Die Strände laden zwar nicht immer zum Baden ein, sind dafür aber mit ihren Klippen und vorgelagerten Inselchen besonders hübsch anzusehen.

Und natürlich ist Asturien die Heimat des Sidre, des spanischen Apfelweins, der hier traditionell auf sehr kunstvolle Weise aus großer Höhe ins Glas eingeschenkt wird.

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3. Kantabrien – Cantabria

Die Landschaft Kantabriens ist ähnlich wie Asturien von grünen Bergen und steilen Küsten dominiert. Außer dem nördlichen Jakobsweg führen noch andere Rad- und Wanderwege näher an der Küste entlang.

comillas-kantabrien

In Comillas findet sich eines der weniger bekannten Bauwerke des modernistischen Architekten Gaudí: Unweit des Strandes sticht das farbenfrohe Capricho Gaudí mit seinen bunten Kacheln aus dem satten Grün eines kleinen Parks heraus. In Santander zeigt ein Maritimes Museum die Geschichte der Schiffahrt und das Unterwasserleben der Bizkaia.

Strand von Laredo in Kantabrien, Jakobsweg Spanien
4. Baskenland – País Vasco (Euskadi)

Auch im Baskenland beherrschen hohe Berge und felsige Klippen das Bild der Landschaft. Die kleine Kapelle San Juan de Gaztelugatxe erhebt sich hier auf einem der Felsen über dem Meer. In Bilbao zieht das Guggenheim Museum Besucher aus aller Welt an. Dieser nördliche Teil Spaniens kommt so gar nicht sonnig und lieblich, sondern eher herb und rustikal daher. Die Basken haben den Ruf, absolute Dickköpfe zu sein, sie haben aber auch einen extrem feinen Gaumen. Heimliche Hauptstadt der Feinschmecker ist San Sebastian, auf Baskisch Donostia, sind viele Sterneköche zu Hause.

Alpenfeeling im Land der Basken 11
Die Bizkaia: von Lekeitio nach San Juan de Gaztelugatxe 21

5. Navarra

Das kleine Navarra erstreckte sich einst als Königreich von Pamplona weit über beide Seiten der Pyrenäen aus. Wer den Jakobsweg an der französisch-spanischen Grenze beginnt, startet meist in Roncesvalles und wandert von Navarra aus gen Westen. Die nördliche Hälfte der Region liegt in den kulturell bis heute stark baskisch geprägten Pyrenäen, der Süden ist hingegen spanischsprachig und orientiert sich traditionell eher an Kastilien. In Olite zeugt eine prachtvolle Burganlage von der Macht vergangener Königshäuser. In Pamplona werden jedes Jahr im Juli zu Sanfermines die Stiere durch die Straßen getrieben. Ruhiger geht es in der Mondladscahft der Halbwüste Bardenas Reales zu.

Von Brotkrumen der Hirten und Käse aus dem Valle de Roncal 12

altstadt pamplona rathaus ayuntamientoPamplona Rathaus 

Bardenas Reales Navarra bardena blanca spanienBardenas Reales

Eunate Kreuzgang navarra spanien camino de santiagoEunate 

6. La Rioja

La Rioja ist klein, aber weit über die Grenzen Spaniens für seine kräftigen Rotweine bekannt. Wer auf dem traditionellen Jakobsweg nach Osten wandert, kommt dabei auch durch Logroño, die Hauptstadt La Riojas. Außer den großen bekannten Weinkellereien, die mit auffälliger Architektur ins Auge fallen, lohnt der Besuch kleiner Bodegas. Niedliche Orte sind Haro oder das Dörfchen Briones.

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7. Aragón

In Aragón findest Du schneebedeckte Gipfel der Pyrenäen im Norden, menschenleere Landstriche im Westen und einsame Bergdörfer im Süden. Dazwischen maurisch anmutende Architektur wie in Teruel, Calatayud oder Zaragoza. Die Legende des Heiligen Grals ist mit einem der einsamen Klöster Aragóns verbunden und den Liebenden von Teruel ist sogar ein Mausolem gewidmet, das die Romeo-und-Julia-Geschichte des unglücklichen Paares erzählt. Wer gern wandern geht, findet hier viele ganz unterschiedliche Wander- und Radfahrstrecken, auf denen man die Region erkunden kann.

Ruta Jubierre Wandern spanien AragonRuta Jubierre – Monegros 

zaragoza basilica de la pilar ebro saragozaZaragoza Basilika Nuestra Señora del Pilar

zaragoza palacio de la aljaferia saragozaPalacio de la Aljaferia – Zaragoza

teruel treppeTeruel 

albarracín ausblickAlbarracín

montoro-de-mezquita Wasserfall

calaceite iberische siedlung

8. Katalonien – Catalonia (Catalunya)

Katalonien ist eine der meistbesuchten Regionen Spaniens. Mit seiner langen Küste, die sich von der Costa Brava ganz im Norden über die Costa Daurada bis ins Ebrodelta zieht, kamen schon früh Besucher an die Strände der ehemals kleinen Fischerdörfer. Vor rund zwanzig Jahren mauserte sich Barcelona plötzich zu einer beliebten Destination für Städtetrips und Wochenendreisen. Seit auch noch die Kreuzfahrtschiffe tagtäglich Tausende von Besuchern auf die Ramblas spuken, kämpft die Stadt verzweifelt gegen den Massentourismus. Dabei gibt es auch außerhalb der großen Metropole schöne Dinge zu sehen und zu erleben. In Tarragona kann man der Geschichte der Römer nachspüren, In Cardona oder den Aiguamolls besondere Naturlandschaften entdecken oder anspruchsvolle Bergwanderungen in den Pyrenäen unternehmen.  Museen und Kulturgüter zeigen die Werke von Künstlern wie Antoni Gaudí, Pablo Picasso, Joan Miró und Salvador Dalí. Nicht zu vergessen, die gute Küche!

Reisanbau im Ebrodelta

estany sant maurici parc natural aigüestortesAigüestortes i Estany Sant Maurici

pedraforcaPedraforca

cala frares gr 92 cami de ronda lloretLloret – Costa Brava

tarragona tagesausflugTarragona

9. Kastilien und Leon  – Castilla y León

Um es gleich vorweg zu nehmen, in Castilla y León gibt es den besten Käsekuchen der Welt. Jedes Restaurant wartet hier mit einer Tarta de Queso auf – eine köstlicher als die andere. Außer Milch und Käse gibt es auch so eindrucksvolle Städte wie Zamora und die altehrwürdige Universitätstadt Salamanca. Es gibt unglaublich leckere Weine und tolle Landschaften wie die Sierra de Francia oder das Duero Tal mit seinen tiefen Schluchten.

salamanca brueckeSalamanca

catedral vieja Salamanca KathedraleKathedrale Salamanca

Zamora KathedraleZamora

10. Madrid

Madrid ist die Hauptstadt Spaniens. Als monumentale Kapitale beherbergt sie Museen wie das Prado und das Reina Sofia, aber auch die Almudena Kathedrale, die Plaza Cibeles, den Retiro Park, die Plaza Mayor und jede Menge hübsche Stadtteile mit vielen kleinen Bars und Läden. Madrid ist turbulent, quicklebendig und erinnert mit seinem Barrio de Letras an all die vielen Dichter und Schriftsteller der spanischen Geschichte: Cervantes, Garcia Lorca, Calderon de la Barca, Lope de Vega,  …

corrales lavapiés

11. Kastilien La Mancha – Castilla La Mancha

Die Landschaften der Region Castilla La Mancha sind die Landschaften, durch die Cervantes trauriger Held Don Quijote mit seinem Freund Sancho Pansa zog. Auch heute noch findet man alte Windmühen in einsamen Gegenden, meist auf einem Hügel gelegen, die ihre Flügel im Wind drehen lassen. Cuenca hängt malerisch an einem steilen Felsvorsprung und in Toledo trifft man auf Zeugnisse einer Zeit in der Mauren, Juden und Christen friedlich zusammenlebten.

Windmühlen Castilla La Mancha Campo de Criptana

12. Valencia

Im südlichen Teil der spanischen Mittelmeerküste reicht Valencia von Katalonien bis nach Andalusien  (und zu der eher kleinen Region Murcia). Die Küsten sind seit Jahren fest in der Hand der Urlauber, doch das Hinterland ist in Deutschland bisher noch wenig bekannt. Da gilt es historische Landschaften des Maestrazgos, Höhlen, Lagunen und alte Burgen zu entdecken. In der Stadt Valencia ist das hübsche historische Altstadtzentrum dank eines breiten Grüngürtels, der durch ein trockengelegtes Flussbett verläuft, mit der futuristischen „Ciudad de las Artes y las Ciencias“, der Stadt der Wissenschaften verbinden.  Unbedingt probieren: Horchata! Die Erdmandelmilch erfrischt an heißen Sommertagen besser als jede Limonade.

Valencia - wo die Horchata herkommt 5Valencia 

Wasserball - in der Ciudad de las Artes y las Ciencias 4Ciudad de las Artes y de las Ciencias

Morella Burgmauer

Morella Maestrazgo ValenciaMorella

13. Extremadura

Die Extremadura ist eine der ruhigsten Regionen Spaniens. Keine Züge und kaum Verkehr auf den wenigen Straßen, die von einem Dorf zum anderen führen. Dafür unendliche Weiten der Dehesas, der mit Eichen bestandenen Weiden, auf denen die iberischen Schweine grasen. Doch nicht nur für seinen Schinken ist Extremadura in ganz Spanien bekannt. Hier liegen auch das Kloster Guadalupe, Städte wie Mérida oder Caceres und kleine Orte wie Zafra oder Jerez de los Caballeros.

Extremadura Landschaft

jerez de los caballeros extremadura kirche san bartolomeJerez de los Caballeros

14. Murcia

Murcia ist eine der kleinsten Regionen. Hier liegt Cartagena, eine Stadt, die seit ihrer Gründung durch die Punier vor über 2000 Jahren auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. In der archäologischen Ausgrabung kann man außer Überresten römischer und maurischer Bauten sogar noch eine punische Mauer bestaunen, die aus der Zeit stammt, als Hasdrubal die Siedlung mehr als 200 Jahre vor unserere Zeitrechnung gründete.

15. Andalusien – Andalucia

Andalusien ist nicht nur die größte Region Spaniens, sondern auch die mit den meisten beeindruckenden Bauten aus maurischer Zeit. Die Mezquita de Córdoba, die Alhambra in Granada, der Alcázar in Sevilla, die Alcazába in Almeria oder in Málaga – auch wenn die Zeit an den Gebäuden genagt hat, versetzten sie mich mit ihren feinen Linien und Dekorationen immer noch ins Staunen. Auch die kleinen, weißen Dörfer im Süden sind so malerisch, dass sie selbst schon zu einer Touristenattraktion geworden sind. Dazwischen erstrecken sich die wüsten Landschaften der Tabernas, die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada, Olivenbaumplantagen, Mandelbäume und natürlich die Strände an der Küste. Die reicht vom Cabo de Gata bis an den Atlantik, wo ein rauer Wind den Unterschied zum ruhigeren Mittelmeer schnell spüren lässt.

Alhambra GranadaAlhambra – Granada 

ameria statue alcazaba maurischAlmeria 

Alhambra GranadaAlhambra – Granada 

Altstadt CádizCádiz

vejer de la ftontera la cobijadaVejer de la Frontera

Auch wenn ich hier auf diese Regionen nicht weiter eingehe, gehören natürlich sämtliche Inseln dazu (Kanarische Inseln und die Balearen). Die beiden Städte Ceuta und Melilla gelten als spanische Exklaven auf afrikanischem Boden.

blume ibiza